Deutsche Film- und Fernsehgeschichte 1975

...und ein wenig Zeitgeschichte

 Rückblick - 1975 - Tagesschau

  

  

In der Bundesrepublik werden 55 Spielfilme gedreht, in der DDR 15.

   

Z 1. Januar

In der Bundesrepublik wird das Volljährigkeitsalter von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt.

  

1. Januar

Das ZDF strahlte eine neue Samstag-Abend-Show aus: "Musik ist Trumpf" mit Peter Frankenfeld.

  

14. Januar

Das ZDF zeigt in seiner Reihe »Das kleine Fernsehspiel« Helma Sanders' Fernsehspiel Unter dem Pflaster ist der Strand.

Im Herbst übernimmt Eckart Stein die Leitung der Redaktion »Das kleine Fernsehspiel« von seinem Vorgänger Hajo Schedlich

  

Z Februar

Margaret Thatcher wird Vorsitzende der Konservativen Partei Englands.

 

4. März

Der Schauspieler Charlie Chaplin wird von der britischen Königin Elizabeth II. (geb. 1926) zum Ritter geschlagen.

  

Z 14. März

Reeder und Multimilliardär Aristoteles Onassis stirbt in Paris im Alter von 69 Jahren.

  

24. März

Premiere von The Rocky Horror Picture Show. Nach mäßigem Start entwickelt sich dieser Film in den kommenden Jahren zu einer Zuschauerattraktion bis dato nicht gekannter Art. Es entstand eine Fangemeinde, die vielfach Texte mitsang und Filmszenen mitspielte und -tanzte. (Quelle: wikipedia)

  

Z 4. April

Bill Gates und Paul Allen gründen das Unternehmen "Microsoft", welches heute als multinationaler Software-Hersteller  einen Umsatz von knapp 70 Milliarden US$ erwirtschaftet und über 90.000 Mitarbeiter beschäftigt. (Quelle: wikipedia)

  

10. April 

Offizielle Eröffnung der Studios von ARD und ZDF in Ost-Berlin.

  

Z 15. April 

Das Kernkraftwerk in Biblis - bisher die größte Anlage dieser Art weltweit - nimmt ihren Betrieb auf.

   

1. Mai 

Das ZDF beginnt mit dem Mehrteiler Tadellöser und Wolff nach der Romanvorlage von Walter Kempowski, Regie: Eberhard Fechner.

  

Z 21. Mai

Gegen führende Mitglieder (Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Jan Carl Raspe und Gudrun Ensslin) der Baader-Meinhof-Gruppe wird in Stuttgart-Stammheim der Prozess eröffnet. Den führenden Köpfen der Gruppe werden vierfacher Mord und 54facher Mordversuch, Sprengstoffanschläge sowie die Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt.

    

23. Mai - Spezialpreis für Werner Herzog

Der Kaspar Hauser-Film Jeder für sich und Gott gegen alle wird bei den Festspielen in Cannes mit dem "Spezialpreis" der Internationalen Jury ausgezeichnet (dazu noch den OCIC- und FIPRESCI-Preis. Francis Ford Coppola, der von dem Film sehr begeistert war, kauft die Rechte für Amerika.

 

27. Juni bis 8. Juli - 25. Berlinale

Zum ersten Mal nimmt die DDR an den Filmfestspielen im 'Wettbewerb' teil mit Frank Beyers Jakob der Lügner. Die Filme John Glückstadt von Ulf Miehe und Eiszeit von Peter Zadek sind aus der Bundesrepublik vertreten. Ein Silberner Bär geht an den Schauspieler Vlastimil Brodsky (Jakob der Lügner).

Das 'Forum' zeigt u. a. Lina Braake von Bernhard Sinkel und Tagebuch von Rudolf Thome.

  

Die Retrospektive ist Greta Garbo gewidmet, wobei der Film Ninotschka wegen der sowjetischen Delegation nicht gezeigt werden darf.

  

27. Juni - Deutscher Filmpreis 

Es wird kein Filmband in Gold vergeben. Filmbänder in Silber gehen an Lina Braake, Jeder für sich und Gott gegen alle und Im Namen des Volkes von Ottokar Runze.

  

Uraufgeführte Filme 1975:

Einer flog über das Kuckucksnest von Milos Forman

Der weiße Hai von Steven Spielberg

Taxi Driver von Martin Scorsese

Monty Pythons Die Ritter der Kokosnuss von Terry Gilliam und Terry Jones

Barry Lyndon von Stanley Kubrick

Die 120 Tage von Sodom von Pier Paolo Pasolini

Lotte in Weimar von Egon Günther

  

Für 'hervorragendes Wirken im deutschen Film' wurden der Produzent Heinz Angermeyer, Franz Grothe, Dolly Haas, Johannes Heesters, Carl Junghans und Wolfgang Staudte ausgezeichnet.

  

  

Z 11. Juli

Die Terrakotta-Armee - Das Foto ist gemeinfrei.

Faszinierend! Die Terrakotta-Armee gehört seit 1987 zum Welt-Kulturerbe der UNESCO

Dieses Bild gilt als gemeinfrei. Dies gilt weltweit

Bei der Grabstätte des ersten Kaiser von China, Shih Huang Ti, fanden Archäologen in der Nähe von Xian tausende, teils mannsgroße, Tonfiguren, die Soldaten zu Fuß und Soldaten zu Pferde mit Kampfwagen darstellten.

Wikipedia schreibt: "Aus der Volksrepublik China wird das Entdecken einer Terrakottaarmee beim Mausoleum Qin Shihuangdis mitgeteilt. Archäologen hatten in den Monaten seit März 1974 nähere Untersuchungen am Fundort alter Bruchstücke aus Ton durchgeführt." (Siehe Foto rechts)

    

12. Juli

ZDF-Ausstrahlungsbeginn der 20teiligen englischen Familienserie Das Haus am Eaton Place.

  

28. Juli

Der "Monitor"-Beitrag über die Frankfurter Polizei wird vom Programmrat der ARD kritisiert.

 

Juli - Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure

In München wird der >Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure in Deutschland< gegründet, der seinen Mitgliedern zu mehr Rechten (finanzieller und sachlicher Art) verhelfen will. Der Vorstand besteht aus Helmut Dietl, Rainer Erler, Reinhard Hauff, Eberhard Itzenplitz, Peter Schulze-Rohr, Klaus Überall und Franz Peter Wirth.

  

1. August

Die Neuregelung des Gesetzes über das Zeugnisverweigerungsrecht der Mitarbeiter von Presse und Rundfunk tritt in Kraft. Die Journalisten erhalten dadurch ein uneingeschränktes Recht auf Aussageverweigerung in gerichtlichen Verfahren.

  

Z 14. September

Im Amsterdamer Rijksmuseum wird Rembrandts Bild "Die Nachtwache" mit Messerstichen attackiert. Es handelt sich offenbar um einen geistesgestörten Mann.

    

Z 1. Oktober

Verteidigungsminister Georg Leber begrüßt die ersten weiblichen Offiziere bei der Bundeswehr. Es sind fünf Ärztinnen, die im Sanitätsbereich eingesetzt werden.

  

1. November

Der italienische Filmregisseur und Publizist Pier Paolo Pasolini wird in der Nähe von Rom ermordet aufgefunden. Seine herausragenden Filme waren Accatone - Wer nie sein Brot mit Tränen aß, Das 1. Evangelium - Matthäus, Große Vögel - Kleine Vögel und Die 120 Tage von Sodom

  

16. November

  

Radio Bremen eröffnet in der ARD die Dokumentarreihe "Reservate". In der Chronik der ARD ist zur Sendung zu lesen: "Mit »Botschaften vom rechten Ufer – Mutmaßungen über Haute Couture und Mode« von Elmar Hügler eröffnet RB im Deutschen Fernsehen die Sendereihe »Reservate«."

