Deutsche Film- und Fernsehgeschichte 1986

...und ein wenig Zeitgeschichte

    Rückblick - 1986 - Tagesschau   

  

    

     

In der Bundesrepublik werden 60 Spielfilme gedreht und 15 Defa-Spielfilme.

  

Z 7. Januar - Mehrere tausend Polizisten räumen das Hüttendorf, das Gegner der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf im Taxöldner Forst errichtet haben. Am 28. Juni verhängt die bayerische Landesregierung gegen 322 Österreicher ein Einreiseverbot, weil die an einer Demonstration gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf teilnehmen wollen. Am 26./27. Juli veranstalten in Burglengenfeld bei Wackersdorf ein friedlich verlaufendes "Anti WAAhsinnsfestival", zu dem sich viele prominente Rockmusiker einfinden, die unentgeltlich vor ca. 100 000 Zuschauern auftreten. U.a. zu finden sind hier Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Rio Reiser, Die Toten Hosen, Wolfgang Ambros, Biermösl Blosn und die Kölner Gruppe BAP.

     

17. Januar - Bayerischer Filmpreis - Xaver Schwarzenberger wird für Regie und Bildgestaltung seines Films Donauwalzer, einer bitteren Studie über die Vergänglichkeit von Gefühlen, mit dem Bayerischen Filmpreis bedacht. Christiane Hörbiger erhält die Auszeichnung für ihre schauspielerische Leistung in diesem Film; weitere Darsteller sind Hans-Michael Rehberg, Axel Corti und Jane Tilden. Ein weiterer Preis geht an Jürgen Prochnow für die Darstellung in Der Bulle und das Mädchen.

  

Z 30. Januar - Wegen massiver Störungen muss die Uraufführung des Films Stammheim von Reinhard Hauff verschoben werden. Bei dem Film  handelt es sich um die die szenische Rekonstruktion des Prozesses gegen die Terroristen Baader, Meinhof, Ensslin und Raspe.

   

17. Februar - 24. März - Das Berlin der 80er Jahre ist Schauplatz der Reihe Liebling - Kreuzberg, die der SFB

Manfred Krug - Foto: VIRGINIA

Bei den Zuschauern sehr beliebt: Manfred Krug

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

 

 zunächst in sechs Folgen ausstrahlt. Manfred Krug spielt den Rechtsanwalt und Notar Robert Liebling, Drehbücher wurden u.a. von Jurek Becker und Ulrich Plenzdorf geschrieben. Die Serie entpuppte sich als absoluter Publikumsmagnet, so dass letztendlich 58 Folgen bis 1998 gedreht wurden. Produktionsfirma Novafilm schreibt: "Robert Liebling hat in Berlin-Kreuzberg eine Anwaltskanzlei. Da er seine Einkünfte jedoch hauptsächlich über ein ererbtes Maklergeschäft erzielt, engagiert Liebling den jungen Anwalt Giselmund Arnold (Michael Kausch), auf den er fortan alles, was nach Arbeit riecht, abwälzt. Unterstützt werden die beiden von den Sekretärinnen Paula (Corinna Genest*) und Senta (Anja Franke)". Weitere Darsteller bei Liebling Kreuzberg waren: Roswitha Schreiner (Tochter von Liebling), Jenny Gröllmann (RA Isolde Isenthal), Stefan Reck (RA Dr. jur. Bruno Pelzer), Diana Körner (Staatsanwältin Rosemarie Monk, später liiert mit Anwalt Liebling). (Quelle: Novafilm) 

*Anmerkung: Corinna Genest war seit 1965 mit dem Schauspieler Karl Schönböck bis zu seinem Tode 2001 verheiratet.

    

   

 

14. bis 25. Februar - Berlinale - Die internationale Jury streitet sich über den bundesdeutschen Beitrag Stammheim so intensiv, dass der Film  zwar den Goldenen Bären erhält, die Präsidentin Gina Lollobrigida aber verärgert ihre Schweigepflicht bricht und bei der Verleihung mitteilt "I was against this film". Im Forum ist Claude Lanzmanns neuneinhalbstündiger Dokumentarfilm Shoah zu sehen, der zum Ausgangspunkt vor allem für politisch-moralische Diskussionen wird: welche Bilder sind von Auschwitz möglich? 

  

  

März/April - Die Dritten Programme senden im Original mit deutschen Untertiteln Claude Lanzmanns neuneinhalbstündigen Dokumentarfilm Shoah, der sich mit der Vernichtung des europäischen Judentums auseinandersetzt.

  

Z 7. März - Im DDR Rundfunk wird als neuer Jugendsender das "Jugendradio DT 64" eingeführt.

   

29. März - Die ARD beginnt mit der Ausstrahlung ihres Satellitenprogramms EINS PLUS, das sie in Zusammenarbeit mit der SRC als kulturelles Kontrastprogramm konzipiert hat.

    

Jean-Michelle Jarre - Foto: Katarzyna Srednicka

Jean Michelle Jarre während einer Autogrammstunde in Warschau, 2005

Foto: Katarzyna Srednicka

 creativecommons.org/licenses/

by-sa/2.5/deed.de

  

Z 5. April - Jean Michel Jarre spielt anlässlich des 150. Geburtstags des US-Bundesstaats Texas und der Stadt Houston sowie dem 25. Jubiläum des Lyndon B. Johnson Space Centers der NASA ein Konzert vor mindestens 1,3 Millionen  Zuhörern in Houston und erhält einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. (Quelle: wikipedia)

  

Z 5. April - Der am 19. Dezember 1910 geborene französische Romanautor und Dramatiker Jean Genet, stirbt. Ihm sind Werke wie Querelle de Brest (von R.W.Fassbinder unter dem Titel Querelle in seinem Todesjahr 1982 verfilmt) oder Tagebusch eines Diebes zu verdanken.

    

Z 25. April - Katastrophe von Tschernobyl: In dem Kernkraftwerk von Tschernobyl nördlich von Kiew/UdSSR schmilzt der Reaktorkern und verursacht die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der friedlichen Nutzung von Atomenergie. Nach offiziellen Angaben wird eine Strahlung von insgesamt 50 Millionen Curie freigesetzt, was ungefähr 40 bis 50mal soviel Radioaktivität wie bei der Atombombenexplosion über Hiroshima im August 1945 ausmacht. Auch in der Bundesrepublik werden erhöhte Strahlungswerte gemessen. Am 14. Mai gibt Parteichef eine erste öffentliche Stellungnahme zum Reaktorunglück und fordert zur internationalen Zusammenarbeit in Kernenergiefragen auf. Am 3. Juni gibt Bundeskanzler Helmut Kohl als Reaktion auf die Katastrophe von Tschernobyl die Einrichtung eines neuen Bundesministeriums bekannt, das Bundesumweltministerium. Erster Bundesumweltminister wird der CDU-Politiker Walter Wallmann. (Quelle: hdg.de)

  

8. bis 19. Mai - Filmfest in Cannes - Im Wettbewerb läuft als Beitrag der Bundesrepublik Rosa Luxemburg von Margarethe von Trotta. Barbara Sukowa wird dafür als beste Darstellerin ausgezeichnet.

  

7. Juni - Deutscher Filmpreis - Rosa Luxemburg wird mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Die beiden Filmbänder in Silber erhalten Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit und Männer von Doris Dörrie. Der Film Zuckerbaby wird mit einer Prämie von 200.000 DM und einer Nominierung bedacht.

  

23. Juni - 6. Juli - ZDF und ARD berichten abwechselnd von der All England-Championship in Wimbledon.

 

Z 18. September - Horst Schiesser, ein Brotfabrikant aus West Berlin, kauft die bankrotte gewerkschaftseigene Wohnungsbaugesellschaft "NEUE HEIMAT", die mit ca. 17 Milliarden D-Mark verschuldet ist, zum symbolischen Preis von 1 D-Mark. --- Am 12. November kauft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Wohnungsbaugesellschaft "Neue Heimat", die er am 18. September an den Brotfabrikanten Schiesser verkauft hatte, zurück. Weitere Erklärungen zur komplexen Geschichte der "Neuen Heimat". (Quelle: hdg.de)

  

22. September - 27. Oktober - ARD-Ausstrahlung von Kir Royal (Drehbuch: Patrick Süskind und Helmut Dietl) mit Franz Xaver Kroetz - in der (bis heute unerreichten) Rolle des Klatschreporters Baby Schimmerlos.

 

28. September - 5. Oktober - ZDF-Schwerpunktthema zu Drogen und Sucht.

 

6. - 12. Oktober - ARD-Sonderprogramm zur »Woche der Welthungerhilfe«. Die Redaktionen von Report und Weltspiegel widmen je eine ganze Ausgabe ihrer Magazine entwicklungspolitischen Themen.

  

22. bis 26. Oktober - Hofer Filmtage - Vier deutsche Regisseure zeigen ihre Arbeiten: Erwin Keusch (Der Flieger), Doris Dörrie (Paradies), Werner Nekes (Johnny Flash) und Josef Rödl (Der wilde Clown). In einer Sonderveranstaltung läuft Alexander Kluges für lange Zeit letzter Kinofilm Vermischte Nachrichten

  

Z 26. September - Der Konzern Bertelsmann kauft für 960 Millionen D-Mark den zweitgrößten US-amerikanischen Buchverlag Doubleday & Co. Mit diesem Kauf die die Bertelsmann-Gruppe der größte Medienkonzern der Welt (bis 1988). (Quelle: hdg.de)

   

Z 9. Oktober - Welturaufführung des Musicals "Das Phantom der Oper" im "Her Majesty's Theatre" in London.

  

Z 11. Oktober - Mehr als 100 000 Menschen demonstrieren im hunsrückschen Hasselbach gegen die Stationierung der US-amerikanischen Marschflugkörper Cruise Missiles.

  

1. November - Das Pay-TV hat in der Bundesrepublik Premiere: die »Teleclub GmbH« startet in Hannover ihr Programm.

  

Z 1. November - Unfall im Schweizer Chemiekonzern Sandoz: Bei den Löscharbeiten eines Brandes fließen erhebliche Mengen giftiger Chemikalien in den Rhein und verursachen ein großes Fischsterben, so dass der Oberlauf des Flusses fast komplett biologisch tot und der Unterlauf schwer geschädigt ist. Die Bundesrepublik löst den Rheinalarm aus. (Quelle: hdg.de)

 

12. - 23. November - Bernhard Sinkels Vierteiler Väter und Söhne schildert Aufstieg und Niedergang einer deutschen Industriellenfamilie zwischen 1911 und 1946 sowie die Rolle der chemischen Industrie im Nazi-Deutschland. Der HR ergänzt den ARD-Film mit der Dokumentation »Schaltstelle der Macht« über das IG-Farben-Haus in Frankfurt am Main.

