Deutsche Film- und Fernsehgeschichte 1963

...und ein wenig Zeitgeschichte

Jahresrückblick - 1963 - Tagesschau

      

  

  

     

  

In der Bundesrepublik werden 58 Spielfilme gedreht und 21 DEFA-Spielfilme.

     

Januar 

Heinrich Böll schreibt seinen Roman "Ansichten eines Clowns", der 1975 mit Helmut Griem in der Hauptrolle verfilmt wird.

   

Regisseur und Darsteller Hans Quest - Foto: VIRGINIA

Regisseur und Darsteller Hans Quest

Copyright: Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

 

10./13./15./17./18. Januar 

ARD-Ausstrahlung des fünfteiligen Francis Durbridge-Krimis Tim Frazer - Der Fall Salinger, Regie führt Hans Quest.

  

1. Februar 

Deutsche Kinemathek - In der West-Berliner 'Akademie der Künste' wird die "Deutsche Kinemathek e.V." eröffnet, wobei ihre Basis die Film- und Dokumentensammlung des Regisseurs Gerhard Lamprecht ist, die als ihre wichtigste Aufgabe die Archivierung und nicht das Vorführen sieht.

     

11. Februar 

Nach der Sendung vom 11.2.1963 sieht sich "Panorama" (Erstausstrahlung 4. Juni 1961) der "Gert von Paczensky-Affäre" ausgesetzt: Der Moderator wird als Ulbricht-Sympathisant diffamiert, die "Bild"-Zeitung fordert: "Der Spitzbart muss weg!". Wegen zahlreicher regierungskritischer Berichte in dieser Sendung (z. B. über Franz Josef Strauß im Zusammenhang mit der Fibag-Affäre und der Spiegel-Affäre) wurde der Vertrag des Journalisten beim NDR 1963 nicht mehr verlängert. Bei "Panorama" wechseln die Leiter und Moderatoren: Es kommen Karl-Heinz Wocker, Rüdiger Proske, Jürgen Neven-du-Mont, Werner Baecker und Eugen Kogon. "Panorama" läuft aktuell (01.01.2015) immer noch im Fernsehen und wird von der Journalistin Anja Reschke moderiert. (Information zum Teil aus tv-programme.net)

  

20. Februar 

Premiere des Dramas von Rolf Hochhuth "Der Stellvertreter" über die Rolle des Vatikans im Zweiten Weltkrieg.
  

27. Februar 

ARD-Ausstrahlung des Fernsehspiels Besuch am Nachmittag (WDR) von Theodor Schübel in der Regie von Hansgünter Heyme.

  

1. April 

Kein Aprilscherz! Das ZDF startet um 19:30 Uhr ein eigenes Fernsehprogramm, das bis 22 Uhr dauert. Um evtl. Konkurrenzsituationen möglichst gering zu halten, werden vertragliche Koordinationsvereinbarungen zwischen ARD und ZDF getroffen. ZDF-Intendant Karl Holzamer und der Ministerpräsident von Baden Württemberg Kurt Georg Kiesinger halten ihre Ansprachen und sagen die erste Ausgabe der Nachrichtensendung "heute" an.

   

2. April 

Die Fernsehzuschauer sehen zum ersten Mal im ZDF die "Mainzelmännchen", die zwischen den Werbespots gezeigt werden.

  

4. April 

ZDF-Ausstrahlungsbeginn der Sendereihe 'Das kleine Fernsehspiel' mit dem Stück Die Unzufriedenen von Prosper Mérimée in der Bearbeitung von Eckart Stein. Mit Eckart Stein entwickelt sich in den nächsten drei Jahrzehnten 'Das kleine Fernsehspiel' zur wichtigsten TV-Werkstatt in Film und Fernsehen.