  

Z 19. November 

Im Atomkraftwerk Gundremmingen passiert der erste tödliche Unfall in einem deutschen Atomkraftwerk. Zwei Menschen verbrühen sich tödlich bei ausströmenden Dämpfen.

 

Z 4. Dezember 

In New York stirbt die aus Deutschland stammende US-amerikanische Soziologin und Politologin Hannah Arendt.

Hinweis: Die Regisseurin Margarethe von Trotta drehte 2012 den Spielfilm "Hannah Arendt" mit einer hervorragenden Barbara Sukowa in der Titelrolle. Kinostart: 10. Januar 2013. Hier ist die offizielle Filmseite >>>

    

11. Dezember 

Im Rahmen der seit dem 18.3.1974 laufenden medienkundlichen Sendereihe "Betrifft: Fernsehen" analysiert Bernward Wember am Beispiel der Nordirland-Berichterstattung des ZDF in der Zeit von 1969 bis 1973 Möglichkeiten und Grenzen der Filmberichterstattung.

   

Z 15. Dezember

Günter Guillaume wird wegen Spionage für die DDR zu 13 Jahren Haft und seine Ehefrau zu acht Jahren Haft verurteilt. 1. Oktober 1981 - Der frühere Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt, Günter Guillaume, der 1975 wegen DDR-Spionage zu dreizehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden war, wird im Zuge eines Agentenaustausches in die DDR entlassen.
  

21. Dezember

Im ZDF ist der erste Teil des vorwiegend in Rumänien gedrehten Fernseh-Vierteilers Lockruf des Goldes in der Regie von Wolfgang Staudte zu sehen. Die literarische Vorlage stammt von Jack London. 

    

 

S o n s t i g e s / O h n e   D a t u m

  • Als erste in Geiselgasteig unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder gedrehte Produktion entsteht: Ich will doch nur, dass ihr mich liebt

  • Dieter Hallervorden. Bekannt wurde Hallervorden durch die TV-Serie Nonstop Nonsens (Regie: Heinz Liesendahl), dessen Konzept darin bestand, mit Wortwitz und Slapstick Geschichten zu erzählen. Manche waren an Blöd- und Albernheit kaum zu überbiegen, aber das Studio-Publikum und auch die Fernsehzuschauer wollten "Didi" sehen und liebten seinen Humor. Eine Schar von renommierten Schauspielern stand ihm dabei zu Seite, z.B. Rotraud Schindler, Kurt Schmidtchen und Gerhard Wollner.  Als Sahnehäubchen gab es in jeder Sendung den sogenannten "gespielten Witz", hier wurden "Palim Palim - Eine Flasche Pomm Frit!" oder "Die Kuh Elsa" zum Synonym für Hallervordens Komik.

  • Hans W. Geißendörfer führt Regie bei der sechsteiligen Fernsehserie Lobster. Die Krimi-Homepage schreibt zur Serie: "Lobsters Fälle liegen, auf den ersten Blick jedenfalls, außerhalb des Kompetenzbereichs der Polizei und manchmal auch außerhalb der Legalität. "Lobster" ist das englische Wort für Hummer und wie ein Hummer hat auch der Titelheld eine harte Schale: er bleibt friedlich, solange man ihn in Ruhe lässt, wird er aber gereizt, dann packt er plötzlich zu. In weiteren Rollen waren Max Mairich als Kommissar Korn und Léonie Thelen als Ellen Lobster zu sehen.
    Heinz Baumann übte in dieser Serie schon für seine Paraderolle als Kommissar Strobel in Adelheid und ihre Mörder. Die einzelnen "Folgen wurden von Peter Berneis und Karl Heinz Willschrei geschrieben, die zuvor schon für die Bavaria den Fünfteiler "Härte 10" verfasst haben. In Gastrollen waren mit dabei: Heinz Bennent, Lisa Kreuzer, Wilfried Klaus, Anne Bennent, Alexander Golling, Herbert Fleischmann, Andrea Jonasson, Richard Münch, Gisela Uhlen, Irm Hermann, Günther Stoll, Walter Kohut, Ivan Desny, Mascha Gonska und viele andere." 
    (Quelle: http://krimiserien-heimat.eu)

  • Erfolgreichster deutscher Film des Jahres: Die verlorene Ehre der Katharina Blum, gefolgt von Bernhard Sinkels Erstlingswerk Lina Braake. In San Sebastian wird Die verlorene Ehre... mit dem OCIC-Preis und Maximilian Schells Der Richter und sein Henker mit einer Silbernen Muschel ausgezeichnet.

  • Erste Regiearbeiten von Ulf Miehe (John Glückstadt) und Margarethe von Trotta (Co-Regie bei Die verlorene Ehre...).

  • Erste Spielfilme von Hartmut Bitomsky (Auf Biegen oder Brechen), Manfred Purzer (Das Netz), Bernhard Sinkel (Lina Braake).

  • Der Preis der deutschen Filmkritik geht an Es herrscht Ruhe im Land.

  • Den Ernst Lubitsch-Preis bekommt Angelika Milster.

  • 6 Filmbänder gleichzeitig bekommt der Film Falsche Bewegung  von Wim Wenders (Regie, Autor, Schauspieler-Ensemble, Komponist, Kamera, Cutter).

  

M U S I K A L I S C H E S  1975

  • Die George-Baker-Selection hat mit Una Paloma Blanca einen Riesenhit.

  • Zu den meistverkauften LPs gehört in diesem Jahr Mein Gott, Walter von Mike Krüger.

  • Zum Jahreswechsel hat Rod Stewart mit Sailing seinen bisher größten Hit.

  • Die Heavy Metal-Band Iron Maiden wird gegründet.

  • Freddie Mercury schreibt und veröffentlicht für "Queen" den Supersong Bohemian Rhapsody, welcher auf dem Album A Night at the Opera erscheint.

  

A k t u e l l e  H i t s  1975

  

Tränen lügen nicht - Michael Holm

You Ain't Seen Nothing Yet - Bachman-Turner Overdrive

Griechischer Wein - Udo Jürgens

I Can Help - Billy Swan

Una Paloma Blanca - George Baker Selection

SOS - Abba

Lady Bump - Penny Mc Lean

Tu t'en vas - Alain Barrière & N. Cordier

Wenn die Rosen erblühen in Malaga - Cindy & Bert
Schön wie Mona Lisa - Demis Roussos
Rosamunde - Denny Christian
What A Difference A Day Makes - Esther Phillips

Thanks For The Memory - Slade
If You Think You Know How To Love Me - Smokie

Bohemian Rhapsody - Queen
  

  

B a m b i - S i e g e r  1975 

    

Nach fünfjähriger Pause gibt es wieder Film-Bambis: Der Lord vom Barmbeck von Ottokar Runze erhält einen, ein weiterer geht an Terence Hill (Mario Girotti) und Bud Spencer (Carlo Pedersoli). Weitere Bambis bekommen William Conrad (11.02.1994), Reinhard Glemnitz, Martin Lüttge, Sabine von Maydell, Erik Ode, Helmut Ringelmann (2011), Telly Savalas, Günther Schramm, Helma Seitz, Manfred Sellge (Fernsehredakteur beim WDR) und Fritz Wepper

Weitere Informationen zum Jahr 1975 sind auf der Webpräsenz www.bambi.de zu finden.