  

Z 31. Dezember - Bei der in der ARD ausgestrahlten Neujahrsansprache des Bundeskanzlers Kohl kommt es zu einer Panne. Die Rede, die die Zuschauer zu hören und sehen bekommen, ist eine Wiederholung aus dem Vorjahr. Die korrekte Fassung wird am 1. Januar 1987 gesendet. 

  

  

S o n s t i g e s / O h n e   D a t u m

  

  

M U S I K A L I S C H E S  1986

  • Die Band "Metallica" bringt ihr Album "Master of Puppets" heraus, welches zukünftig als bestes Metal-Album überhaupt gewertet wird.

  

 

A k t u e l l e   H i t s  1986

Jeanny - Falco

West End Girls - Pet Shop Boys

The Sun Always Shines On TV - A-ha

Pictures In The Dark - Mike Oldfield

Manic Monday - Bangles

Kiss - Prince

Wonderful World - Sam Cooke

Sledgehammer - Peter Gabriel

Ohne dich - Münchner Freiheit

In The Army Now - Status Quo

The Edge Of Heaven - Wham!

Harlem Shuffle - Rolling Stones

  

 

B A M B I - S i e g e r  1986

 

Folgende Künstler erhielten den Filmpreis BAMBI 1986

U.a. waren dabei die Fußball-Weltmeister von Mexico, Andre Heller, Bernd Eichinger, Catherine Oxenberg, Doris Dörrie, Falco, Franz Beckenbauer, Justus Franz, Leonard Bernstein, Manfred Grunert, Paul McCartney, Radost Bokel, Robert Gale, Steffi Graf, Uwe Barschel und Yasmin Aga Khan.

  

  

Sieger der "Goldenen Kamera" von HörZu 1986

Folgende Künstler bekamen die "Goldene Kamera" von HörZu 1986

  

  

B R A V O - O T T O - Leserwahl 1986  

  

Kategorie männliche Filmstars: Gold Tom Cruise, Silber Sylvester Stallone, Bronze Ralph Macchio

Kategorie weibliche Filmstars: Gold Kelly McGillis, Silber Farrah Fawcett, Bronze Radost Bokel

Kategorie Beat-Gruppen: Gold a-ha, Silber Modern Talking, Bronze Depeche Mode

Hard'n Heavy: Gold Europe, Silber Scorpions, Bronze ZZ Top

Kategorie Sänger: Gold Falco, Silber Den Harrow, Bronze Chris Norman

Kategorie Sängerinnen: Gold Madonna, Silber Samantha Fox, Bronze Sandra

Kategorie TV-Stars weiblich: Gold Kate Jackson, Silber Catherine Oxenberg, Bronze Heather Thomas

Kategorie TV-Stars männlich: Gold Bruce Boxleitner, Silber Hendrik Martz, Bronze David Hasselhoff

Kategorie Sportler: Gold Boris Becker, Silber Steffi Graf, Bronze Stefan Edberg

    

    

L I T E R A T U R  1986

  

- "Die Rättin" - Roman von Günter Grass

 

- "Auslöschung. Ein Zerfall" - Roman von Thomas Bernhard.

   Im Mittelpunkt stehen dabei die Erinnerungen Muraus an seine Jugend auf dem Familiensitz Schloss Wolfsegg in Österreich.

  

- "Bronsteins Kinder" - Roman von Jurek Becker

  

  

E i n i g e   K i n o-  u n d  F e r n s e h f i l m e   d e s   J a h r e s  1986

    

Stammheim

Regie: Reinhard Hauff, Drehbuch: Stefan Aust

  

Rosa Luxemburg

Regie und Drehbuch: Margarethe von Trotta

Die Lebensgeschichte der Journalistin, Friedenskämpferin und Revolutionärin von 1998 bis 1919. Trotta erzählt die politische Geschichte mit viel persönlicher Anteilnahme. Mit einer Mischung aus Spiel- und Dokumentarszenen versucht der Film, sowohl die politische, als auch die private Seite der legendären Streiterin der Arbeiterbewegung und Kriegsgegnerin Luxemburg anschaulich zu machen. (Info aus filmportal)

    

40 qm Deutschland

Regie und Drehbuch: Tevfik Baser

Ein türkischer Gastarbeiter hält seine Frau in einer alten Mietwohnung gefangen. Er hat sie nach der Tradition seines Landes in seinem Heimatdorf gekauft und will sie nun vor der deutschen Wirklichkeit schützen, die er für unmoralisch hält. Seine Frau aber geht an dieser Isolation zugrunde. Erschütterndes Psychogramm über den Verlust der kulturellen Identität. Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit, einfühlsam inszeniert und hervorragend gespielt. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis. (Quelle: kinowelt)

  

Das Haus am Fluss

Regie und Drehbuch: Roland Gräf

Familiengeschichte aus dem Zweiten Weltkrieg: Eine Mutter und ihre Töchter und ihr Leben vor Ort, während die Männer an der Front sind.

    

Der Rosenkönig

Regie: Werner Schroeter, Drehbuch: Schroeter zusammen mit  Magdalena Montezuma

      

Reichsautobahn

Doku von Hartmut Bitomsky

Über das längste und größte deutsche Bauwerk, 91 Minuten.

Dokumentarischer Film über die Entstehung und Propagierung der unter den Nationalsozialisten entstandenen Autobahn, die noch immer als bleibende Leistung des dritten Reiches gesehen wird. Anhand von historischem Bildmaterial und Interviews erzählt Hartmut Bitomsky von der Entstehung und Bewerbung der  Reichsautobahn. (rk)

  

Was geschah wirklich zwischen den Bildern?

Lehrfilm von Werner Nekes

  

Heilt Hitler!

Regie, Drehbuch, Kamera: Herbert Achtenbusch

    

Meier

Regie und Drehbuch: Peter Timm

 

Der Sommer des Samurai

Regie und Drehbuch: Hans-C. Blumenberg

 

Momo

Regie: Johannes Schaaf, Drehbuch: zusammen mit Rosemarie Fendel

 

Tarot  

Regie: Rudolf Thome, Drehbuch: Max Zihlmann

   

So viele Träume

Regie: Heiner Carow

24 Stunden im Leben einer Hebamme.

Karin, Anfang 40, beliebte und bekannte Hebamme, erhält eine hohe staatliche Auszeichnung. In dieser Situation des Glücks tritt ihr eine junge Frau entgegen, die sich als ihre Tochter zu erkennen gibt. Karin muss eine schwere Entscheidung treffen.

Darsteller: Jutta Wachowiak, Dagmar Manzel

 

Die Reise

Regie, Drehbuch: Markus Imhoof

Nach einem Roman von Bernward Vesper. Verfilmung des autobiografischen Roman-Essays von Bernward Vesper, in dem der Sohn des Nazi-Dichters Will Vesper seine autoritär-nationalsozialistische Erziehung und den dadurch bedingten Weg in die Studentenbewegung und die Terroristenszene der 60er Jahre sowie seinen späteren Absprung kritisch reflektiert. Auf drei ineinandermontierten Erzählebenen gelingt es einer handfesten und packenden Inszenierung, den Generationskonflikt plausibel zu machen...

Darsteller: Markus Boysen, Corinna Kirchhoff, Will Quadflieg. 110 Minuten. 

  

Vermischte Nachrichten

(Regie, Drehbuch: Alexander Kluge)

    

    

G e s t o r b e n  1986

  

19. Januar: Sammy Drechsel, geboren am 25. April 1915

Sammy Drechsel

Ausschnitt des Originalfotos DrechselBloedorn.jpg
Urheber: Wikimedia-User MoSchle; Lizenz: CC BY 3.0
Quelle: Wikimedia Commons

Journalist, Regisseur, Sportreporter, Buchautor

Anfangs arbeitete Sammy Drechsel, der mit richtigem Namen Karl Heinz Kamke hieß, als Journalist. Bereit als junger Mann bekommt er beim Bayerischen Rundfunk eine Stelle als Sportreporter angeboten. Weiterhin ist er auch als Buchautor tätig, und sein 1955 veröffentlichter Jugendroman "Elf Freunde müsst ihr sein" über eine Fußballmannschaft im Berlin der 1950er-Jahre, der seine eigene Kindheit schilderte, war sehr erfolgreich und gilt heute als Klassiker seines Genres. Gemeinsam mit seinem Freund Dieter Hildebrandt gründet er 1956 die "Münchner Lach- und Schießgesellschaft", wobei er die Leitung und vor allem Regiearbeiten übernimmt. Zusammen mit Dieter Hildebrandt, Klaus Havenstein, Hans Jürgen Diedrich, Ursula Herking, Ursula Noack, Jürgen Scheller, Achim Strietzel und Horst Jüssen erarbeitete er Programme wie z.B. "Denn sie müssen nicht was sie tun", "Bette sich wer kann", "Warten auf Niveau", "Wähl den, der lügt" oder "Halt die Presse". Für die Lach- und Schieß sowie das Kabarett "Die Stachelschweine" produzierte Drechsel sämtliche Fernsehübertragungen. Außerdem gründete der begeisterte Fußballspieler den Amateurverein  FC Schmiere, bei dem viele Prominente mitmachten, wie die Mitglieder der Lach- und Schießgesellschaft. Außerdem spielten auch Gäste mit wie z.B. Fritz Walter, Gerhard Schröder oder Rudi Dutschke. Der vielseitige Drechsel übernimmt auch noch die Regie von weiteren Sportdokumentationen, wie z.B. über die "Tour de France". Sein Versuch als Kinoregisseur war mit der Komödie Zwei Girls vom roten Stern hat nur mäßigen Erfolg. Letztmalig ist Sammy Drechsel in einer kurzen Sequenz von Helmut Dietls TV-Serie Kir Royal als er selbst zu sehen. Den Erfolg der Serie konnte er leider nicht mehr genießen, denn er starb noch vor der Erstausstrahlung. Bis zuletzt arbeitete er als Sportreporter beim Bayerischen Rundfunk. Sammy Drechsel war seit 1962 mit der früheren Fernsehansagerin Irene Koss (1928-1996) verheiratet. Das Paar hatte zwei Töchter. 

Seine letzte Ruhe fand er auf dem Münchner Nordfriedhof (seine Grabstelle).   
  

  

 

23. Januar: Joseph Beuys stirbt im Alter von 64 Jahren.

Aktionskünstler, Bildhauer, Zeichner, Professor an der Kunstakademie Düsseldorf.