Nach 38 Jahren verabschiedet sich E. Stein im Mai 2000 vom ZDF >>>

 

4. April 

Beginn der ersten Krimiserie im ZDF: Das Kriminalmuseum, die Gesamtleitung hatte der "Herr der 1000 Morde", Produzent Helmut Ringelmann. Die diversen Folgen hatten folgende Regisseure: Jürgen Goslar, Dietrich Haugk, Georg Tressler, Gerd Oelschlegel, Gedeon Kovacz, Dieter Lemmel, Otto Meyer, Erich Neureuther, Joachim Hess, Theodor Grädler, Rudolf Jugert. Die Serie lief bis 1970 und war pro Folge zwischen 60 und 75 Minuten lang.

   

5. April

Erste Sendung des ARD-Auslandsmagazins "Weltspiegel", die Gerd Ruge moderiert. Gleichzeitig startet die ARD mit der ersten Sendung des Magazins "Bericht aus Bonn", die jeden Freitag mit politischen aktuellen Themen aus der Bundeshauptstadt Bonn zur gleichen Sendezeit präsentiert wird. Die Sendung wurde 36 Jahre lang ausgestrahlt und hatte im Laufe der Zeit sieben verschiedene Moderatoren: 1963-1964 Ernst Weisenfeld, 1964-1965 Helmut Hammerschmidt, 1965-1969 Günter Müggenburg, 1970-1973 Gerd Ruge, 1973-1985 Friedrich Nowottny, 1985-1995 Ernst-Dieter Lueg, 1995-1999 Martin Schulze.

  

7. April 

Beginn der ZDF-Ratgeber-Reihe Pfarrer Sommerauer antwortet. Die Sendung lief bis 1978, wobei in loser Folge der evangelische Pfarrer Fragen Zuschauerbriefe beantwortete und Rat bei Problemen gab. Es ging dabei nicht nur um Glaubensfragen, sondern auch um Probleme in der Zweierbeziehung, Familie oder Kindererziehung. Sommerauer hatte zeitweise bis zu 6 Millionen Zuschauer und einen unübertroffenen Bekanntheitsgrad beim deutschen Publikum. (Information aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier)

  

Dreharbeiten zu "Nackt unter Wölfen" - Foto: Bundesarchiv/Eva Brüggemann

Bei Dreharbeiten zu "Nackt unter Wölfen": Regisseur Frank Beyer (li.), Bruno Apitz (re.) und Schauspieler Herbert Köfer (Mi.)

Hinweis zum Foto: Bundesarchiv, Bild 183-A0816-0001-001 / CC-BY-SA, Fotografin: Eva Brüggmann, 16. August 1962. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland lizenziert.

10. April 

Mit dem Defa-Film Nackt unter Wölfen von Frank Beyer wird erstmalig in einem deutschen Film das Leben in einem Konzentrationslager thematisiert. Die Uraufführung fand am 10. April 1963 im Colosseum-Theater Berlin statt. Das Drehbuch schrieb Bruno Apitz >>>Porträt über Bruno Apitz auf der Webseite des MDR. Die literarische Vorlage erfuhr bereits 1960 durch Georg Leopold eine Filmadaption für das DDR-Fernsehen.

Info: Der Film wurde neu verfilmt und wird am 1. April 2015 im Ersten und am 9. April im MDR gezeigt. Mitte April 2014 begannen die die Dreharbeiten unter der Regie von Philipp Kadelbach nach einem Drehbuch von Stefan Kolditz. Beide hatten in gleicher Funktion am Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter mitgewirkt. Schauspieler bei der Neuverfilmung sind Florian Stetter (Pippig), Peter Schneider (Andre Höfel), Sylvester Groth (Krämer), Rainer Bock (Alois Schwahl), Rafael Stachowiak (Marian Kropinski), Torsten Michaelis (August Rose) u.v.a.

  

Z 8. Mai

Beim bislang größten Geldraub in der britischen Geschichte, dem Überfall auf den Postzug Glasgow-London, erbeutet eine Gruppe von 15 Männern umgerechnet rund 30 Millionen DM.