 

   

   

B R A V O - O T T O - Leserwahl 1975

  

Kategorie männliche Filmstars: Gold Terence Hill, Silber Jan-Michael Vincent, Bronze Louis de Funès

Kategorie weibliche Filmstars: Gold Ute Kittelberger, Silber Linda Blair, Bronze Christiane Gött

Kategorie Beat-Gruppen: Gold Bay City Rollers, Silber The Sweet, Bronze Abba

Kategorie Sänger: Gold David Cassidy, Silber Albert Hammond, Bronze Jürgen Marcus

Kategorie Sängerinnen: Gold Juliane Werding, Silber: Penny McLean, Bronze: Suzi Quatro

Kategorie TV-Stars weiblich: Gold Susan Dey, Silber Gillian Blake, Bronze Ingrid Steeger

Kategorie TV-Stars männlich: Gold Michael Douglas, Silber Peter Falk, Bronze Michael Gray

Kategorie Sportler: Gold Sepp Maier, Silber Gerd Müller, Bronze Franz Beckenbauer

Kategorie Sportlerinnen: Gold Ulrike Meyfarth, Silber Ellen Wellmann, Bronze Prinzessin Anne

Kategorie TV-Moderator: Gold Ilja Richter, Silber Rudi Carrell, Bronze Michael Schanze

Kategorie TV-Moderatorin: Gold Uschi Nerke, Silber Karin Tietze-Ludwig, Bronze Elfie von Kalckreuth   

  

 

Sieger der "Goldenen Kamera" von HörZu 1975

  

Rudi Carrell "Rudi Carrell-Show" - 1. Platz HörZu-Leserwahl
Hans Rosenthal "Dalli Dalli" - 2. Platz HörZu-Leserwahl
Wim Thoelke "Drei mal neun" - 3. Platz HörZu-Leserwahl

Der Erlös dieser Jubiläumsveranstaltung (10 Jahre!) wurde der Deutschen Kinderkrebshilfe gestiftet.

(Quelle: www.goldenekamera.de)

  

L I T E R A T U R 1975

  

"Film und revolutionäre Arbeiterbewegung in Deutschland" von G. Kühn, K. Tümmler, W. Wimmer (Hg.), 2 Bände. Berlin/DDR: Henschel. 424 und 598 Seiten. Dokumente und Materialien zur Entwicklung der Filmpolitik der revolutionären Arbeiterbewegung und zu den Anfängen der sozialistischen Filmkunst in Deutschland. Umfangreiche Zusammenstellung von Zeitungsberichten, Kritiken und amtlichen Verlautbarungen.

  

"Lexikon des Internationalen Films", Band 1: Länder A-J, Band 2: Länder K-Z von Ulrich Kurowski (Hg.), München, Wien: Carl Hanser. 172 und 147 Seiten. Auf 9 Bände angelegt. Leider sind bei diesen Büchen etliche Auslassunge zu bemängeln. Bei den beteiligten 30 Autoren sind nur einige Artikel mit "gut" zu bewerten.

    

 

  

E i n i g e   K i n o-  u n d  F e r n s e h f i l m e   d e s   J a h r e s  1975

   

Lina Braake

Regie und Drehbuch: Bernhard Sinkel

  

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Regie: Schlöndorff / Margarethe von Trotta

      

Es herrscht Ruhe im Land

Regie: Peter Lilienthal

  

Moses und Aaron

Regie: Jean Marie Straub, Daniéle Huillet

       

Falsche Bewegung

Regie Wim Wenders

Nach dem Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre von J. W. v. Goethe. Eine Reise durch Deutschland von Flensburg zur Zugspitze.

Darsteller: Rüdiger Vogler, Hanna Schygulla, Hans Christian Blech, Peter Kern, Nastassja Kinski

    

Der letzte Schrei

Regie und Drehbuch: Robert van Ackeren

  

In der Fremde

Regie: Sohrab Shahid Saless

Der iranische Filmemacher Sohrab Shahid Saless erzählte von dem türkischen Gastarbeiter Husseyin im Westberliner Bezirk Kreuzberg. Am Tag arbeitet Husseyin an einer Stanzmaschine. Am Abend ist er allein. Seine Heimat hat Husseyin verlassen, die Fremde will ihn nicht haben. 

  

Berlinger

Regie und Drehbuch: Bernhard Sinkel / Alf Brustellin

  

Die Antwort kennt nur der Wind

Regie: Alfred Vohrer

    

Die Atlantikschwimmer

Regie und Drehbuch: Herbert Achternbusch

      

Faustrecht der Freiheit 

Regie: R. W. Fassbinder

   

Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel

Regie: R. F. Fassbinder

  

  

Einige D E F A-Filme des Jahres 1975

  

Bankett für Achilles  

Regie: Roland Gräf

 

Die schwarze Mühle

Regie: Celino Bleiweiß

Am Tage müssen Krabat und die anderen Knechte der Schwarzen Mühle hart arbeiten, nachts werden sie vom Schwarzen Müller in Vögel verwandelt. Seine Zauberkraft verdankt dieser dem Buch des Wissens. Krabat, der sich der Macht des Zaubers durch den Reif der Freude, den er am Arm trägt, entziehen kann, erlernt unentdeckt die Geheimnisse des Buches, um seine Kameraden aus dem Bann des Schwarzen Müllers zu befreien. (Quelle: Beschreibung Filmmuseum Potsdam)

  

Eine Pyramide für mich

Regie: Ralf Kirsten

 

Ikarus

Regie: Heiner Carow

 

Mann gegen Mann

Regie: Kurt Maetzig

   

Unser stiller Mann

Regie: Bernhard Stephan

   

Zwischen Nacht und Tag

Regie: Horst E. Brandt

  

    

G e b u r t s t a g e  1975

  

13.01.  Daniel Kehlmann, österreichischer Schriftsteller ("Vermessung der Welt"), Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann

03.03.  Johanna Wokalek, Schauspielerin

31.03.  Bettina Zimmermann, Schauspielerin

04.06.  Radost Bokel, Schauspielerin (Film Momo)

06.06.  Fritzi Haberlandt, Schauspielerin

07.07.  Nina Hoss, Schauspielerin

22.09.  Christian Ulmen, Schauspieler

  

     

G e s t o r b e n  1975

  

11. Januar 1975 - Roma Bahn, geboren am 30. Oktober 1896

Deutsche Schauspielerin

Erste Trägerin der Hermine-Körner-Ringes, war mit dem Regisseur Karlheinz Martin und in zweiter Ehe mit dem Architekten Hugo Häring verheiratet. Die Schauspiel-Ausbildung begann an der Max Reinhardt-Schule. Ihre erste Filmrolle erhielt sie in dem 1919 von Karl Grune gedrehten Film Der Mädchenhirt. Weiterhin folgten Die Verwandlung (1920), Von morgen bis Mitternacht (1920). In weiteren Jahren war sie bis in die 1960er-Jahre hinein an diversen Berliner Theatern beschäftigt, wobei einer ihrer größten Erfolge die Rolle der Polly Peachum in der Uraufführung der "Dreigroschenoper" im Jahre 1928 war. Bertolt Brecht's Stück avancierte zum größten Theatererfolg der 20er Jahre. 

  

    

Foto: Murnau-Stiftung

Günther Lüders und Gertrud Meyen in "Ein schöner Tag", 1943, Regie: Philipp Lothar Mayring

©Murnau-Stiftung

1. März 1975 - Günther Lüders, geboren am 5. März 1905

Deutscher Schauspieler, Filmkomiker und Kabarettist

Der "Spiegel" schreibt zu seinem Tod >>>

Das Foto zeigt Günther Lüders im Kostüm seiner Rolle im Film "Der Etappenhase" von 1937
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
aus Kinoprogrammheft "Das Programm von heute" (Verlag R. Leminger, Wien 1937)
Da der Fotograf/Urheber unbekannt und das Werk älter als 70 Jahre ist, gilt es somit als gemeinfrei.

Günther Lüders wird in Lübeck als Sohn eines Reederei-Besitzers geboren. Nach dem Gymnasium und einer kaufmännischen Lehre nimmt er Schauspielunterricht in Lübeck, dort hat er auch sein Theaterdebüt, spielt dann als Mitglied bei der Wanderbühne des Städtebund-Theaters. Weitere Engagements in Dessau, Frankfurt a.M. und Berlin, wo er sich 1934 niederlässt. In Berlin trat er nicht nur am Theater auf, sondern auch im Kabarett "Katakombe" und "Tingeltangel" Karriere.