   

  

 

  

Lilli Palmer und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt

1979 in Hamburg

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

  

27. Januar: Lilli Palmer, geboren am 24. Mai 1914

Deutsch-britisch-schweizerische Schauspielerin, die kultivierte, geistreiche, welt- und wortgewandte grande dame des anglo-amerikanischen und kontinental-europäischen Kinos. Sie wurde in Posen als Lilli Marie Peiser als Tochter eines Medizinalrates und der Theaterschauspielerin Rose Lissmann geboren. Sie nimmt bei Ilka Grüning und Lucie Höflich in Berlin Schauspielunterricht. Am 1. August 1932 hatte sie ihr Debüt am Hessischen Landestheater Darmstadt mit einem Monolog aus "Die heilige Johanna". Hier gelang ihr auch der Durchbruch mit der Hauptrolle in "Glückliche Reise". Kurz nach der Machtergreifung verließ sie 1933 Deutschland und ging zunächst nach Paris. Dort trat sie am Moulin Rouge in der Operette "Viktoria und ihr Husar" auf, wobei sie zusammen mit ihrer Schwester Irene das Gesangsduo "Les Sœurs Viennoises" bildete. Mit knapp 20 Jahren verließ sie Paris und folgte einer Einladung des britischen Filmproduzenten Alexander Korda zu Probeaufnahmen nach London. Sie erhielt schon bald Rollen, u.a. bekommt sie eine kleine Rolle in Hitchcocks "The Secret Agent" (Der Geheimagent) als Zimmermädchen Lilli. Gegen Ende des 2. Weltkrieges hatte sich Lilli Palmer zu einem akzeptablen Star des englischen Kinos hochgearbeitet. Vor allem ihre Darstellungen der verführten Rikki Krausner in Sidney Gilliats Drama Der letzte Sündenfall (The Rake's Progress, 1944) und der an den Rollstuhl gefesselten Baronin Edith von Kekesfalva, die in Ungeduld des Herzens statt der erhofften Liebe nur Mitleid bei einem Gardeleutnant (Albert Lieven) erweckt, machten Lilli Palmer kurz nach Kriegsende 1945 populär.  

O.E. Hasse, Lilli Palmer und Peter van Eyck (v.l.n.r.)

in "Der gläserne Turm", 1957, Regie: Harald Braun

©Murnau-Stiftung

1943 heiratet sie Rex Harrison, ihren Partner in Der letzte Sündenfall und beim Theater. Mit ihm Auswanderung in die USA hatte sie auch Erfolge am Broadway, u.a. mit gemeinsam mit der Komödie Bell, Book and Candle (deutsch: Geliebte Hexe) von John Van Druten.

In Fritz Langs Cloak and Dagger (Im Geheimdienst), verkörpert sie 1946 als Gina an der Seite von Gary Cooper eine deutsche Widerstandskämpferin. Der endgültige Durchbruch gelangt ihr mit dem Zweipersonenstück The Fourposter (Das Himmelbett) wieder mit Rex Harrison als Partner. Lilli Palmer kehrt 1954 nach Deutschland zurück und übernimmt sofort tragende Rollen im Nachkriegsfilm. Ein Hit wird die Verfilmung des Musicals Feuerwerk (1954), in dem sie als Frau des Zirkusdirektors (gespielt von Karl Schönböck) mit dem Lied "Oh, mein Papa" ihr Publikum begeistert.

Als Teufel in Seide spielt sie die eiskalt berechnende Frau an der Seite von Curd Jürgens, dieser Film brachte ihr viel Kritikerlob ein. Gelegentlich durfte Lilli Palmer auch Urlaub vom grande dame-Image und dem Klischee der süffisant-eleganten Dame von Welt nehmen. So z.B. in Auch eine französische Ehe, wo sie, verhärmt, heruntergekommen und verbittert, die im Ehealltag in Unehren ergraute Ehefrau eines ihr gegenüber gleichgültigen und abgestumpften Jean Gabin verkörperte, der seine unfruchtbare Gattin mit einem erheblich jüngeren Mädchen (Mireille Darc) betrügt. 

1958 sorgte der Film Mädchen in Uniform für einige Furore, weil es um eine annähernd lesbische Beziehung zwischen Erzieherin (Lilli Palmer) und Schützling (Romy Schneider) geht, im deutschen prüden Nachkriegsfilm undenkbar. (Anmerkung: 1931 schon einmal verfilmt (<<< YouTube mit Ausschnitten) mit Hertha Thiele und Dorothea Wieck, Regie: Leontine Sagan, rk).

Große Beachtung fand die Künstlerin 1971 mit ihrer packenden, hochdramatischen Darstellung der Mutter einer Rauschgiftsüchtigen (Sabine Sinjen), die in 'Grauroter Morgen', einer Folge der TV-Serie Der Kommissar, erfahren muss, dass ihre Tochter, um deren Abkehr vom Drogenkonsum sie unermüdlich gekämpft hatte, von ihrem eigenen Vater (Hans Caninenberg) erschossen wurde. Das ZDF bietet ihr ein eigenes Special mit dem Titel "Eine Frau bleibt eine Frau", Drehbuch: Herbert Reinecker, Regie: Alfred Weidenmann an. Mit einer Ehrerweisung an den großen Dichter Goethe spielt sie 1975 in Lotte in Weimar in der Regie von Egon Günther.

Ihren letzten Auftritt vor der Kamera absolvierte Lilli Palmer im Winter 1984/85 in der amerikanischen Großproduktion Peter der Große (Peter the Great). In zweiter Ehe war die Mimin mit dem argentinischen Schriftsteller und Schauspieler Carlos Thompson verheiratet, der sich vier Jahre nach ihrem Tod das Leben nahm.

Sie ist erfolgreich als Malerin und bringt als Autorin unter dem Titel "Dicke Lilli - gutes Kind" ihre Biographie heraus, welche in sieben Sprachen übersetzt wurde. Auch der nachfolgende Band "Der rote Rabe", 1976 erschienen, wurde ein Bestseller. Lilli Palmers Geburtstag jährte sich am 24. Mai 2014 zum 100. Mal. Aus diesem Anlass wurde von der Autorin Heike Specht im Berliner Aufbau-Verlag die erste Biografie mit dem Titel "Lilli Palmer - die preußische Diva" herausgegeben.

Für ihre schauspielerischen Erfolge konnte die großartige Schauspielerin etliche Preis in Empfang nehmen, u.a. 1953 den "Coppa Volpi" als beste Darstellerin für Das Himmelbett, 1956 bekam sie für Teufel in Seide als beste Hauptdarstellerin das Filmband in Silber, ebenso 1957 für Anastasia, die letzte Zarentochter als beste Hauptdarstellerin. 1960 bekam sie einen Stern auf dem "Walk of Fame". 1974 bekam sie für das Fernseh-Special Eine Frau bleibt eine Frau die Goldene Kamera. 1974 wurde ihr das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 1978 wurde ihr für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film das "Filmband in Gold" verliehen (eine Auswahl).

Die Schauspielerin erlag im Alter von 71 Jahren ihrer Krebserkrankung und liegt in Los Angeles auf dem Forest Lawn Memorial Park in Glendale begraben (hier ihre Grabstelle). (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 6, S. 127-128 - mit Erlaubnis des Autors)

Weitere Filme mit Lilli Palmer sind bei IMDb und Filmportal gelistet (+ weitere biografische Angaben).

   

  

  

3. Februar: Alfred Vohrer - ( Biografie innerhalb dieser HP)

Deutscher Regisseur, der für eine Fülle von TV-Serien (Die Schwarzwaldklinik, Derrick, Der Alte, Das Traumschiff, Weiß-blaue Geschichten), Edgar Wallace-Filmen und Simmel-Filmen verantwortlich zeichnet.

  

  

 

Dorothea Wieck vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers

19. Februar: Dorothea Wieck, geboren am 3. Januar 1908

Deutsche Schauspielerin

Die kapriziös-grazile Schauspielerin wurde in Davos in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Ihre Verwandten sind väterlicherseits u.a. der Wiener Musikpädagoge Friedrich Wieck (1785-1873), dessen eine Tochter Clara (1819-1896), Gattin des Komponisten Robert Schumann (1810-1856), eine andere Tochter, die ebenfalls als Pianistin berühmt wurde, ist Maria Wieck. 

Ihre Kindheit hatte Dorothea Wieck in der Schweiz und in Schweden verbracht. Besuch der Höheren Mädchenschule in Freiburg i.Br., danach Internatsbesuch in Dresden. Im Alter von 12 Jahren begann sie bereits eine Ausbildung zur Tänzerin, mit 15 Jahren nahm sie bei Maria Moissi Schauspielunterricht. Mit 16 Jahren hatte sie ihr Schauspieldebüt am Wiener Theater in der Josefstadt unter Max Reinhardt. Anschließend war sie für ein Jahr an den Münchner Kammerspielen bei Otto Falckenberg verpflichtet. Hier war sie u.a. in Ferenc Molnárs Theaterstück "Olympia" und als Julchen in Zuckmayers Schauspiel "Schinderhannes" zu sehen. Im zarten Alter von 18 Jahren wurde sie von der Münchner Filmfirma EMELKA engagiert und zunächst hauptsächlich mit Hauptrollen jugendlich-schwärmerischer Mädchen und zarter Liebender in meist banalen Romanzen betraut. Mit kaum 20 Jahren war Dorothea Wieck bereits in der Stummfilm-Szene eine beachtliche Persönlichkeit. Von 1928 bis 1931 war sie wieder mit Theaterarbeit beschäftigt im Frankfurter Schauspielhaus.