Dieses Ereignis wurde überaus erfolgreich von John Olden (nach dessen Tod hat Claus Peter Witt die Regie übernommen) verfilmt mit dem Titel Die Gentlemen bitten zur Kasse und war zur Zeit der Fernsehausstrahlung ein "Straßenfeger" per exellence. Die Erstausstrahlung war am 8., 10. und 13. Februar 1966. In den Hauptrollen waren Horst Tappert (Michael Donegan), Siegfried Lowitz (Inspector Dennis MacLeod) Günter Neutze (Archibald Arrow), Grit Böttcher (Jennifer, Ehefrau Donegans) und Kai Fischer (Inge Masterson) zu sehen.

  

Z 15. Mai

Die Beatles veröffentlichen ihr erstes Album mit dem Titel "Please please me".

  

Z 21. Juni bis 2. Juli

Berlinale - Kein Preis für Deutschland bei der Berlinale 1963. Die beiden deutschen Beiträge gehen leer aus. Am sechsten Tag des Festivals stattet John F. Kennedy der Stadt einen Besuch ab und stiehlt den angereisten Filmstars die Show. Als bester Schauspieler wird Sidney Portier für seine Rolle als Homer Smith in Lilien auf dem Felde  mit einem Golden Globe und einem OSCAR ausgezeichnet.

 

23. Juni - Deutscher Filmpreis 

Kein Filmband in Gold für einen Spielfilm, aber zwei in Silber für Die endlose Nacht  (Will Tremper) und Das Feuerschiff. Für Dokumentarfilme gehen die Preise u.a. an die Jungfilmer Hans Rolf Strobel, Edgar Reitz, Peter Schamoni. Filmbänder in Gold für ihr 'langjähriges Schaffen' erhalten u. a. Fritz Lang, G. W. Pabst, Josef von Sternberg, Asta Nielsen, Tilla Durieux und Fritz Rasp

   

Beste Nachwuchsdarsteller sind Michael Hinz (Das Feuerschiff), Elfriede Kuzmany (Das schwarz-weiß-rote Himmelbett). Beste darstellerische Leistung: Harald Leipnitz (Die endlose Nacht). Beste Hauptdarstellerin: Elisabeth Bergner (Die endlose Nacht).

  

Wikipedia schreibt zum Film Das Feuerschiff: "Bereits drei Jahre nach der Erstveröffentlichung der Erzählung wurde sie 1963 vom Regisseur Ladislao Vajda unter gleichem Namen zum ersten Mal verfilmt. In den Hauptrollen spielten Dieter Borsche als Steuermann Rethorn, James Robertson Justice als Kapitän Freytag, Michael Hinz als dessen Sohn Fred sowie Helmut Wildt als Caspary. - Unter dem Titel The Lightship wurde ein auf der Erzählung basierender Film 1986 auch in die amerikanischen Kinos gebracht. Die Regie führte Jerzy Skolimowski, die bekanntesten mitwirkenden Schauspieler waren Tom Bower, Klaus Maria Brandauer, William Forsythe und Robert Duvall. - 2007 produzierte der NDR für das Fernsehen unter der Regie von Florian Gärtner eine zeitgenössische Adaption des Stoffes, die 2008 ausgestrahlt wurde. Darin spielt Jan Fedder die Rolle des Kapitäns Freytag, Axel Milberg die des Bandenführers Caspary. Siegfried Lenz selbst erscheint als Angler in einem Cameo-Auftritt. Die Handlung wurde auf dem inzwischen als Museumsschiff eingesetzten Feuerschiff Borkumriff IV in der Nordsee verfilmt."

   

Z 23./24. Juni 

Die Übertragung von der Ankunft Präsident Kennedys in Köln-Wahn und die Übertragungen der folgenden Tage seines BRD-Aufenthalts sind die bisher aufwändigsten der ARD. Insgesamt werden für 17 Stunden Live-Sendungen über 400 Ingenieure, Techniker und Kameramänner, 40 elektronische Kameras, 12 Ü-Wagen und ein Hubschrauber eingesetzt.