Kai Weniger schreibt: "Mit verklausulierten, systemkritischen Andeutungen und spöttelnden Wortkaskaden balancierten die "Katakomben"-Akteure stets am Rande der Verhaftung und forderten die braunen Machthaber regelmäßig heraus. Im Mai 1935 wurde Lüders und seine "Katakomben"-Kollegen Werner Finck und Walter Gross schließlich festgenommen und für einige Monate in ein KZ deportiert."

Bald ist er wieder an diversen Theatern Berlins zu sehen. In den Jahren bis zum Kriegsende sah man Lüders in Filmen wie Der Etappenhase (1936), Die Kreutzersonate (1936/37), Nanu, Sie kennen Korff noch nicht? (1938), Alles Schwindel (1939), Sechs Tage Heimaturlaub (1941), Ein Walzer mit dir (1942), Das Mädchen Juanita (Frau über Bord) (1944, Regie: Wolfgang Staudte) u.v.m., so dass er an die hundert Rollen spielt.

Von 1947 bis 1954 ist Lüders bei Gustaf Gründgens in Düsseldorf engagiert, von 1960 bis 1962 Schauspieldirektor am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart. Nach dieser Erfahrung zieht er es vor, nur noch als freier Schauspieler zu arbeiten.

  

Bei www.steffi-line.de ist über Günther Lüders u.a. zu lesen: "Die Fernsehzuschauer erlebten Lüders sporadisch in verschiedenen Produktionen, unter anderem natürlich mit seiner Paraderolle des Elwood P. Dowd in der von Imo Moszkowicz in Szene gesetzten TV-Fassung von "Mein Freund Harvey" (1959). Unter der Regie von Rudolf Noelte spielte er in "Drei Schwestern" (1966) von Anton Tschechow, 1968 erlebte man ihn in Günter Gräwerts O'Neill-Inszenierung "Der Eismann kommt" als Harry Hope, Alfred Weidenmann besetzte in ein Jahr später neben Liselotte Pulver in "Pistolen-Jenny"; Anfang der 70er Jahre agierte Lüders auch in zwei Folgen der beliebten Krimi-Reihe "Dem Täter auf der Spur". Darüber hinaus war der Schauspieler häufig im Rundfunk zu hören, er gab Rezitationsabende mit Werken von Mathias Claudius, Goethe, Wilhelm Busch sowie Joachim Ringelnatz und Christian Morgenstern, denen seine besondere Liebe galt."

Einige Spielfilme inszeniert er auch selbst, wie z. B. Wenn wir alle Engel wären (1956), Vater, unser bestes Stück (1957). Seinen letzten Filmauftritt hatte er als Lehrer Hartmann in Ich bin ein Elefant, Madame (1969) in der Regie von Peter Zadek, der Peter Lüders als ernsthaften Charakterdarsteller einsetzte. (Quelle: Einige Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 5, S. 128. - mit Erlaubnis des Autors)

Weitere Filme mit Günther Lüders sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

 

 

      

  

  

3. März 1975  - Therese Giehse, geboren am 6. März 1898 

Therese Giehse als Wassa Schelesnowa. Eine Rolle, die ihr auf den Leib geschrieben scheint.

Szenenbild aus dem Stück "Wassa Schelesnowa" von Maxim Gorki an den Kammerspielen Berlin Berliner Ensemble: "Wassa Schelesnowa" von M. Gorki mit Erwin Geschonneck als P.B.Charpow, Regie Berthold Viertel

Foto: Abraham Pisarek. Aufn.-Nr.: df_pk_0000811_014
Eigentümer: SLUB / Deutsche Fotothek

Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt am 19.05.2017

Deutsche Schauspielerin

Therese Giehse, Wolfgang Kieling, Gustav Knuth

und Kurt Ehrhardt

(Szenefoto aus Die Physiker, Regie: Fritz Umgelter)

©SWR Media Services

Die große Charakterschauspielerin wurde in München als Therese Gift als fünftes Kind eines jüdischen Kaufmanns geboren. Sie bestand ihre Schauspielprüfung nicht. Otto Falckenberg holte sie aber 1925 an die Münchener Kammerspiele. Zusammen mit Erika Mann und Klaus Mann (Tochter und Sohn von Thomas Mann) gründet sie im Januar 1933 das politische Kabarett "Die Pfeffermühle". Die allabendlich ausverkauften Vorstellungen finden Wand an Wand zum Münchner Hofbräuhaus statt, in dem Hitler oft zeitgleich seine Propagandareden hält. Im Frühjahr 1933 flieht sie nach Zürich, wo sie ihre kabarettistischen und schauspielerischen Arbeiten fortsetzt. Als Engländerin kehrt sie 1949 nach Deutschland zurück und arbeitete außer in München auch in Berlin an der Schaubühne am Halleschen Ufer. Neben der Mutter Courage spielte sie Hauptmanns Mutter Wolffen im 'Biberpelz', Frau John in 'Die Ratten', Kleists Marthe Rull in 'Der zerbrochene Krug', Dürenmatts Claire Zachanassian im 'Besuch der alten Dame' und Fräulein Dr. Mathilde von Zahndt (absolut genial!) in Dürrenmatts Fernsehinszenierung 'Die Physiker', Regie: Fritz Umgelter.

Sie starb wenige Tage vor ihrem 77. Geburtstag am 3. März 1975 in München kurz nach Beendigung des Films Black Moon, den Regisseur Louis Malle ihr widmete. Eine ihrer letzten Rollen war die Oma Häusler in der Serie Münchner G'schichten mit Günther Maria Halmer (Therese Giehse spielt hier Tscharlis jüdische Oma)

Weitere Filme mit Therese Giehse sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

  

Literatur über/von Therese Giehse:

- Renate Schmidt: Therese Giehse. "Na, dann wollen wir den Herrschaften mal was bieten!" Biografie. Langen Müller, München, Neuausgabe 2008, ISBN 978-3-784-43166-6

- Michaela Karl: Therese Giehse: "Die Mutter Courage". In: "Bayerische Amazonen – 12 Porträts". Pustet, Regensburg 2004. ISBN 3-7917-1868-1. S. 132-150

- "Ich hab nichts zum Sagen". Gespräche mit Monika Sperr. C.Bertelsmann Verlag, München, Berlin, Wien 1973, ISBN 3-570-08405-1

- Helga Keiser-Hayne: Erika Mann und ihr politisches Kabarett „Die Pfeffermühle“ 1933-1937. Rowohlt, Reinbek 1995, ISBN 3-499-13656-2

  

  

  

Carl Wery als Generaldirektor Boller in "Was will Brigitte?" aus dem Jahre 1940, Regie: Paul Martin. Nach dem Theaterstück "Das verzauberte Mädchen" von Martin Doerhoff - Foto: Murnau-Stiftung

Carl Wery

als Generaldirektor Boller in "Was will Brigitte?" aus dem Jahre 1940

Regie: Paul Martin

©Murnau-Stiftung 

14. März 1975  - Carl Wery, geboren am 7. August 1897

Deutscher Schauspieler

Sein richtiger Name war Wery de Lemans, seine Vorfahren waren Hugenotten, und er wurde in Trostberg (Chiemgau) geboren. Er hatte vor, sich dem Malerberuf zu widmen, musste sich aber eingestehen, dass er für diesen künstlerischen Beruf nicht genügend Begabung besaß. Er machte eine Lehre als Kaufmann und war nach einigen Jahren Direktor einer Holzfabrik. Er entschloss sich also sehr spät, Schauspieler zu werden. Er nahm privaten Schauspielunterricht bei Fritz Ulmer. 

Sein Bühnendebüt gab Wery 1929 in Bielefeld. Von Bielefeld aus kam er nach Münster und 1932 nach Berlin an das Renaissance- und Schiller-Theater. Otto Falckenberg sah den charakterstarken Mann auf der Bühne und holte ihn nach München an die Kammerspiele, wo er die nächsten 14 Jahre verpflichtet blieb. 