Die wohl bekannteste Rolle für die Mimin war zweifelsohne die Darstellung der Internatslehrerin Fräulein von Bernburg in dem 1931 gedrehten Film Mädchen in Uniform in der Regie von Leontine Sagan. In diesem Drama ist sie eine junge Lehrerin, die den verkrusteten Strukturen und dem von preußischer Zucht und Ordnung geprägten wilhelminischen Erziehungswesen Vertrauen, Güte und Verständnis als Gegenentwurf gegenüberstellt. Dieser Film wurde so stark von Kritik und Publikum beachtet, dass er ihr bald national und international den Einstieg ins Charakterfach ebnete. So spielte sie 1932 in der von Richard Oswald verfilmten Operette die Titelrolle in Gräfin Mariza. In dem Liebesdrama Trenck war sie 1932 neben Hans Stüwe als Freiherr von der Trenck die Amalie, Prinzessin von Preußen. 1933 war sie in Anna und Elisabeth die  verbitterte, an einen Rollstuhl gefesselte Gutsherrin von Salis, wieder an der Seite von Hertha Thiele, Regie hatte hier Frank Wysbar. In dem Kostümfilm Liselotte von der Pfalz war sie Mme. de Maintenon (1935, Regie: Carl Froelich) und in Der Student von Prag spielte sie eine Opernsängerin. Kurz nach Machtantritt der Nazis erhielt Dorothea Wieck ein Angebot aus Hollywood für zwei nicht unbedingt bemerkenswerte US-Produktionen. Durch eine gezielte, aber nicht zutreffende, Denunziation wurde ihre US-Karriere frühzeitig beendet. Sie kehrte zurück nach  Deutschland, nahm ihre Filmtätigkeit wieder auf, hatte aber nur noch gelegentliche Hauptrollen zu spielen. So sah man sie 1949/50 in dem Kriminalfilm Fünf unter Verdacht in der Regie von Kurt Hoffmann, 1951 in der von Harald Braun inszenierter Bertha von Suttner-Biografie Herz der Welt. In ihrem Schauspielerleben war Dorothea Wieck an mindestens 60 Filmen beteiligt. Ihre letzten beiden Rollen hatte sie in der Fernsehserie Der Kommissar, 1969 in der 1. Folge Toter Herr im Regen und 1973 in der 56. Episode Tod eines Hippie-Mädchens. (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 8, S. 370-371 - mit Erlaubnis des Autors) 

Weitere Filme mit Dorothea Wieck sind bei IMDb und Filmportal gelistet. 

  

  

31. März: Helga Anders, geboren am 11. Januar 1948

Deutsche Schauspielerin

Sie wuchs in Ruhpolding und Bielefeld auf. Besuch einer Ballettschule. Spielt mit acht Jahren eine Rolle als Heinerle in der Operette "Der fidele Bauer". Nach dem Umzug der Eltern an den Tegernsee wirkt Helga Anders mit dreizehn an einer bayerischen Bauernbühne mit. Als Zwölfjährige spielte sie ihre erste Rolle in dem Heinz Rühmann-Film Der Taschendieb. 1967 Heirat mit Roger Fritz, unter dessen Regie sie in mehreren Filmen die Hauptrolle übernimmt. Besonders bekannt wurde sie durch den Film Mädchen, Mädchen (für die Rolle des Mädchens Angela bekommt sie 1967 den Bundesfilmpreis) und Mädchen mit Gewalt (1969): "Ein Film irgendwo aus dem Niemandsland zwischen grindhouse und underground, Kunst und Kolportage. Hätte ihn ein amerikanischer Genre-auteur gedreht, wäre er heute mit Sicherheit ein gefeierter Klassiker. Doch bei uns hatte es diese Spielart des Kinos immer besonders schwer; und so wartet »Mädchen mit Gewalt« noch darauf, als Meisterwerk und Meilenstein der deutschen Filmgeschichte entdeckt zu werden. Auf den ersten Blick wirken die beiden von Arthur Brauss und Klaus Löwitsch gespielten Freunde Mike und Werner ganz normal. Beide sind um die 30 und haben es als kaufmännische Angestellte zu etwas gebracht. Aber hinter der bürgerlichen Fassade verbergen sich zwei Raubtiere, die nach Büroschluss losziehen und Jagd auf Mädchen machen. Diesmal fällt ihre Wahl auf die unbedarfte Studentin Alice (Helga Anders), die sie gemeinsam zu einem Baggersee in einer Kiesgrube locken. Wie Roland Klicks Wüstenfilm »Deadlock« ist auch Roger Fritz’ bitterböses Anti-Märchen purer Existentialismus: Die Leere der Welt gebiert nichts als Gewalt." (Quelle Filminhalt zitiert aus filmfest-oldenburg.de)

  

Die künstlerische Karriere von Helga Anders war relativ kurz: Tätowierung (Johannes Schaaf), verschiedene Fernsehrollen, u.a. in Die Unverbesserlichen (7teilige TV-Serie mit Inge Meysel, Joseph Offenbach, Monika Peitsch und Gernot Endemann). Ihre letzte Rolle hatte sie 1986 in der 8. Episode von Helmut Dietls satirischer TV-Serie Irgendwie und sowieso. Helga Anders hatte im Laufe ihrer Karriere in über 40 Filmen mitgespielt.

Nach ihrer Scheidung von Roger Fritz  betreibt sie eine Theaterkneipe in München. Wenig später galt sie als "deutsche Lolita". Sie kommt in die Abhängigkeit von Alkohol und Drogen und wird zum Objekt der Boulevardpresse. Helga Anders starb am 31. März 1986 im Alter von nur 38 Jahren in München-Haar – offiziell wurde Herzversagen als Todesursache angegeben; ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Friedhof in Gmund am Tegernsee.

Weitere Filme mit Helga Anders sind bei IMDb und Filmportal (+ biografische Angaben) gelistet.

  

  

7. April: Valerie von Martens, *4. November 1894

Österreichisch-deutsche Schauspielerin. Seit 1923 Ehefrau des Regisseurs und Schauspielers Curt Goetz, mit dem sie zusammen die Filme Napoleon ist an allem schuld (1938), Frauenarzt Dr. Prätorius (1949), Das Haus in Montevideo (1951) und Hokuspokus (1953) drehte. Bereits 1921 debütierte sie in Im Banne der Kralle, der von Carl Froelich inszeniert wurde, ein weiterer Film war 1922 Der Taugenichts. In der Regie von   Reinhold Schünzel entsteht der Film Land der Liebe, der von Goebbels als "... eine typische Judenmache. Ganz unausstehlich. Der darf so nicht heraus..." (zitiert aus einem Artikel zum 100. Geburtstag des Regisseurs Reinhold Schünzel im FOCUS am 31.10.1994 von Hans-C. Blumenberg) tituliert wurde. Schünzel mustte emigrieren. Beide Akteure des Films, Curt Goetz, der für das Drehbuch verantwortlich war, und Valerie von Martens wurden von der Gestapo verhört, was jedoch für beide folgenlos blieb. Bei www.steffi-line.de ist zu lesen: "... hatte Valérie von Martens den bekannten Theaterschriftsteller, Regisseur und Schauspieler Curt Goetz geheiratet, den sie im Wiener "Theater in der Josefstadt" kennen gelernt hatte. An der Seite ihres Mannes brillierte sie in dessen Stücken auf der Bühne, so unter anderem in "Ingeborg" (1923), "Der Lampenschirm" (1925), "Die tote Tante" (1925), "Hokuspokus" (1926), "Der Lügner und die Nonne" (1928) und "Dr. med. Hiob Praetorius" (1934). Die meisten Hauptrollen hatte Curt Goetz seiner Frau auf den Leib geschrieben und bildete mit ihr auf der Bühne ein glänzend eingespieltes Paar. Nicht nur in Berlin begeisterten beide das Publikum, auch auf verschiedensten Gastspielreisen feierten die Künstler Triumphe."

Valerie von Martens starb im hohen Alter von 91 Jahren in Riehen bei Basel.

   

  

  

Otto Preminger, hier 1976

Foto: Allan Warren

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

23. April: Otto Preminger, geboren am 5. Dezember 1905

Österreichisch-amerikanischer Filmregisseur, der sowohl an den Max Reinhardt-Bühnen als auch in Hollywood Erfolge zu verzeichnen hatte. Nach einem Jurastudium arbeitete Preminger ab 1928 als Schauspieler und Assistent von Max Reinhardt bei den Salzburger Festspielen. Anschließend arbeitete er als Regisseur an einer Wanderbühne. Später inszenierte er am Wiener Theater in der Josefstadt und an der Scala. Sein Regiedebüt hatte Preminger 1931 mit dem Kriegsheimkehrerdrama Die große Liebe mit Hansi Niese und Attila Hörbiger. 1935 verließ er Österreich, ging zurück nach England, wenig später nach New York, wo er am Broadway zu inszenieren begann. In Hollywood war der Regisseur Mitte der 1930er-Jahre bei Ernst Lubitsch Regie-Assistent und studierte die Arbeit erfahrener Filmregisseure und Cutter.

1936 hatte er sein Debüt als Regisseur, aber leider versanken seine frühen Filme in Erfolglosigkeit. Mit dem Mystery-Krimi Laura konnte Preminger seine Karriere in Hollywood fortsetzen. Nach dem Tod von Ernst Lubitsch vollendete er dessen begonnenen Film und begann ab 1952 mit der Regiearbeit einiger künstlerisch erfolgreicher Produktionen. Beispielweise war der Film Engelsgesicht ein viele Jahre unterschätzter, spannender, mit Zynismen durchsetzter Krimi über eine manisch-skrupellose Frau (Jean Simmons), die, entgegen ihrem engelsgleichen Äußeren, zu skrupellosen Morden fähig ist. Im Jahre 1953 entstand in einer amerikanischen (The Moon is blue) und in einer deutschen (Wolken sind überall) Fassung die Filmversion von F. Hugh Herberts "The Moon is blue". Ein zentrales Element dieser Komödie war - unfassbar für das prüde Amerika der 1950er-Jahre - die offene Auseinandersetzung der Protagonisten mit Themen wie außerehelicher Sex, Jungfräulichkeit und Schwangerschaft. Ein weiteres Highlight seiner Karriere war das 1954 mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum gedrehte Westernabenteuer Fluss ohne Wiederkehr. 1955 brach Preminger das nächste Tabu mit dem Film Der Mann mit dem goldenen Arm, ein Film, der Drogenkonsum zum Thema hatte (glänzend gespielt von Frank Sinatra). 

Otto Preminger war gelegentlich auch als Schauspieler tätig, so in dem 1942 gedrehten Der Rattenfänger von Hameln oder dem von Billy Wilder 1952 inszenierten Kriegsfilm Stalag 17, wo Preminger den fiesen, kahlköpfigen Nazi-Oberst von Scherbach gab.

Preminger neigte in seinen Filmen oft zu Monumentalinszenierungen wie beispielsweise Porgy und Bess (138 Minuten) oder Erster Sieg (165 Minuten) mit Überschreitung der üblichen  Marke von anderthalb bis zwei Stunden. Mit dem 1960 gedrehten Film Exodus nach dem Roman von Leon Uris (208 Minuten) erzählt der Regisseur die Geschichte aus der Zeit kurz vor der Staatsgründung Israels, und der Film Sturm über Washington wurde zur Abrechnung mit dem intrigenreichen Establishment der amerikanischen Regierungshauptstadt. Die überaus facettenreiche Geschichte eines jungen US-Geistlichen in Der Kardinal prangert anhand der zentralen Priesterfigur nicht nur die Milde der katholischen Kirche gegenüber den Ausschreitungen der Nazis in Wien an, sondern auch die Mutlosigkeit gegenüber dem Rassismus des Ku-Klux-Klan im Süden der USA (aus prisma.de).