  

27. Juni 

Das ZDF beginnt mit der Reihe "Journalisten fragen - Politiker antworten".

 

23. August

Durch ein Unwetter entstehen auf dem Bavaria-Gelände schwere Schäden. Bavaria-Filmverleih fusioniert mit Columbia-Filmgesellschaft mbH. Der neue Verleih heißt künftig "Columbia-Bavaria-Film Gesellschaft mbH".

  

24. August 

Das ZDF nimmt die Reihe "Das aktuelle Sport-Studio" ins Programm. Die Moderatoren sind Wim Thoelke, Rainer Günzler und Harry Valerien.

 

Skandalregisseur Ingmar Bergman

23. September 

Wegen sexueller Darstellungen im Film gerät die Uraufführung des Ingmar Bergman-Films Das Schweigen zum Skandal. Da der Film aber in Deutschland trotzdem gezeigt werden durfte, knackte er die Zuschauerzahl von 10 Millionen.

Das Heyne-Filmlexikon erklärte: "Erschütternde und äußerst verstörende Studie über Einsamkeit und fehlende Liebe in einer gottlosen Welt." (wikipedia)

Foto links: ©Virginia Shue, Hamburg

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12. Oktober - Start der ARD-Reihe "Der Markt - Wirtschaftsberichte für jedermann".

    

Z 16. Oktober 

Ludwig Erhard wird zum neuen Bundeskanzler gewählt, nachdem Konrad Adenauer am 15.10. feierlich verabschiedet wurde.

  

Z 24. Oktober 

Die Live-Übertragung von der Bergung der Überlebenden des Grubenunglücks in der Eisenerzgrube von Lengede-Broistedt: die ganze Fernseh-Nation bangt um das Leben von mehr als 100 verschütteten Bergleuten.

(Anmerkung: Im Jahr 2003 wird über eben dieses Ereignis ein überaus erfolgreicher TV-Film mit dem Titel Das Wunder von Lengede gedreht, für den die Schauspieler Heino Ferch und Jan Josef Liefers einen Grimme-Preis erhalten haben.) >>> Informationen zum Film auf der Liefers-Fanseite

  

15. November 

In Ost-Berlin wird das 'Kino International' mit dem sowjetischen Film Optimistische Tragödie eröffnet. Es wird das Premierenkino der DDR.

  

Z 22. November

Attentat auf den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Wikipedia schreibt: "Am 22. November 1963 wurde John F. Kennedy auf einer Wahlkampfreise gegen 12:30 Uhr an der Dealey Plaza, einem Platz in Dallas, Texas, mit mehreren Gewehrschüssen während einer Fahrt im offenen Wagen durch die Innenstadt von Dallas ermordet. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Attentat wurde ein mutmaßlicher Verdächtiger namens Lee Harvey Oswald verhaftet und dann der Öffentlichkeit präsentiert. Zwei Tage später sollte Oswald in das Staatsgefängnis von Dallas überführt werden. Dabei wurde Oswald vom Nachtclubbesitzer Jack Ruby im Keller des Polizeigebäudes erschossen, noch bevor es zu einer Anklage oder einem Gerichtsprozess kommen konnte."

Radio- und Fernsehstationen weltweit unterbrechen ihre laufenden Programme, um über die Nachricht vom Attentat auf John F. Kennedy zu berichten.   

  

 

S o n s t i g e s / O h n e   D a t u m

   

 

  

M U S I K A L I S C H E S  1963

  • Aus Großbritannien kommt eine neue Musikwelle, die sich Beat nennt. Zweifelsohne war Cliff Richard, der mit seiner Band "The Shadows" und seinem neuen Album einige Wochen auf den ersten Plätzen weilte, Vorreiter dieser neuen Musikrichtung. Sein deutsch eingesungener Text zu "Lucky Lips" mauserte sich in Deutschland zu einem Superhit mit dem Titel "Rote Lippen soll man küssen". Ich glaube, es gab damals kein Kind, das diesen Song mit mitträllern konnte.