Neben seiner Theaterarbeit rief 1932 zum ersten Mal auch die Kinoleinwand. Es spielte in Filmen wie Keinen Tag ohne Dich (1933), Königswalzer (1935), in Wasser für Canitoga spielte er den Vorarbeiter Westbrook (1939, mit Hans Albers), Kleine Residenz (1942) und Via Mala (1945). In den 30er- und 40er-Jahren drehte er nicht so viele Filme. Seine eigentliche Filmkarriere fing auch erst nach dem Krieg an, und er hatte seine große Zeit in den 50er-Jahren: hier waren es Filme wie z.B. in Die seltsame Geschichte des Brandner Kaspar, Die große Versuchung, Heidi, Ein Herz spielt falsch, Ave Maria, Konsul Strotthoff, Es geschah am 20. Juli (Rolle: Generaloberst Friedrich Fromm), Der Meineidbauer (Regie: Rudolf Jugert), Der Bauerndoktor von Bayrischzell, Die grünen Teufel von Monte Cassino (Regie: Harald Reinl), Arzt aus Leidenschaft und Kriegsgericht, um nur einige Leinwandrollen zu nennen. Seine Darstellung als verbitterten Menschenfeind Grummel, dem durch eine Schar von Kindern eine menschlich gütige Wandlung widerfährt, in dem von Erich Waschneck inszenierten Streifen Hab’ Sonne im Herzen (1952, mit Liselotte Pulver) bleibt im Gedächtnis. Das Drehbuch schrieb nach dem Tod von Walter Lieck die Gattin des Schauspielers, Erna Fentsch, zu Ende. Sie schrieb auch weitere Drehbücher für ihren Ehemann, auch für den Film Am Galgen hängt die Liebe, nach dem Bühnenstück "Philemon und Baucis" von Leopold Ahlsen. "Zusammen mit Annie Rosar spielte er ein altes Ehepaar, dass sich während der Partisanenkämpfe 1944 in Griechenland gegenüber Freund und Feind seinen Humanismus bewahrt und für diese Einstellung in den Tod geht" (zitiert aus "Das große Personenlexikons des Films" von Kay Weniger).  

1965 wurde Carl Wery schwerkrank und zog sich von der Schauspielerei zurück. Er starb am 14. März 1975 an einer Lungen- und Rippenfellentzündung in einem Münchner Krankenhaus und wurde auf dem Friedhof in Bogenhausen beerdigt.

Anmerkung: Ich (R.K.) kann mich an die Rolle des Großvaters in dem Fernsehspiel Der Tod im Apfelbaum von Wilhelm Semmelroth erinnern. Ich war 7 oder 8 Jahre alt. Meine Eltern hätten mich den Film besser nicht sehen lassen sollen, ich träumte noch Jahre später davon und hatte große Angst...

Weitere Filme mit Carl Wery sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

(Quelle: Einige Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 8, S. 345-346 - mit Erlaubnis des Autors)

  

  

      

Paul Verhoeven in "Salonwagen E 417", Regie: Paul Verhoeven, 1939 - Foto: Murnau-Stiftung

Paul Verhoeven in

"Salonwagen E417", 1938

©Murnau-Stiftung

22. März 1975 - Paul Verhoeven, geboren am 23. Juni 1901

Schauspieler, Regisseur, Intendant

Vater von Michael Verhoeven. Paul Verhoeven (nicht zu verwechseln mit dem niederländischen Hollywood-Regisseur gleichen Namens) wurde in Unna geboren. Seine Schauspielausbildung absolvierte er bei Karl Wüstenhagen. Verhoevens Talent wurde in München von der Schauspielerin Hermine Körner erkannt, wohin ihn Wüstenhagen mitnahm. Nach Engagements in Dresden und Frankfurt am Main kam er zum Deutschen Theater, wo Heinz Hilpert (1890-1967) die Intendanz hatte. Sein Theaterdebüt hatte Paul Verhoeven 1922 in einer Aufführung des "Peer Gynt" am Bayerischen Staatsschauspiel. In der Spielzeit der Jahre 1932/33 arbeitete er erstmals an der Volksbühne in Berlin, wo er später als Regisseur aktiv wurde. Er inszeniert zahlreiche Klassiker, wobei er in der Theatersaison 1943/44 als Intendant am Theater am Schiffbauerdamm beschäftigt war.

Von 1945 - 1949 stand Verhoeven dem Bayerischen Staatsschauspiel in München vor. Dort blieb vor allem seine Regie von Shakespeares "Ein Wintermärchen" in Erinnerung. Ab 1963 leitete er die  Münchner Kammerspiele als Schauspieldirektor. Seit seiner Übersiedlung nach Berlin im Jahre 1933 war Paul Verhoeven auch beim Film aktiv, aber er führte lieber Regie als vor der Kamera zu agieren.

Seinen ersten Kinofilm inszenierte er 1937. Von da an drehte er zahlreiche leichte, komödiantisch gefärbte Unterhaltungsfilme für die Produktionsfirmen Bavaria und Tobis (Die Fledermaus - Operettenfilm, Der Tag nach der Scheidung, Salonwagen E417 (Drehbuch: Helmut Käutner), Aus erster Ehe). Auch im deutschen Nachkriegskino war er als Regisseur aktiv und inszenierte Filme wie Dieser Mann gehört mir (1949/50), Das kalte Herz (1950, DDR), Die goldene Brücke (1956).

In weiteren Jahren sah man Paul Verhoeven wieder öfter als Schauspieler, wobei er vor allem beim Fernsehen als respektabler Charakter auffiel. Eine seiner schönsten Aufgaben erhielt er 1965 mit dem Part des moralisch unantastbaren Nazi-Verächters und Kirchenmannes Bernhard Lichtenberg in Peter Beauvais' gleichnamigem Fernsehspiel. Verhoeven hatte auch zahlreiche Regiearbeiten für das Fernsehen übernommen und konnte hier gute Stoffe verarbeiten nach literarischen Vorlagen von Maxim Gorki, Max Frisch und Erich Maria Remarque. Vor allem seine historischen Dokumentarspiel-Inszenierungen der ausgehenden 1960er- und beginnenden 1970er-Jahre gehörten zum Informativsten und Unterhaltsamsten, was das deutsche Fernsehen in dieser Sparte hervorgebracht hatte, z.B. Walter Rathenau - Untersuchung eines Attentats (1965, Regie Franz Peter Wirth, Verhoeven spielt einen gewissen Dr. Helfferich), Richard II. (1968, Regie Franz Josef Wild, Verhoeven spielt Johann van Gaunt), Die Ratten (1969, Regie Peter Beauvais, Verhoeven spielt Direktor Hassenreuther).

Verhoeven war mit der Schauspielerin Doris Kiesow verheiratet. Aus dieser Beziehung gingen die Kinder Lis, Monika und Michael hervor.  Während einer Gedenkfeier an den Münchner Kammerspielen für die kurz zuvor verstorbene Schauspielerkollegin Therese Giehse (>>> siehe weiter oben) brach Paul Verhoeven zusammen. Und obwohl Sohn Michael als Arzt sofort zur Stelle war, konnte trotz der Wiederbelebungsversuche der Schauspieler nicht gerettet werden. (Quelle: Einige Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 8, S. 160-161 - mit Erlaubnis des Autors)

Weitere Filme mit Paul Verhoeven sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

  

  

27. Juni 1975 - Robert Stolz, geboren am 25. August 1880 in Graz

Österreichischer Operetten-, Wienerlieder-, Chansonkomponist, Dirigent.