Preminger hatte fast mit allen großen Stars der damaligen Filmszene gedreht, darunter waren Gary Cooper, John Wayne, Kirk Douglas (Erster Sieg), Paul Newman (Exodus), James Stewart (Anatomie eines Mordes), Robert Mitchum, Richard Widmark, Henry Fonda (Sturm über Washington), Sidney Poitier (Porgy and Bess). Eine seiner letzten Regiearbeiten war Der menschliche Faktor aus dem Jahre 1979 mit Richard Attenborough als Colonel John Daintry, eine Agentengeschichte nach dem Roman von Graham Greene. (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia, prisma.de und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 6, S. 328-329 - mit Erlaubnis des Autors) 

Weitere Informationen über Otto Preminger sind bei www.prisma.de zu finden. Eine komplette Filmographie findet sich bei IMDb.

  

  

  

Lou van Burg, Ende Januar 1968
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 921-0145); Urheber/Fotograf: Kroon, Ron / Anefo;  mehr bei → www.gahetna.nl
Quelle: Wikimedia Commons (Ausschnitt des Originalfotos);
Lizenz: www.gahetna.nl/over-ons/open-data / CC BY-SA 3.0 NL

26. April: Lou van Burg, geboren am 25. August 1917

Niederländischer Entertainer und Showmaster, der mit bürgerlichem Namen Loetje van Weerdenburg hieß. Bereits in den 1950er-Jahren hatte van Burg Auftritte als Sänger und Tänzer. Durch sein einnehmendes Wesen und immer gut gelaunt war er bald ein Sympathieträger im deutschsprachigen Fernsehen. Bereits mit seiner ersten vom ORF ausgestrahlten Fernsehshow mit dem Titel Jede Sekunde ein Schilling kam er beim Publikum gut an. Die daraufhin von der ARD produzierten Show Sing mit mir - spiel mit mir wurde jedoch vorzeitig abgebrochen. 

Ab 1964 bekam van Burg einen Vertrag vom ZDF und moderierte mit riesigem Erfolg die Show Der goldene Schuss. Durch private Querelen mit seiner Lebensgefährtin und Managerin Angèle Durand, die der Presse private Details aus Lou van Burgs Leben kundtat, beendete der Sender die Zusammenarbeit Mitte 1967. Man einigte sich auf eine Entschädigung. Bei Wikipedia ist zu lesen: "Wim Thoelke schrieb hierzu in seinem Buch Stars, Kollegen und Ganoven – eine Art Autobiographie, dass die weitverbreitete Geschichte, das ZDF habe van Burg hinausgeworfen, nicht stimme, zumal dieser gar keinen Vertrag mit dem ZDF gehabt habe. Vielmehr habe die Schweizer Firma Schmid Productions die Sendereihe im ZDF-Auftrag hergestellt. Diese Firma habe auch Musicals produziert und deswegen überlange Ausschnitte, einmal sogar 40 Minuten davon in Der goldene Schuss untergebracht, wobei das ZDF die Ausstattung dafür auch noch bezahlen musste. Die Zuschauer und das ZDF seien unzufrieden gewesen, worauf man sich, um die Situation zu retten, unter dem Vorwand der Affäre von van Burg getrennt und Vico Torriani als Nachfolger präsentiert habe."

In den folgenden Jahren nahm van Burg seine Tätigkeit als Conférencier wieder auf, im Zirkus Althoff, bei Butterfahren und in Einkaufszentren. Ab 1976 moderierte er wieder für das ZDF die 90minütige Sendung "Varieté, Varieté", eine für das Fernsehen zurechtgemachte Show mit Zirkuscharakter mit internationalen Künstlern aus Akrobatik, Musik und Tanz. Weitere von ihm moderierte Sendungen waren Wir machen Musik, Sing mit mir - tanz mit mir, Sing mir das Lied noch einmal, So wird's nie wieder sein, So schön wie heut', so müßt' es bleiben, Mit Musik geht alles besser. Dies waren alles Gala-Shows mit Musik und Künstlern aus vergangenen Tagen. Rita Pavone, Ilse Werner, Rosita Serrano, Siw Malmkvist, Margret Fürer, Christ Howland, Rocco Granata, Wolfgang Sauer, Camillo Felgen, Jan und Kjeld, Albert Raisner und Freddy Quinn und viele viele andere sangen die Titel, die sie einst berühmt machten.

Frank Elstner, der damalige Chef von Radio Luxemburg, holte Lou van Burg zum deutschen Hörfunkprogramm von Radio Luxemburg und bot ihm eine zweistündige Sendung an, die sich "Familientag mit Onkel Lou" nannte. Die Sendung wurde damals live aus dem Traumlandpark Bottrop-Kirchhellen im Radio übertragen.

Lou van Burg starb an den Folgen einer Leukämie im Alter von 68 Jahren. 

Weitere Informationen sind bei www.wdr.de nachzulesen.

  

    

   

 

Käthe Haack, 1947

Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df pk 0000277 012) - © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek - Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983; Link Wikipedia) - Datierung: 1947.02 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia

 

5. Mai: Käthe Haack, geboren am 11. August 1897

Deutsche Schauspielerin -  Weitere Bilder

Käthe Haack, 1916
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.

Charakterschauspielerin bei Film und Bühne. Tochter eines Stadtverordneten und Grundbesitzers. Nach dem Lyzeum Schauspielunterricht bei Seraphine Détschy, 1914 erstes Engagement in Göttingen. Seit von Max Mack in Szene gesetzter  Sudermann-Adaption Der Katzensteg (1915) vor allem beim Film beschäftigt. In den 1910er-Jahren spielte sie in "Sensationsfilmen" gelegentlich auch "böse" Rollen, in den Zwanzigern war sie oft die schlichte Kleinbürgerin (bei Gerhard Lamprecht, Carl Boese), dann die patente Mutter (Emil und die Detektive, Und finden dereinst wir uns wieder). Regisseur Max Mack wurde ihr Förderer, gegen Ende des Ersten Weltkrieges spielte sie in einigen Joe-Deebs-Krimis an der Seite ihres Ehemannes, des Schauspielers Heinrich Schroth, mit, aber auch in anderen Detektiv- und Kriminalfilmen. Im Tonfilm reichte ihre filmische "Mutterkarriere" von der Mutter Emil Tischbeins in Emil und die Detektive des Jahres 1931 bis zu der Jerry Cottons in Dynamit in grüner Seide von 1967. Neben zahlreichen größeren Nebenrollen bekam die Schauspielerin auch einige wenige Tonfilm-Hauptrollen angeboten, wobei ihr die Auftritte an der Seite von Harry Liedtke in Sophienlund (zusammen mit Tochter Hannelore Schroth) und Das Konzert (Regie: Paul Verhoeven) besonders gut gelangen. 

  

Käthe Haack war seit 1915 mit dem Schauspieler Heinrich Schroth verheiratet, der Ehe entstammte die Schauspielerin Hannelore Schroth, mit der sich oft zusammen auftrat; der Schauspieler Carlheinz Schroth ist ihr Stiefsohn. Nach dem Krieg wuchs sie in die Rolle der Grand Dame, die sie besonders beeindruckend in den Produktionen Zwei ahnungslose Engel (1969), Der Lord von Barmbeck (1976, Regie: Ottokar Runze), Der Fußgänger, Grete Minde verkörperte. Käthe Haack wirkte in gut 200 Filmen mit, davon auch in etlichen Fernsehfilme. Ihre Memoiren, 1971 herausgegeben, hatten den Titel "In Berlin und anderswo". (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 3, S. 460-461 - mit Erlaubnis des Autors)

Weitere Filme mit Käthe Haack sind bei IMDb und bei Filmportal (+ biographische Angaben) zu finden.

 

  

      

Elisabeth Bergner

Foto© Virginia Shue, Hamburg starfotos@virginia-hamburg.de

  

Elisabeth Bergner, 1926 

in "Der Geiger von Florenz" Regie: Paul Czinner

©Murnau-Stiftung

  

12. Mai: Elisabeth Bergner, *22. August 1897

Österreichisch-britische Schauspielerin

Weitere Informationen bei www.exilarchiv.de

Ein Nachruf - "Die zarte Diva" - vor 25 Jahren gestorben (von Beatrix Novy, Deutschlandradio Kultur, 8. Sept. 2015).

 

1915 gab sie ihr Bühnendebüt in Innsbruck, es folgten Engagements in Zürich, München , Wien und - vor allem - Berlin. Ihr Filmdebüt gab sie als bucklige Schneiderstochter in Der Evangelimann (1922/23). 1923 schaffte sie den Durchbruch unter der Regie von Max Reinhardt mit dem Shakespeare-Stück "Wie es euch gefällt". Sie spielte auch weiterhin mehrfach unter Reinhardt am Deutschen Theater. Im Film war sie stets auf den Typ der kindlich-androgynen Heldin festgelegt; ab 1924 arbeitete sie ausschließlich mit dem Regisseur Paul Czinner zusammen, der auch privat ihr Lebenspartner war. Große Erfolge hatte sie z. B. in Nju (1924), Liebe (1926) oder Dona Juana (1927), ihren größten Stummfilmerfolg feierte sie jedoch als Arthur-Schnitzler-Heldin Fräulein Else (1928/29). Den Übergang zum Tonfilm schaffte die theatergeprüfte Elisabeth mühelos: Ariane (1930/31) wurde gleich ein großer Erfolg. Das Melodram Der träumende Mund (1932) nach dem Stück "Mélo" von Henri Bernstein, bei dem sie auch am Drehbuch mitgeschrieben hatte, schildert eine tragisch endende Ménage-à-Trois. Nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 emigrierten die Juden Elisabeth und Paul zunächst nach Wien, dann nach London, wo sie heirateten. Anfangs hatten sie noch Schwierigkeiten, vor allem mit der Sprache, doch schon bald lebten sie sich gut in England ein. Sie konnten sogar an ihre Filmerfolge anknüpfen: Zuerst brillierte Elisabeth in Czinners Katharina die Große (1934) als angehende russische Zarin, der zweite gemeinsame Film war das Melodram Verlass mich niemals wieder (1935), in dem Elisabeth die verführerische Gemma Jones spielt, die nach dem Tod ihres Mannes mit einem Kind mittellos dasteht. Für ihre herausragende Darstellung bekam Elisabeth eine Oscarnominierung. 1936/35 drehte sie ein Remake von Der träumende Mund: Dreaming Lips. 1938 wurde sie britische Staatsbürgerin. Im Krieg drehte sie nur einen Film, Paris Calling (1941), und verlagerte ihren Schwerpunkt wieder auf die Bühne . Sie war Mitunterzeichnerin der Erklärung des "Council For A Democratic Germany". Nach dem Krieg spielte sie zunächst in New York, dann in London. 1954 kehrte sie nach Deutschland zurück. Sie spielte Theater, z.B. mit O.E. Hasse in Geliebter Lügner, drehte ab 1961 wieder Filme, z. B. in Wolfgang Staudtes Die glücklichen Jahre der Thorvalds (1962), trat in Talkshows auf, führte 1969 erstmals Regie - und wurde mit Ehrungen überhäuft: Schillerpreis Mannheim 1962, Bundesfilmpreis 1963, Ernst-Lubitsch-Preis 1979, Eleonora-Duse-Preis Asolo 1982 und, und, und. 1985 erhielt sie das Filmband in Gold "für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" für ihr Lebenswerk.