  • Eine unbekannte Band aus Liverpool, die sich "The Beatles" nannte, veröffentlichte ihr erstes Album mit dem Titel "Please please me". Eine weitere Band, die niemand kannte, nannte sich "The Rolling Stones", die ebenfalls in diesem Jahr eine Single aufnahm, den Chuck Berry-Titel "Come on". 

    

A k t u e l l e   H i t s  1963

    

Junge, komm bald wieder - Freddy Quinn

Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut - Billy Mo

Wini Wini - Tahiti-Tamourés

Schuld war nur der Bossa Nova - Manuela

Ich will 'nen Cowboy als Mann - Gitte

Geh'n sie aus vom Stadtpark die Laternen - Gitte und Rex Gildo

Rote Lippen soll man küssen - Cliff Richard

Buona Notte - Rocco Granata

Kiss me quick - Elvis Presley

Wenn erst der Abend kommt - Peter Alexander

Für Gabi tu ich alles - Gerd Böttcher

Devil in Disguise - Elvis Presley (auch Rex Gildo mit Du bist kälter noch als Eis)

Sukiyaki - Blue Diamonds

Wenn ich ein Junge wär' - Rita Pavone (meine allererste Single!)

She loves you - The Beatles

Summer Holiday - Cliff Richard & The Shadows   

  

  

  

B A M B I - S i e g e r  1963

   

Der Schatz im Silbersee (geschäftlich erfolgreichster Film).

Die endlose Nacht (künstlerisch wertvollster Film).

Liselotte Pulver und Heinz Rühmann (beliebteste Stars).  

Was weiter bei der Verleihung passierte, liest man auf der offiziellen Webseite www.bambi.de.

 

   

B R A V O - O T T O - Leserwahl 1963

Sophia Loren - Foto: Allan Warren

Sophia Loren, Gewinnerin des Goldenen Otto 1963 in der Kategorie "weibliche Filmstars". Hier ein Foto aus dem Jahr 1986.

Kategorie Sänger: Gold Freddy Quinn, Silber Gus Backus, Bronze Rex Gildo

Kategorie Sängerinnen: Gold Connie Francis, Silber Caterina Valente, Bronze Conny Froboess

Kategorie männliche Filmstars: Gold Rock Hudson, Silber O.W. Fischer, Bronze Anthony Perkins

Kategorie weibliche Filmstars: Gold Sophia Loren, Silber Ruth Leuwerik, Bronze Liselotte Pulver

TV-Stars weiblich: Gold Inge Meysel, Silber Margot Trooger, Bronze Cordula Trantow

TV-Stars männlich: Gold Edward Byrnes, Silber Robert Fuller, Bronze Lou van Burg

Hinweis zum Foto rechts:

Quelle: commons.wikimedia.org bzw. Wikipedia
Urheber: Allan Warren*) (www.allanwarren.com)
Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz

Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.

  

  

 

 

L I T E R A T U R

Hundejahre von Günter Grass

Der geteilte Himmel von Christa Wolf

  

  

  

E i n i g e   K i n o-  u n d  F e r n s e h f i l m e   d e s   J a h r e s  1963

 

Machorka Muff

(Kurzfilm, Regie: Jean Marie Straub)

Eine Satire (oder das Dokument einer Satire) als Kommentar zur Remilitarisierung der Bundesrepublik. Ein Nazi-Oberst (Erich von Machorka-Muff) wird reaktiviert, kommt nach Bonn, wird zum General befördert und hält eine Rede bei der Grundsteinlegung zur >Akademie für militärische Erinnerungen<. Straubs erster Film enthält in Bildern, in der Montage und Darstellung schon alle Elemente seiner künftigen, materialisierten Ästhetik. Nach der Erzählung «Hauptstädtisches Journal» von Heinrich Böll (1958).