Sein Zusammentreffen mit J. Strauß Sohn 1899 führte zu seinem Wechsel zur Operette; ab 1907 Kapellmeister am Theater an der Wien; internationaler Durchbruch 1919 mit "Hallo, du süße Klingelfee"; ab 1924 in Berlin. Emigrierte 1938 in die USA, 1946 Rückkehr nach Wien; 1952-71 musikalischer Leiter der Wiener Eisrevue; zahlreiche Auslandsgastspiele. Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1975. Sein Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Filme, für die Robert Stolz die Musik geschrieben hat, sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

  

  

Gustav von Wangenheim und die Schauspielerin Käthe Dorsch (1946)

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5. August 1975 - Gustav von Wangenheim, Schauspieler

Gustav von Wangenheim und Max Schreck (li.) in Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" aus dem Jahre 1921 - Foto: Murnau-Stiftung

Max Schreck (li.) und Gustav von Wangenheim in "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens", 1921

 

©Murnau-Stiftung

Darsteller in Murnaus Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens. Er war der Sohn des Freiherrn Eduard von Winterstein und der Schauspielerin Minna Mengers, die sich das Leben nahm, als der kleine Gustav vier Jahre alt war. Vater Eduard heiratete danach die Schauspielkollegin Hedwig Pauly.  Nach der Schule und Lehre in der Landwirtschaft absolviert er ein Dienstjahr bei einem Garderegiment. 1912 - 1914 Schauspielschüler in Berlin und von 1914/15 Soldat. Danach Film- und Theaterarbeit, schreibt auch Dramen. Seine bekannteste Stummfilmrolle war die des jungen Makler-Angestellten Hutter in F.W.Murnaus Horrorfilmklassiker Nosferatu, der durch die aufopfernde Liebe seiner Braut vor dem Vampir gerettet wird. Nach einer weiteren Liebhaber-Rolle in Arthur Robinsons Meisterwerk Schatten zog sich Wangenheim 1923 vom Kino weitgehend zurück und widmete sich verstärkt der politisch geprägten Theaterarbeit. Tritt in die KPD ein. Sein großes Interesse gilt dem Arbeitertheater. Gründet und leitet den Arbeiter-Theater-Bund Deutschlands und ist intensiv mit der sogenannten Revolutionären Gewerkschaftsopposition, Abteilung Theater, befasst. Sein letzter Film war der Camille Desmoulins in Danton (1930). 1931 wird er Vorsitzender der Deutschen Revolutionären Arbeiterbühnen und leitet das Kollektiv Rote Schauspieler. Seine für das Agitprop-Theater 'Truppe 31' verfassten Stücke verstanden sich als Beiträge zu einer angestrebten sozialistischen Revolution in Deutschland. 1933 muss er - zusammen mit seiner Frau, Ingeborg Franke, aus Deutschland fliehen. Das Ehepaar geht nach Paris, von dort nach Moskau, wo er Leiter einer deutschsprachigen, sozialistischen Emigrantenbühne wurde. 1935 inszeniert er dort mit einer Reihe von Exilanten (u.a. mit dem Sänger Ernst Busch, der Schauspielerin Lotte Loebinger, dem Schauspieler Alexander Granach, dem Autoren-Sohn Konrad Wolf, dem Bühnenbildner Teo Otto) den antifaschistischen Arbeiterfilm Kämpfer, bedeutender Film deutschen Emigrantenschaffens in der Sowjetunion. In den Zeit stalinistischer Säuberungen wurde auch von Wangenheim für kurze Zeit inhaftiert, nachdem die deutsche Wehrmacht bei Jahresende 1941 bis vor Moskau vorrücken konnte, und später nach Kasan zwangsumgesiedelt. 1940 wird er sowjetischer Staatsbürger und 1941-43 aus Moskau in die Randregion verbannt. 1945 kehrt er nach Deutschland zurück, engagiert sich bei der SED, gehörte dem Nationalkomitee Freies Deutschland an und wirkte als deutscher Sprecher sowjetischer Propagandasendungen. Die Sowjets setzten ihn zunächst als Intendanten des Theaters am Schiffbauerdamm ein. Dann inszenierte von Wangenheim einige Stücke, bevor er wieder Filmregie übernahm, und zwar für den Streifen Und wieder 48!, der sich mit der März-Revolution auseinandersetzt. Für sein künstlerisches Schaffen, besonders für sein Stück "Du bist der Richtige", das er für die Eröffnung des neu gegründete Theater der Freundschaft, dem heutigen "Theater an der Parkaue" geschrieben hatte, wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet.  Im Alter von 61 Jahren zieht er sich aus dem Filmgeschäft zurück, inszenierte nur noch gelegentlich Theaterstücke. 1970 wird er Mitglied der Akademie der Künste. Gustav von Wangenheim war mit der Schauspielkollegin und Schriftstellerin Inge von Wangenheim verheiratet und ist Vater des Schauspielers und Bühnenautors Friedel von Wangenheim und den Zwillingen Elisabeth und Eleonora von Wangenheim. Sein Grab befindet sich auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin. (Quelle: Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 8, S. 255-257 - mit Erlaubnis des Autors und Wikipedia)

Weitere Filme mit Gustav von Wangenheim sind bei IMDb und bei Filmportal (+ biografische Angaben) gelistet.

    

  

8. August 1975 - Ruth Stephan, geboren am 27. Oktober 1925 

Schauspielerin, Kabarettistin

Vor ihrer Schauspielausbildung absolvierte die in Hamburg geborene Ruth Stephan eine Banklehre. Anschließend nahm sie ab 1947 privaten Schauspielunterricht bei Heinz Hohenstein. Erste Bühnenerfahrungen konnte sie auf Kabarettbühnen in Hamburg sammeln und trat neben Brigitte Mira, Gisela Trowe und Walter Gross in Revuen des Kabaretts "Greiffi" auf. Weitere Bühnenerfahrung fand sie in München, Frankfurt und Berlin. Ihre Arbeit beim Film begann Anfang der 1950er-Jahre (1951 mit dem Film Die Frauen des Herrn S.). Ruth Stephan wurde zumeist als quirlige, etwas tolpatschige, nicht sehr attraktive Frau in vielen Lustspielen und Klamottenfilmen eingesetzt, hatte kaum Hauptrollen, aber dafür große Nebenrollen, wobei sie Hausmädchen, Lehrerinnen, tratschende Hausangestellte oder Köchinnen mimte. Sie avancierte in den folgenden drei Jahrzehnten sie zu einer beliebten Nebendarstellerin. Man sah sie an der Seite großer Komiker wie Heinz Erhardt (Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern, Unser Willi ist der Beste) und Rudolf Platte (La Paloma, Du bist Musik, Das einfache Mädchen) auf. "In zahlreichen, wenn auch eher seichten Unterhaltungsstreifen avancierte Ruth Stephan zur vielbeschäftigten "Ulk-Nudel" des deutschen Nachkriegsfilms, zur "Quasseltante" des deutschen Kintopps" (www.steffi-line.de). Ab den 1970er-Jahren nahm sie auch wieder ihre Theatertätigkeit auf. Ruth Stephan war eine zeitlang mit dem Schauspieler Balduin Baas verheiratet. Ruth Stephan starb an Lungenkrebs. Ihr Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in Berlin. Am 19. Februar 1997 wurde im Ortsteil Haselhorst in Berlin-Spandau eine Straße nach ihr benannt. (Quelle: Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 7, S. 473 - mit Erlaubnis des Autors und Wikipedia)

Filme mit Ruth Stephan sind bei IMDb und Filmportal gelistet.

  

 

Siegfried Arno (links) mit Kurt Gerron (1897 – 1944) im März 1931 bei einer bei Kochkunstausstellung
Historische Originalbeschreibung: Prominente Bühnen- und Filmschauspieler als Kochkünstler auf der Kochkunstausstellung am Kaiserdamm! Der bekannte Bühnenkünstler Kurt Gerron lässt Siegfried Arno von seinem selbstzubereiteten Essen kosten.
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank

Bild 102-11401;
Fotograf: unbekannt / Datierung: März 1931 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 102-11401 bzw. Wikimedia Commons

17. August 1975 - Siegfried Arno, Schauspieler

(umfangreiche biografische Angaben im "CineGraph" - Lexikon zum deutschsprachigen Film -

  

Deutscher Filmkomiker, Schauspieler und Kabarettist während der Weimarer Republik. Er war einer der populärsten Bühnen- und Filmkünstler. Im Herbst 1913 hatte Siegfried Arno sein Bühnendebüt in Harburg (bei Hamburg). 1919 nahm er seine Schauspieltätigkeit nach dem Kriegsdienst wieder auf. Seit Anfang der 1920er-Jahre war Arno größtenteils in Berlin aktiv, wo er reguläre klassische Rollen gab, aber auch auf Operetten- und Kabarettbühnen (Kabarett der Komiker) zu Hause war. Einen großen Erfolg hatte Siegfried Arno zu verzeichnen, als er an Erik Charells Großem Schauspielhaus in der Saison 1930/31 den 'Schönen Sigismund' in Benatzkys Singspiel "Im weißen Rössl" gab. 