Deutschlandradio Kultur bietet einen Nachruf vom 12. Mai 2011 der verstorbenen Künstlerin.

Elisabeth Bergner starb am 12. Mai 1986 in ihrer Londoner Wohnung. 

Weitere Filme mit Elisabeth Bergner sind bei IMDb und bei Filmportal zu finden.

  

  

 

Boy Gobert

  

Foto: Virginia Shue (Hamburg)

Das Copyright liegt bei der Fotografin Virginia Shue

  

30. Mai: Boy (Christian Klée) Gobert, geboren am 5. Juni 1925

Sohn eines Hamburger Kultursenators. Kammerschauspieler, der in seiner Heimatstadt bei Helmuth Gmelin Schauspielunterricht nahm. In dieser Zeit hatte er sein Debüt an dem von Gmelin geleiteten "Theater im Zimmer" als Oswald in Ibsens "Gespenster". 

Zunächst spielte er jugendliche Liebhaber, vornehme junge Geschäftsleute und Lebenskünstler. Weitere Theaterstationen waren Karlsruhe und Frankfurt. 1954 kehrte er bereits wieder nach Hamburg zurück. Die Filmarbeit ließ nicht lange auf sich warten. Leider wurde er immer wieder in deutschen und österreichischen Lustspielen (z.B. Hoch klingt der Radetzky-Marsch) unterster Kategorie eingesetzt. Der "Spiegel" schrieb in seinem Nachruf dazu: "In über 50 Filmen der Nierentischzeit juxte Gobert dann näselnd, blasiert, durch das Land des Lächelns" (zitiert aus Der Spiegel, Nr. 23, 1986). Er spielte Rollen als dümmliche, aufschneiderische Dandys, affektierte vornehme Typen und Kleinganoven mit affektiertem Gehabe, eigentlich waren so gut wie keine positiven Charaktere dabei. Eine relative Hauptrolle hatte er 1956 in Helmut Käutners Monpti, weiterhin spielte er bei Käutner in Der Rest ist Schweigen mit und in Peter Lilienthals TV-Film Abgründe. Er war in Gerhard Klingenbergs Der Tod des Handlungsreisenden der Howard und 1968 in Der Kaufmann von Venedig in der TV-Inszenierung von Otto Schenk der Prinz von Arragon. 

  

Vor allem aber beruht Goberts Ruhm auf seinen Leistungen als Bühnenschauspieler, -regisseur und Theaterleiter. 1959 ging Gobert für zehn Jahre an das Wiener Burgtheater. Dann wurde er als Nachfolger von Kurt Raeck 1969 Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, welches er bis 1980 leitete. Hier konnte er auch sein eigenes Klischee weitgehend verbessern und das Rollenspektrum erweitern und weiterentwickeln, und er erlangte ein beträchtliches Renommée nicht nur aufgrund seiner Inszenierungen, sondern auch seiner Charakter-Interpretationen. Namhafte Regisseure gaben ihm Rollen der Weltliteratur, darunter Shakespeares "Richard III.", "Coriolan" und Goethes "Faust", aber auch moderne Klassiker wie Arthur Schnitzlers "Anatol" und Carl Sternheims "Der Snob". Daneben widmete er sich als Regisseur und Darsteller dem angelsächsischen Gegenwartstheater mit Autoren wie Harold Pinter und Trevor Griffiths. Ein besonderes Interesse entwickelte er als Intendant und Regisseur außerdem für den "gehobenen Boulevard" unter der Devise "Ein Optimum an Kunst und Kasse" (Der Spiegel, Nr. 23, 1986). 1980 wurde er Generalintendant an der Staatl. Schauspielbühne Berlin. Obwohl er mit seiner Indendanz in Berlin vereinzelt gute Erfolge erzielen konnte wie mit der Revue Jeder stirbt für sich allein (Regie Peter Zadek), Iphigenie auf Tauris, Penthesilea, Die Schwärmer oder Der Balkon (Regie Hans Neuenfels), konnte er insgesamt nicht die hohen Erwartungen, die sein Vorgänger, der Regisseur Hans Lietzau, vorgegeben hatte, erfüllen. Seit Vertrag wurde mit der Spielzeit 1984/85 beendet. Im Kino sah man Boy Gobert vereinzelt, z.B. in Peter Zadeks Die wilden Fünfziger und mit Rainer Werner Fassbinder in Wolf Gremms Kamikaze 1989. Kurz nach Beginn seiner Arbeit am Theater in der Josefstadt starb Boy Gobert in Wien an Herzversagen.

Mit dem seit 1981 verliehenen Boy-Gobert-Preis für Nachwuchsschauspieler an Hamburger Bühnen, vergeben von der Körber-Stiftung und mit 10.000 Euro dotiert, wird Gobert posthum geehrt. (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 3, S. 291-292 - mit Erlaubnis des Autors)

Weitere Filme mit Boy Gobert sind bei IMDb und Filmportal zu finden.

  

  

   

Hubert Suschka, hier 1981, bei Dreharbeiten in einer Drogerie am 29.10.1981

Foto: Marlis Decker, Deutsche Digitale Bibliothek

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert 

6. Juli: Hubert Suschka, geboren am 4. Juni 1925 in Breslau

Deutscher Schauspieler

Schauspielausbildung bei Gerda Müller und Paul Bildt in Berlin (Deutsches Theater). Hatte Rollen bei der DEFA und beim Deutschen Fernsehfunk.  Nachdem er 1959 nach Westdeutschland gekommen war, hatte der Schauspieler Theaterengagements in Bielefeld, Bochum, München, Zürich, Hamburg, Neuss und Castrop-Rauxel. In Neuss spielte er 1985 den Vater in der deutschen Erstaufführung des Stücks "Beim Film müsste man sein" in der Regie von Eckhart Neubert. Nebenbei war Hubert Suschka auch ein vielbeschäftigter Synchron- und Hörfunksprecher. So lieh er in der Zeichentrickserie Captain Future dem Bösewicht Kim Ivan und in der Filmkomödie Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug Leslie Nielsen seine Stimme.

Hubert Suschka

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

Im Kino war Suschka in Deutschlandlied (Max Ophüls-Preis 1984) in der Regie von Ernst Witzel zu sehen.

Weitere Fernsehfilme waren Melissa, 3teiliger TV-Film nach Francis Durbridge, Regie: Paul May (Rolle: Felix Hepburn), Ohne festen Wohnsitz, TV-Film von 1966, Regie: Heinz Schimmelpfennig. Unter der Regie von Wolfgang Schleif mimte er 1967 Josef Stalin in dem fünfteiligen Fernsehfilm Bürgerkrieg in Rußland. In Roland Klicks Film Bübchen ist er 1968 als Erich Behm zu sehen. In dem 1970 gedrehten Kriminalfilm Perrak von Alfred Vohrer spielt er einen gewissen Karl Kaminski. 

Am bekanntesten beim Publikum wurde er jedoch von 1972 bis 1982 als Kommissar Kurt Diekmann in der TV-Serie Sonderdezernat K1. Die Serie zeichnete sich durch gute Drehbücher (u.a. von Maria Matray und Answald Krüger) und exzellente Schauspieler aus (u.a. Gert Günther Hoffmann, Peter Lakenmacher, Hermann Treusch, Klaus Ringer und Horst Janson).

Mir fiel Hubert Suschka mit einer kleinen, aber feinen Rolle auf in dem 1964 gedrehten Drama Verdammt zur Sünde (TV-Titel Die Festung) neben Hildegard Knef als seine Frau Malwine, Robert Graf und Martin Held, nach dem Roman "Die Festung" von Henry Jaeger. (Quelle: Einige Informationen aus Wikipedia und Die Krimihomepage)

Weitere Filme mit Hubert Suschka sind bei IMDb und bei Filmportal zu finden.

  

 

  

29. September: Helmut Qualtinger, geboren am 8. Oktober 1928

Schauspieler, Schriftsteller, Kabarettist und Rezitator.