    

Thomas Fritsch - Foto: VIRGINIA

Mädchenschwarm in den 60er-Jahren: Thomas Fritsch

©Virginia Shue, Hamburg, starfotos@virginia-hamburg.de

Das schwarz-weiß-rote Himmelbett

(Regie: Rolf Thiele)

Darsteller: Daliah Lavi, Martin Held, Thomas Fritsch u.a.

  

Nackt unter Wölfen

Regie: Frank Beyer

Ein Kind gerät kurz vor Kriegsende im KZ Buchenwald zwischen Henker und Opfer; es wird zu einem Symbol für die Solidarität der Lagerinsassen. Der erste deutsche Film über das Innenleben eines Konzentrationslagers hat - trotz seines emotionalen Kerns - eine nüchterne Authentizität. Darsteller: Erwin Geschonneck, Armin Mueller-Stahl, Fred Delmare u.a.

  

  

Winnetou I

Regie: Harald Reinl

  

Peter Vogel (li.) und Volker Lechtenbrink 1963 in "Der schlechte Soldat Smith" von Fritz Umgelter

Foto: www.swrmediaservices.de

Der schlechte Soldat Smith

Regie: Fritz Umgelter

Im Mittelpunkt der Handlung, deren Schauplatz das Stabsquartier eines britischen Panzerregimes kurz vor Beginn der Invasion ist, steht der Nachrichtenoffizier Hauptmann Smith (Hanns Lothar). 1944 soll Le Havre von den alliierten Truppen gestürmt und zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen werden. Ein deutscher General ersucht um die Evakuierung der französischen Zivilbevölkerung. Das Ersuchen wird abgelehnt. Durch diesen äußeren Anlass kommt Smith zu der Überzeugung, dass der Krieg in dieser Endphase totaler Vernichtung sinnlos geworden ist. Er weigert sich, an der Erstürmung von Le Havre teilzunehmen und verzichtet auf sein Offizierspatent. Smith, der die Haltung der deutschen Offiziere des 20. Juli respektiert, will verhindern, dass man ihnen in den Rücken fällt. Er riskiert dabei sein Leben. (Quelle: SWR)
Darsteller: Werner Hessenland, Hanns Lothar, Gerhard Just, Richard Münch, Günther Neutze, Peter Vogel und Volker Lechtenbrink

  

Karbid und Sauerampfer

Regie: Frank Beyer

   

Die endlose Nacht

Regie: Will Tremper

         

Heimweh nach St. Pauli

Regie: Werner Klingler

Hein Steinemann (Freddy Quinn), früher Matrose mit zehn Dollar Wochenheuer, hat unter dem Pseudonym Jimmy Jones sein Glück in Amerika gemacht. Als bekannter Schlagersänger ist er von unzähligen Fans umjubelt. Als er in Las Vegas seinen alten Freund Bob zufällig wiedertrifft, bekommt Jimmy Heimweh nach St. Pauli, er beschließt seine Verpflichtung sausen zu lassen und macht sich auf den Weg in die Heimat. (Quelle: Amazon)

    

  

Einige D E F A-Filme des Jahres 1963

 

An französischen Kaminen  

Regie: Kurt Maetzig

  

Beschreibung eines Sommers  

Regie: Ralf Kirsten

  

Sonntagsfahrer  

Regie: Gerhard Klein

  