Regelmäßige Filmarbeit bekam Arno ca. Mitte der 1920er-Jahre, wobei der erste "Filmausflug" bereits 1919 mit dem Film Die rote Katze stattfand. Es folgten zahlreiche Verwechslungsstreifen leichterer Art, Militärpossen und immer wieder Komödien. Allein im Jahr 1925 drehte er sieben Filme, z.B. Eine Frau von vierzig Jahren, Die vertauschte Braut oder Vorderhaus und Hinterhaus. Da er Jude war, musste er 1933 vor den Nazis fliehen, es gab verschiedene Aufenthalte in der Schweiz, in Italien, Belgien, Portugal und Holland, wo er 1939 ein letztes Mal zusammen mit zahlreichen ebenfalls nach Holland emigrierten Kollegen in Willy Rosens Emigranten-Bühne Kabarett der Prominenten auftrat. Arno entkam nur deshalb des Nazi-Schergen, weil er rechtzeitig vor Kriegsanbruch ein Visum für die USA erhielt. In Amerika war Siegfried Arno einer der wenigen, in Hollywood-Komödien häufig besetzten Emigranten. Eine seiner schönsten Rollen dort war der aus dem Fenster springende Barbier des Diktators Hynkel (Charlie Chaplin) in Chaplins Filmgroteske "Der große Diktator" und der leicht vertrottelte Begleiter Claudette Colberts in Preston Sturges wunderbarer 'Screwball'-Komödie "Atemlos nach Florida". Nach dem Krieg kehrte Arno nur selten zu Bühnengastspielen nach Deutschland zurück. Arno war von 1922 bis 1932 mit der Schauspielerin Lia Dahms verheiratet, von 1934 bis 1953 mit Barbara Kiranoff, ab 1953 mit der österreichischen Schauspielerin Kitty Mattern. Sohn Peter (Jahrgang 1926) aus der ersten Ehe wurde Kostüm- und Bühnenbildner. 

Sein Bruder war der Schauspieler, Kabarettist, Tänzer und Maler Bruno Arno. Nach langem Leiden starb Siegfried Arno im "Actors Fund Hospital" in Los Angeles mit 80 Jahren an den Folgen der Parkinsonschen Krankheit. (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 1, S. 149-151 - mit Erlaubnis des Autors)

Filme mit Siegfried Arno sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.
  

  

7. September 1975 - Wilhelm (William) Thiele, geboren als Wilhelm Isersohn am 10. Mai 1890

Österreichischer Regisseur und Schauspieler

Wilhelm Thiele wurde in Wien geboren und hatte dort das Konservatorium besucht, danach wurde ihm ein Stipendium für eine Schauspielausbildung genehmigt. Im böhmischen Karlsbad (Karlovy Vary) hatte er 1909 sein Theaterdebüt. Kriegsdienst von 1914-18, während dieser Zeit erprobte Thiele sein Talent für die Regie und inszenierte einige Revuen zur Truppenbetreuung. Nach dem Ersten Weltkrieg bekam er sein ersten Engagement als Regisseur vom Münchner Volkstheater. Den ersten Kontakt zum Film hatte Thiele als Drehbuchautor 1922 in Berlin. Im selben Jahr führte er in Wien zum ersten Mal Regie. Von 1924 an war Thiele endgültig in Berlin tätig. Ab 1926 bekam er von der UFA die Möglichkeit, Filme zu inszenieren. Sein Metier waren Musikfilme und leichte Lustspiele und mit Beginn des Tonfilms hatte Thiele bereits seinen Höhepunkt erreicht. Er drehte die Romanze Liebeswalzer mit Willy Fritsch und Lilian Harvey (1929/30), Die Drei von der Tankstelle (1930), seinen größten Erfolg, in dem er Heinz Rühmann, einen bis dahin fast unbekannten Schauspieler, als neue Komödienentdeckung einsetzte. Nicht zuletzt wurde der Film durch die Melodie wie "Ein Freund, ein guter Freund" so beliebt und berühmt, so dass er in der Spielzeit 1930/31 Deutschland DER Kassenschlager wurde. Es folgten Filme wie Die Privatsekretärin mit Renate Müller (1930), Der Ball mit Reinhold Schünzel (1931) u.a.

Nach dem Machtantritt der Nazis musste Thiele ins Exil. Erst hatte er sich in England, dann nach Österreich und zuletzt in den USA niedergelassen, wo er sich fortan William Thiele nannte. Aber dort konnte er sich mit musikalischen Lustspielen und Komödien nicht durchsetzen, so dass es nur zu einigen zweitklassigen Filmchen kam und er sogar als Regieassistent von Josef von Sternberg agieren musste. 1936 drehte er Die Dschungel Prinzessin. Von Metro-Goldwyn-Mayer konnte er nach Erhalt eines 7-Jahres-Vertrages eine Reihe populärer Filme drehen, wie 1937 Beg, Borrow or Steal. Für die RKO-Studios übernahm Thiele für zwei Tarzan-Filme mit Johnny Weissmuller die Regie, und zwar den kuriosen Film Tarzan und die Nazis und Tarzan, Bezwinger der Wüste. Es folgten nur noch zwei Filme in Hollywood. Danach war seine Regiekarriere so gut wie beendet. In Deutschland wurden noch die Filme Der letzte Fußgänger (1960) eine Heinz Erhardt-Komödie und Sabine und die hundert Männer (1960) mit Sabine Sinjen und Dieter Borsche, die aber keine Resonanz erzielten. Enttäuscht kehrte Wilhelm Thiele nach Kalifornien zurück. (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 7, S. 651-653 - mit Erlaubnis des Autors)

1974 erhielt Thiele das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. Er starb in Woodland Hills in Kalifornien.

 

  

28. September 1975 - Agnes Windeck, geboren am 27. März 1888 in Hamburg

Agnes Windeck, hier mit Walter Giller in der Krimikomödie 
"Die Herren mit der weißen Weste" aus dem Jahr 1969 

Foto mit freundlicher Genehmigung von Pidax film

Deutsche Schauspielerin, Kabarettistin

Bühnen- und Fernsehschauspielerin mit später Karriere als Charakterkomikerin (wunderbare Rolle in Wolfgang Staudtes Die Herren mit der weißen Weste an der Seite von Martin Held. Ihre darstellerische Laufbahn begann die in Hamburg geborene Agnes Sophie Albertine Windel 1904 am Deutschen Schauspielhaus ihrer Heimatstadt, wo sie viele Jahre agierte. In den kommenden zehn Jahren trat sie auch im Königlichen Hoftheater in Hannover und in Berlin auf. 1915 heiratete Agnes Windeck und zog sich für über 20 Jahre aus dem Filmgeschäft zurück. 1937 nahm sie die Schauspielerei mit einem Engagement am Berliner "Theater der Jugend" wieder auf und übernahm auch bald kleine Filmrollen. Zwischen 1938-45 war sie auch Schauspiellehrerin am Deutschen Theater Berlin, wo u.a. Hans-Joachim Kulenkampff, Klaus Schwarzkopf und Hannes Fischer zu ihren Schülern gehörte. Vielfach arbeitete sie als Synchron- und Hörspielsprecherin, so gab sie in dem Film 16 Uhr 50 ab Paddington ihre unverwechselbare Stimme der Miss Marple-Darstellerin Margaret Rutherford.