Schwergewichtiger österreichischer Charaktermime. Meisterlich in seinen Rollen als grantelnder, kauziger Wiener Typ. Bereits während seiner Gymnasialzeit gründete er zusammen mit Walter Kohut und dem Sohn des Burgschauspielers Philipp Zeska die "Mozart-Bühne", ein Jugendtheater. Die erste Aufführung (Nur keck! von Johann Nestroy) wurde vom Schriftsteller Heimito von Doderer besucht, der den Regisseur und Hauptdarsteller Qualtinger ermutigte, diesen Weg weiterzugehen. Zunächst studierte er Medizin und Publizistik, brach das Studium jedoch ab und begann eine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Seine ersten kabarettistischen Erfolgsprogramme waren "Brettl vorm Kopf" und "Dachl überm Kopf". Mit der Darstellung wienerischer, mies gelaunter Charaktere hatte er von Anfang an große Erfolge. Seine Figur des "Herrn Karl", des meist in einem Kaffeehaus sitzenden, über Gott und die Welt redenden und lästernden Spießers wurde bald sein Markenzeichen. Mit dieser Figur machte er sich bei seinen Landsleuten keine Freunde und brachte ihm heftige Anfeindungen ein. Vor allem brillierte er in k.u.k.-Klassikern nach Horváth; in Geschichten aus dem Wienerwald in der Regie von Maximilian Schell ist Qualtinger der Zauberkönig, in  Nestroys Zauberposse Lumpazivagabundus ist er der Schustergeselle Knieriem und in Raimunds Der Alpenkönig und der Menschenfeind spielt Qualtinger den Diener Habakuk, wobei er sowohl in den genannten Theaterstücken als auch in einigen Verfilmungen dieser literarischen Meisterwerke besetzt wurde. In Der Richter und sein Henker war er von Schwendi, weiterhin sah man ihn als Offizier in Peter Zadeks Eiszeit, in Michael Verhoevens TV-Film MitGift mimte er einen gewissen Huck. Seine letzte Filmarbeit hatte er in der Literaturverfilmung, die Jean-Jacques Annaud in Szene setzte, Der Name der Rose, als Remigio de Varagine. Während dieser Dreharbeiten erkrankte Helmut Qualtinger so schwer, dass diese zum Teil unterbrochen werden mussten. Helmut Qualtinger war zweimal verheiratet – zunächst ab 1952 mit der Kinder- und Jugendbuchautorin Leomare Seidler und ab 1982 mit der Schauspielerin Vera Borek. Er hatte aus erster Ehe einen Sohn, den Maler, Schriftsteller, Musiker und Kabarettisten Christian Heimito Qualtinger, der 1958 geboren wurde. Helmut Qualtinger wurde nur 57 Jahre alt. Er starb in seiner Geburtsstadt Wien an den Folgen einer Leberzirrhose. Er ist einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beerdigt.

2012 brachte der Schauspieler Andre Heller über den schwergewichtigen, wuchtigen Schauspieler eine Dokumentation heraus. (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 6, S. 368 - mit Erlaubnis des Autors)

Weitere Filme mit Beteiligung von Helmut Qualtinger sind bei IMDb und bei Filmportal zu finden.

    

  

 

10. Oktober: Dr. Harald Reinl, geboren am 9. Juli 1908

Österreichischer Regisseur

Regisseur Dr. Harald Reindl, Zeuge bei der Verhandlung der Unterlassungsklage von Leni Riefenstahl gegen Nina Gladitz vor dem Landgericht am 25.02.1985

Foto: Marlis Decker / Deutsche digitale Bibliothek

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

 

Harald Reinl kommt vor seinem Zwillingsbruder Kurt am im österreichischen Bad Ischl zur Welt.  Er prägte den deutschen Film der 60er Jahre und war ein Meister des erfolgsorientierten Serienkinos nach 1945. Reinl hatte in Jura promoviert und sich nebenbei intensiv dem Skisport gewidmet. So lernte er den Bergfilmregisseur Arnold Fanck kennen, der ihn in seinen beiden ersten Tonfilminszenierungen Stürme über dem Mont Blanc (1930) und Der weiße Rausch (1931) als skifahrenden Schauspieler einsetzte. 1932 arbeitete Reinl bei einem weiteren Bergfilm, Abenteuer im Engadin, nicht nur als Kleindarsteller, sondern erstmals auch als Regieassistent mit und erlernte dort die Grundbegriffe des Filmemachens. In der anschließenden filmlosen Zeit war Reinl an der Leitung einer eigenen Skischule in Frankreich beteiligt. 1939 drehte er seinen ersten eigenen (noch kurzen) Film, im Jahr darauf holte ihn Leni Riefenstahl (auch eine Fanck-Schülerin) den Nachwuchsregisseur als ihren Assistenten zu ihrer aufwändigen Opernverfilmung Tiefland, deren Dreharbeiten sich bis 1944 hinzogen. Im Winter 1947/48 nahm Harald Reinl seine Regiearbeit wieder auf. Sein erster Langfilm Bergkristall, wobei sein Film noch deutlich die Einflüsse seines Lehrmeisters Fanck zeigten. 

Bis in die späten 1950er Jahre hinein blieb Reinl dem heimatverbundenen Film treu, wobei er jetzt Schnulzenfilme, Ganghofer-Verfilmungen, läppische Romanzen und kitschige Melodramen, wobei das Rosenresli mit dem damaligen Kinderstar Christine Kaufmann sei erster größerer Kassenhit war. Harald Reinl lieferte zwei sogenannte "Antikriegsfilme", wie Die grünen Teufel von Monte Cassino und Kapitänleutnant Prien (beide 1958), dann widmete er sich weiteren Sparten: den Geschichten von Edgar Wallace, dem FBI-Agenten Jerry Cotton (Dynamit in grüner Seide, Der Tod im roten Jaguar, Todesschüsse am Broadway) und den Abenteuern von Karl May.

  

Regisseur Harald Reinl im Jahre 1946 - Foto: Sammlung WaRis-Tiroler Filmarchiv

Regisseur Harald Reinl, 1946

Fotograf Walter Riml, © Dr. Christian Riml, Sammlung WaRis-Tiroler Filmarchiv

Harald Reinl wusste, was die Zuschauer sehen wollen und drehte, was das Zeug hielt: Heimat- oder Kriegsfilme, Melodramen, Krimis, Klamotten (Pauker- und Lümmelfilme) oder Abenteuerfilme, alle Sparten wurden von H.R. bedient. 

Im Laufe seines Filmschaffens erhielt er eine stattliche Anzahl an Preisen, z.B. die Goldene Leinwand und einen Bambi für Der Schatz im Silbersee, die Goldene Leinwand und einen Bambi für Winnetou I, die Goldene Leinwand und einen Bambi für Winnetou II, Preis beim Filmfestival Triest und einen OSCAR für den Film Erinnerungen an die Zukunft nach Erich von Däniken und beim 21. Intern. Kinder- und Jugendfilmwettbewerb in Gijon erhielt er den Großen Preis für den Film Im Dschungel ist der Teufel los.

Weitere Filme von Harald Reinl: Nacht am Mont-Blanc, Hinter Klostermauern, Der Herrgottschnitzer von Ammergau, Der schweigende Engel, Solange du da bist, Die Fischerin vom Bodensee, Der unheimliche Mönch, Schloss Hubertus, Sie liebten sich einen Sommer und - und - und...

Harald Reinl war einige Male verheiratet. Zu Beginn seiner Karriere mit Corinna Frank, weiterhin mit der Schauspielerin Karin Dor, das Paar hatte einen Sohn, Andreas, der 1955 geboren wurde. Seit Mitte der 1970er-Jahre hatte Reinl die tschechische Aktrice Daniela Maria Delis als Partnerin. Beide lebten in der gemeinsamen Wohnung in Puerto de la Cruz auf Teneriffa. Frau Delis, die als psychisch krank galt, erstach ihren Mann nach einem Streit und setzte seinem Leben ein Ende. (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 6, S. 462-464 - mit Erlaubnis des Autors)

Weitere Filme mit Beteiligung von Herbert Reinl sind bei IMDb und Filmportal (+ biografische Angaben) zu finden.

    

 

  

  

  

21. Oktober: Gisela Fackeldey, geboren am 13. November 1920 in Köln

Deutsche Schauspielerin

Gisela Fackeldey wurde als Tochter von Richard und Grete Fackeldey, welche maßgeblich an der Gründung und Führung des Unternehmens Opekta beteiligt waren, geboren. Gisela war häufiger in Opekta-Radio-Werbespots zu hören und später auch in Werbefilmen der Opekta zu sehen. Gisela Fackeldey hat zwei Geschwister, die Zwillingsschwester Margret van Munster (Schauspielerin) und Ilse Fackeldey (Ärztin).

Sie begann ihre Schauspielausbildung im Alter von 18 Jahren in München und hatte in Prag im Jahre 1939 ihr erstes Engagement. In den Jahren nach dem Krieg trat sie am Bayerischen Staatsschauspiel, am Volkstheater und an der Schaubude auf. Anfang der 1950er-Jahre hatte sie in etlichen Heimatfilmen Hauptrollen angenommen, wie z.B. Die Martinsklause, Wetterleuchten am Dachstein (hier spielt sie die Herrin vom Salzerhof) oder Wenn ich einmal der Herrgott wär'. Ab Mitte der 1950er-Jahre schränkte sie ihre Filmrollen ein und nahm wieder Theaterrollen an, u.a. am Schillertheater in Berlin. Bei Rainer Werner Fassbinder war sie in Die bitteren Tränen der Petra von Kant und Martha zu sehen. (Quelle: Informationen u.a. aus Wikipedia)

Weitere Filme mit der Schauspielerin Gisela Fackeldey sind bei IMDb und Filmportal zu finden.

    

 

  

30. November: Herbert Steinmetz, geboren am 19. Oktober 1908 in Borna/Sachsen

Deutscher Schauspieler, der seine Ausbildung an der Städt. Schauspielschule in Leipzig absolvierte. Seine zahlreichen Engagements führten ihn nach Gera an das Reußische Theater, an das Theater der Stadt Essen (unter Alfred Noller), an die Wuppertaler Bühnen, an die Städt. Bühnen in Nürnberg, nach Leipzig zum Alten Theater, nach Posen zum Staatstheater und nach Hamburg zum Jungen Theater. In den Jahren 1946 bis 1953 spielte Herbert Steinmetz am Theater der Freien Hansestadt Bremen. Von 1954 bis 1956 war er beim Württembergischen Staatstheater Stuttgart. Weiterhin spielte er am Niedersächsischen Staatstheater Hannover und am Basler Theater. Von dort aus kam er 1962 an das Thalia-Theater nach Hamburg, hier gehörte er bis 1973 zum Ensemble. Wichtige Rollen am Theater für den Künstler waren der Lenny in John Steinbecks Von Mäusen und Menschen, der Kowalski in Tennessee Williams' Endstation Sehnsucht, er hatte die Titelrolle in Büchners Dantons Tod und er war Professor Higgins in J.B.Shaws Pygmalion

Für das Fernsehen war er ab Mitte der 1960er-Jahre tätig und bis 1986 in wirkte er in über 100 Produktionen mit. Als Müller Bottebacker tauchte er in der ersten, in Farbe gedrehten Serie Adrian der Tulpendieb (1966) auf, Gastrollen in populären Krimi-Reihen ließen Steinmetz zu einer festen Größe auf dem Bildschirm werden. In Günter Gräwerts mehrteiligem Fernsehfilm Jauche und Levkojen trat er als Otto Riepe, Diener und Kutscher Barons von Quindt, in Erscheinung. Eine ähnliche Rolle hatte Steinmetz in Michael Lähns Jokehnen - oder wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland, hier war er der Diener Karlchen des Majors (Franz Josef Steffens) und der Majorin (Monica Bleibtreu). Eine kleine Rolle als Zeitungshändler gab ihm Rainer Werner Fassbinder in dem mehrteiligen Fernsehfilm Berlin Alexanderplatz. Weitere Rollen bekam Steinmetz von Fassbinder in Lili Marleen, Lola, Die Sehnsucht der Veronika Voss, Angst vor der Angst und Fontane Effi Briest als Vater Briest. In der TV-Serie Tatort hatte er sechs mal einen Auftritt und in Der Paragraphenwirt war er in sieben Episoden zu sehen. Weitere Serienrollen waren Das blaue Palais, Der Kommissar (3 x), Der Monddiamant (Regie: Wilhelm Semmelroth), Einmal im Leben - Geschichte eines Eigenheims, Regie: Dieter Wedel. In der Dauer-TV-Serie Lindenstraße bis zu seinem Tod spielte er in 50 Folgen den netten, gutmütigen Friedhofsarbeiter Joschi Bennarsch.