Geheimarchiv an der Elbe  

Regie: Kurt Jung-Ahlsen

Vor Ende des Zweiten Weltkriegs verhandelt SS-Gruppenführer Upitz mit dem amerikanischen Geheimdienst, dem er als Versicherung das Geheimarchiv der SS mit einer kompletten Kartei des Gestapo-Agentennetzes in Europa übergeben will. Auch der sowjetische Abwehrdienst ist über das in einem Felsverlies an der Elbe liegende Archiv informiert. Der sowjetische Major Kerimow und der deutsche Herbert Lange springen über Deutschland ab. Lange wird verhaftet, Kerimow gelangt zu Widerstandskämpfern, die das Archiv ausfindig machen. Kerimow transportiert die Akten in die Sowjetunion. Spannende Mischung aus Literaturverfilmung, Kriegs- und Abenteuerfilm vor zeitgeschichtlichem Hintergrund. Eine der für die DDR typischen DEFA-Produktionen mit antifaschistischer Tendenz. Nach dem Spionageroman von Alexander Namibow.

Es war die letzte Kinoarbeit von Regisseur und Drehbuchautor Kurt Jung-Alsen (1915-1976), der eine Nebenrolle übernahm. Er inszenierte erfolgreiche Mehrteiler (Schatten über Notre Dame, 1966) und Fernsehfilme. Als Upitz ist der populäre Schauspieler Günther Simon (1925-1972) zu sehen. Er verkörperte Ernst Thälmann 1954/55 (Zweiteiler) und 1964. (Quelle: Amazon)

    

  

Weitere Filme der DEFA von 1963

  

  

  

Auswahl weiterer Fernsehspiele, die 1963 in Westdeutschland produziert wurden: 

  

Königinnen von Frankreich

Regie: Detlof Krüger

  

Dr. Joanna Marlow

Regie: Wilm ten Haaf

  

Freundschaftsspiel

Regie: Fritz Umgelter

  

Charley's Tante

Regie: Wolfgang Liebeneiner

  

Wassa Schelesnova

Regie: Egon Monk

  

Don Carlos - Infant von Spanien

Regie: Franz Peter Wirth

(Quelle: http://krimiserien.heimat.eu

   

  

G e b u r t s t a g e  1963

  

15.01. Katrin Weber, Sängerin und Kabarettistin

24.01. Bernhard Schir, österreichischer Schauspieler

19.02. Steffi Kühnert, dt. Schauspielerin

23.02. Andrea Sawatzki, dt. Schauspielerin

05.03. Thomas Hermanns, dt. Moderator und Comedian

03.06. Anica Dobra, serbische Schauspielerin

04.07. Ute Lemper, Tänzerin und Schauspielerin

16.07. Nina Petri, dt. Schauspielerin

16.08. Andreas Dresen, dt. Regisseur und Drehbuchautor

18.08. Heino Ferch, dt. Schauspieler

29.08. Karl Markovics, österreichischer Schauspieler

21.09. Oliver Mink, dt. Schauspieler und Synchronsprecher

13.10. Anne Bennent, schweizerische Schauspielerin

01.11. Katja Riemann, dt. Schauspielerin

14.11. Anno Saul, Regisseur und Schauspieler

26.11. Felix von Muralt, schweizer. Regisseur und Kameramann

16.12. Bärbel Schäfer, dt. Fernsehmoderatorin und Produzentin

19.12. Til Schweiger, dt. Schauspieler, Regisseur und Produzent

   

  

G e s t o r b e n  1963

   

12. Mai 1963 - Ernst Marischka

Regisseur und Drehbuchautor, geboren am 2. Januar 1893

Ernst Marischka war auf Komödien und lt. Wikipedia "operettenselige Stoffe" spezialisiert. Sein bekanntester Film ist die Sissi-Trilogie aus den Jahren 1955 - 1958 mit Romy Schneider. 1958 gelang ihm ein beachtenswerter Erfolg mit der Verfilmung von Franz Werfels Der veruntreute Himmel. Ernst Marischka gehörte einer Wiener Künstlerdynastie an, als deren Gründervater sein Bruder Hubert gesehen wird, da auch dessen Söhne Franz und Georg im Filmgeschäft tätig waren, ebenfalls als Regisseure und Drehbuchautoren, Georg Marischka auch als Schauspieler. 