In den ersten DEFA-Jahren tritt sie u.a. in der einfühlsamen Rolle einer Krankenschwester in dem Aufklärungsfilm Straßenbekanntschaft aus dem Jahr 1948 auf. Seit den 50er Jahren in der Bundesrepublik populär mit den "Insulanern" des RIAS, seit den 60er Jahren Hauptrollen in zahlreichen Kriminalkomödien. Zu ihren bekanntesten Filmen gehören u.a.: Der Weg ins Freie (1941), Die Trapp-Familie (1956), Der Greifer (1957), Zeit zu leben und Zeit zu sterben (1958), Der Zinker (1963), Schloß Gripsholm (1963), Der Hund von Blackwood Castle (1967) und in Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung (1968). Große Popularität erreichte sie mit der TV-Familienserie Die Unverbesserlichen als Oma Elisabeth Köpke (1966-71). Einen späten Bühnenerfolg konnte die Mimin als Mutter von Professor Higgins in dem Musical "My Fair Lady" verzeichnen, dass sie über 400 mal auf die Bühne brachte. (Quelle: Informationen teilweise aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 8, S. 415-416 - mit Erlaubnis des Autors)

Filme mit Agnes Windeck sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

  

  

29. Oktober 1975 - Harry Frommermann, geboren am 12. Oktober 1906 in Berlin

Deutscher Musiker. Gründer, Arrangeur und dritter Tenor der Berliner Musikergruppe Comedian Harmonists. Frommermann stammt aus einer jüdischen Familie. Im Jahre 1924 musste er den begonnenen Besuch einer Schauspielschule abbrechen. Mit dem Vater zerstritten und den Tod der Mutter war Frommermann auf sich allein gestellt. Er versuchte verzweifelt, eine eigene Musikergruppe auf die Beine zu stellen und so lernte er nach etlichen untalentierten Mitstreitern endlich Robert Biberti kennen, der auch - wie Frommermann - ein großer Fan des amerikanischen Ensembles "The Revellers" war. Die beiden Männer beschlossen, mit weiteren Bekannten eine ähnliche Truppe zu bilden. Das klappte zunächst unter dem Namen "The Melody-Makers", bald aber hatten sie ihren "richtigen" Namen gefunden, und zwar die "Comedian Harmonists". Mit dem ersten öffentlichen Auftritt der Gruppe begann eine beispiellose Karriere der auf sechs Männer angewachsenen Truppe. Wegen des starken Anteils jüdischer Mitglieder waren die Comedian Harmonists auch im nazikritischen Ausland relativ unverdächtig und beliebt. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels gefiel der Erfolg der „jüdischen“ Gruppe überhaupt nicht, er setzte im Februar 1935 deren Auftrittsverbot in der Reichskulturkammer durch. Das Abschiedskonzert in Berlin war ein von Wehmut durchzogener letzter Riesenerfolg. Mit dem Verschwinden dieses sehr international orientierten Ensembles gab es in Deutschland keine Unterhaltungsmusik von internationaler Resonanz mehr. 

Die drei jüdischen Mitglieder Harry Frommermann, Roman Cycowski und Erich Collin wanderten nach Wien aus, wo sie unter dem Namen "Comedy Harmonists" weiterhin erfolgreich Tourneen veranstalten. Ende 1941 fiel das Ensemble auseinander wegen des Eintritts der USA in den Krieg. Frommermanns Versuch, in New York mit einer anderen Truppe neu anzufangen, scheiterte an nicht vorhandenem Geld. Erich Frommermann wurde von der US-Armee eingezogen und änderte seinen Namen in Frohman. Er musste nicht an die Front wegen eines Dienstunfalles und unterhielt an der Front seine Kameraden als Entertainer. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er zurück nach Berlin und arbeitete als Übersetzer (unter anderem beim Nürnberger Prozess), später als Nachrichtenoffizier. Nach seiner Entlassung aus der Armee ging er nach Zürich und wurde Immobilienmakler. Ein Versuch, mit Collin ein neues Ensemble aufzubauen, missglückte. Daraufhin ging Frommermann 1949 nach Rom und arbeitete als künstlerischer Beirat beim Radio.

1951 kehrte er in die Schweiz zurück, um dort eine Import- und Exportfirma aufzubauen. Auch dieser Versuch schlug fehl. Danach versuchte er, in den USA beim Fernsehen eine Anstellung zu bekommen, wurde jedoch nicht eingestellt. Seine Frau verließ ihn, eine neue Ehe wurde 1956 geschieden. Frommermann versuchte, sich als Packer im Hafen von New York über Wasser zu halten, später stellte er in einer Firma Alarmanlagen her. Er jobbte als Hilfsbuchhalter, Taxifahrer und verkaufte Küchenmöbel. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich fortwährend.

Bereits während seiner Zeit als amerikanischer Soldat hatte Frommermann die Deutsche Erika von Späth kennengelernt und über Jahre mit ihr Briefkontakt gehalten. 1960 beantragte er auf ihren Rat Entschädigung für den Verlust seiner Existenz durch die Rassegesetze des Dritten Reichs. 1962 erhielt er eine lebenslange Rente zugesprochen, kehrte nach Deutschland zurück und zog mit Erika von Späth zusammen. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich fortwährend. Er starb mit 69 Jahren in Bremen. Dort liegt er auf dem Riensberger Friedhof (<<<www.knerger.de) begraben.

 

1975 drehte Eberhard Fechner seinen bekannten zweiteiligen Fernseh-Dokumentarfilm mit dem Titel Comedian Harmonists - Sechs Lebensläufe. Da ein Interview mit Erich Frommermann und E. Fechner stattfinden sollte, hatten bereits Vorgespräche für das Interview mit Frommermann stattgefunden, er starb jedoch 14 Tage vor Beginn der Dreharbeiten.

In Joseph Vilsmaiers Film Comedian Harmonists wurde Frommermann von Ulrich Noethen verkörpert. (Quelle: Informationen teilweise aus der Wikipedia-Seite entnommen).

 

  

Victor Schamoni  5. Juli 1975 - geboren am 21. Juni 1932 in Soest

Kameramann und Fotograf

Der Fotograf Victor Schamoni jun. war der älteste Bruder der Filmemacher Peter, Thomas und Ulrich Schamoni und der Sohn von Maria und des Kunsthistorikers Dr. Victor Schamoni, der 1931 in Soest Maria Vormann heiratete, die 1982 ihr Erinnerungsbuch „Meine Schamonis“ in der Nymphenburger Verlagsanstalt veröffentlicht hat. In dem Buch beschreibt sie ihre Ehegeschichte und die Karriere ihrer Söhne Victor, Peter, Thomas und Ulrich, die als Cineasten seit den 1960er Jahren zu den Mitbegründern des Neuen Deutschen Films zählen. (Quelle: Informationen teilweise aus der Wikipedia-Seite entnommen).

  

 

14. Dezember 1975 - Hannah Arendt

Philosophin, Publizistin und politische Theoretikerin.

(Hinweis zu dem Kinofilm von Margarethe von Trotta, der im Januar 2013 in den deutschen Kinos angelaufen ist.)

 

 

 

 

 

 

 

  

Weiter zu 1976

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 25. Juni 2017

   

Ich bitte um Verständnis, dass ich zu den jeweiligen Jahren nur eine Auswahl von Nachrichten treffen konnte.

 Alle Informationen der Film- u. Fernsehchronik sind nach bestem Wissen gesammelt und aufgeschrieben worden,

sollten sich aber doch Fehler eingeschlichen haben, bitte ich um eine E-Mail. Vielen Dank.

   

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Ich bedanke mich bei Herrn Dr. Kay Weniger, der mir erlaubt hat, Textstellen aus seinem "Personenlexikon des Films" für diese Chronik zu übernehmen.

Weiterhin enthält diese Chronik Informationen aus der Website HDG/LEMO (Haus der Geschichte/Lebendiges Museum Online) und aus der freien Enzyklopädie Wikipedia.