Herbert Steinmetz starb nur 14 Tage nach seinem "Serientod" in der "Lindenstraße" an Herzversagen. 

Weitere Filme mit Herbert Steinmetz sind bei IMDb und Filmportal zu finden.

 

  

21. Dezember - Hans Baur, geboren am 8. August 1910

Deutscher Volks- und Filmschauspieler.

Hans Baur wurde in Eresing bei Landsberg geboren. Ab 1932 arbeitete er beim Funk in München, sollte dann aber wegen fehlender Ausbildung entlassen werden. Daraufhin beschloss er, die Schauspielschule zu besuchen. Er nahm Schauspielunterricht bei Kammerschauspielerin Madga Lena. In der Spielzeit 1934/35 hatte Hans Baur sein ersten Engagement an den Münchner Kammerspielen. Es folgten die Städt. Bühnen Augsburg, Theater der Stadt Essen, Städt. Bühnen Münster, Städt. Bühnen Frankfurt/M. Da er im 2. Weltkrieg schwer erkrankte, wurde er nicht zum Kriegsdienst eingezogen. Von 1948 bis 1974 war er Mitglied des Ensembles des Bayerischen Staatsschauspiels in München. Er gab diverse Gastspiele, u.a. bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel. Hans Baur arbeitete selbst auch als Schauspiellehrer und einer seiner Schüler war der Schauspieler Horst Bollmann. Zu seinen herausragenden Bühnenrollen zählen die Titelrolle in Kleists "Amphitryon", die Titelrolle in Goethes "Faust", die Titelrolle in Goethes "Torquato Tasso", er war der Orest in Goethes "Iphigenie auf Tauris", er hatte die Titelrolle in Brechts "Leben des Galilei" und viele andere.

Im Fernsehen war er u.a. 1960 zu sehen in Ein Weihnachtslied in Prosa, Regie: Franz Josef Wild, 1963 in Don Carlos, Regie: Franz Peter Wirth. In der bayerischen TV-Serie Königlich Bayerisches Amtsgericht (nach Georg Lohmeier) war Baur in 52 Folgen als Amtsgerichtsrat August Stierhammer zu sehen und wurde mit dieser Rolle bei den Zuschauern bekannt. Bei steffi-line.de ist über Hans Baur u.a noch zu lesen: "Das kriminalistische Genre ließ Baur wohl nicht mehr los, in dem Bayern-Tatort Weißblaue Turnschuhe mit Gustl Bayrhammer als Kommissar Veigl mimte er 1973 den Kriminalrat Schneehans, 1975 bis 1977 hieß er in vier weiteren "Tatort"-Episoden aus München nicht mehr Schneehans, sondern war der Kriminalrat Härtlinger, der mit Veigl unter anderem in Tote brauchen keine Wohnung (1973) und Wohnheim Westendstraße (1976) zusammenarbeitete. Gastauftritte in populären Krimireihen wie Die Fünfte Kolonne, Der Kommissar, Derrick oder Polizei-Inspektion 1 gehören ebenfalls zu Baurs Filmografie, zu den letzten Fernsehauftritten des Schauspielers zählt unter anderem die Familienserie Die Wiesingers (1984), welche die Geschichte einer Münchener Bierbrauerfamilie von der Jahrhundertwende bis zum Anfang des 1. Weltkrieges erzählt, sowie die Reihe Franz Xaver Brunnmayr (1985) mit Gustl Bayrhammer in der Titelrolle eines schlitzohrigen Viehhändlers."

Weiterhin ist bei Wikipedia zu lesen: "Hans Baur war wegen seiner sonoren Stimme prädestiniert für den Erzähler bei zahlreichen Kinderhörspielen, darunter "Der Räuber Hotzenplotz" (6 Teile), "Die kleine Hexe" (3 Teile) und "Das kleine Gespenst". Die Buchvorlage aller genannten Hörspiele lieferte Otfried Preußler. Darüber hinaus war der Schauspieler noch in einigen Hörspielen des Bayerischen Rundfunks aus der Kinderserie "Meister Eder und sein Pumuckl" in Nebenrollen zu hören, z. B. als Meister Eders befreundeter Handwerker Bernbacher in der Folge Das Spanferkelessen, nach dem gleichnamigen Buch von Ellis Kaut."

  

  

  

Grete Mosheim 1928
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 3364/1 (Ausschnitt). Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei
.

29. Dezember: Grete Mosheim, geboren am 8. Januar 1905 in Berlin

Deutsche Schauspielerin

Grete Mosheim gehörte zu den bekanntesten deutschen Schauspielerinnen mit relativ kurzer Filmkarriere während der Weimarer Republik. Sie nahm nach dem Besuch des Lyzeums Schauspiel-Unterricht bei Max Reinhardt, zusammen mit Marlene Dietrich. Bereits im Alter von 17 Jahren gehörte sie zum Ensemble des Deutschen Theaters Berlin. Dort spielte sie vor allem vernunftsbetonte junge Fräulein in leichten Stücken, oft von englischsprachigen Autoren wie Noël Coward, Somerset Maugham oder G. B. Shaw. Kurz vor dem frühzeitigen Ende ihrer Deutschland-Karriere durfte Grete Mosheim am Lessing-Theater gleich zwei Paraderollen spielen: das Gretchen im "Faust" und die Eliza Doolittle in "Pygmalion". 

Der dänische Regisseur Carl Theodor Dreyer holte sie im November 1923 erstmals zum Film, dem Homosexuellen-Drama Michael nach dem gleichnamigen Roman von Herman Bang aus dem Jahr 1904. In den Kinorollen der kommenden zehn Jahre war Grete Mosheim eine heitere bis nachdenkliche, verzagte bis spitzbübisch-kesse junge Frau, die sie dort wie auf der Bühne mit einem hohen Maß an Feinfühligkeit erlebbar machte. 1930 spielte Mosheim mit in Hans Tintners Stummfilm Cyankali, der den damals bereits bestehenden Paragraphen 218 anprangert. Der Film gilt als gefährlich und wird alsbald verboten. Nach dem Machtantritt der Nazis emigrierte die junge Frau nach Österreich, 1934 weiter nach London, wo sie 1935 für lange Zeit zum letzten Mal vor einer Filmkamera stand. Seit 1938 in New York ansässig, kehrte sie 1941 zum Theater zurück, wo sie zusammen mit anderen Emigranten ein Ensemble gründete, das sich pazifistischen und antinazistischen Stücken verschrieb. Grete Mosheim trat 1952 - nach 19 Jahren Abwesenheit - mit der Rolle der Sängerin Sally Bowles in "Ich bin eine Kamera" am Berliner Schlossparktheater wieder vor ein deutsches Publikum. Danach folgte der Wechsel ins Charakterfach als Mutter Wolffen in "Der Biberpelz", Mrs. Lewin in "Die Heiratsvermittlerin" oder  Maude in "Harold und Maude", was ihr ohne Probleme gelang. Grete Mosheim wurde 1963 mit dem Kritikerpreis für darstellende Kunst für ihre Rolle der Hannah Jelkes in Tennessee Williams' Stück "Die Nacht des Leguan" und 1971 mit dem Deutschen Filmpreis für ihre "herausragenden Verdienste um den deutschen Film" geehrt, außerdem bekam sie 1974 das Bundesverdienstkreuz.

Im Alter von 72 Jahren - nach 42 Jahren Kinoabstinenz - trat sie zum letzten Mal vor die Kamera. Sie hatte in Hark Bohms Drama Moritz, lieber Moritz die Rolle der sterbenskranken, todessehnsüchtigen Großmutter des Titelhelden angenommen. Zu ihren wenigen Fernsehauftritten gehörte das Fernsehspiel Der Hermelin nach Jean Anouilh und Die Glasmenagerie (1968, Regie: Ludwig Cremer), außerdem war sie in einer Folge in der ZDF-Serie Der Kommissar zu sehen. 1975 wird Grete Mosheim in der Rosa von Praunheim-Dokumentation Underground and Emigrants genannt.

Grete Mosheim war dreimal verheiratet, zuerst mit dem Schauspieler Oskar Homolka, dann mit einem Industriellen namens Howard Gould und in dritter Ehe mit dem amerikanischen Journalisten Robert Cooper. Lore Mosheim (*13.07.1914-†14.02.1964), ebenfalls Schauspielerin, war ihre Schwester. (Quelle: Informationen teilweise aus Wikipedia und "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 5, S. 566 - mit Erlaubnis des Autors)

  

  

   

 

 

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

Weiter zu 1987

 

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 24. Sept. 2015

 

Ich bitte um Verständnis, dass ich zu den jeweiligen Jahren nur eine Auswahl von Nachrichten treffen konnte.

 Alle Informationen der Film- u. Fernsehchronik sind nach bestem Wissen gesammelt und aufgeschrieben worden,

sollten sich aber doch Fehler eingeschlichen haben, bitte ich um eine E-Mail. Vielen Dank.

   

Diese Seite enthält Links zu externen Webseiten Dritter, auf deren Inhalte ich keinen Einfluss habe. Deshalb kann für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernommen werden. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich. Die verlinkten Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung auf mögliche Rechtsverstöße überprüft. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten ist jedoch ohne konkrete Anhaltspunkte einer Rechtsverletzung nicht zumutbar. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden derartige Links umgehend entfernt.

   

Ich bedanke mich bei Herrn Dr. Kay Weniger, der mir erlaubt hat, Textstellen aus seinem "Personenlexikon des Films" für diese Chronik zu übernehmen.

Diese Chronik enthält auch Informationen aus der Website HDG/LEMO (Haus der Geschichte/Lebendiges Museum Online) und aus der freien Enzyklopädie Wikipedia.