Filme von Ernst Marischka sind in der IMDb und bei Filmportal gelistet.

     

  

Besuch zum 5. Jahrestag des Bestehens der Akademie der Künste in der DDR am 24. März 1955. Auf dem Foto sind zu sehen: ganz links: Rudolf Wagner-Redeny (Komponist), 2. von links: Fritz Wisten (Intendant der Volksbühne Berlin), 2. von rechts: Slatan Dudow (Regisseur bei der DEFA), ganz rechts: Johannes R. Becher, Kulturminister der DDR

Foto: Hans-Günter Quaschinsky, Bundesarchiv Bild Nr. 183-29589-0003

Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“ lizenziert. 

  

12. Juli 1963  - Slatan Dudow, geb. 30. Januar 1903

Regisseur. Lernte bei Fritz Lang, Georg-Wilhelm Pabst und Sergei Michailowitsch Eisenstein, Debütfilm Kuhle Wampe. Der Film erzählt die Geschichte der Arbeiterfamilie Bönicke, die während der Weltwirtschaftskrise aus ihrer Wohnung vertrieben wird und in die Gartenkolonie »Kuhle Wampe« im Osten Berlins zieht.

Slatan Dudow wurde als Sohn eines Eisenbahners in Bulgarien geboren. Im Jahre 1922 kam er als Werkstudent nach Berlin und 1932 drehte er den ersten proletarisch-revolutionären Film Deutschlands, das Arbeiterdrama Kuhle Wampe. Während des Krieges war er in Emigration in Frankreich und der Schweiz, kam 1946 nach Berlin zurück und arbeitete als Regisseur bei der DEFA. Er  hinterließ 8 Filme, als er im Juli 1963 bei einem tragischen Autounfall im Alter von 60 Jahren ums Leben kam. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören Unser täglich Brot, Der Hauptmann von Köln, Verwirrung der Liebe und Frauenschicksale. Seinen neunten und letzten Film Christine konnte er, der einen besonderen Hang zur Frauenproblematik hatte, nicht mehr vollenden. 

Zum Film Christine schreibt das Deutsche Historische Museum (Zeughaus-Kino): "Mit der Titelheldin Christine entwarf Dudow eine eher labile Persönlichkeit, die sich allzu leicht wechselnden Männerbekanntschaften hingibt und vier Kinder von vier verschiedenen Vätern austrägt. Nach einem Rummelplatz-Mitarbeiter, einem Wirtschaftsfunktionär, einem katholischen Familienvater und einem Heiratsschwindler lernt sie während einer Weiterbildung endlich den Mann kennen, der es ernst mit ihr zu meinen scheint."

Darsteller in Christine waren u.a. Annette Woska, Günther Haack, Horst Schulze, Armin Mueller-Stahl, Friedo Solter und Günter Schubert.

Weiterhin ist bei Wikipedia zu lesen: "Die Hauptdarstellerin Annette Woska wurde bei diesem Unfall (Autounfall mit Slatan Dudow) schwer verletzt, lag viele Wochen im Koma und konnte deshalb für lange Zeit nicht filmen. Sie heiratete den Regisseur Dieter Roth und spielte später als Annette Roth noch in mehreren DEFA-Filmen."

Filme von Slatan Dudow sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

 

   

  

Annie Rosar

als Oberschwester Gräfin Cäcilie Blutowitz  mit Titelheld Gunther Philipp (Mitte) und Walter Gross als Max Sperling in der 1958 gedrehten Klamotte
"Mikosch, der Stolz der Kompanie" (1958) 
Foto: Pidax film

5. August 1963 - Annie Rosar

Österreichische Schauspielerin, geboren am 17. Mai 1888

Annie Rosar war die Tochter eines Straßenbahnschaffners. Sie besuchte in Wien die Akademie für darstellende Kunst und anschließend die Akademie für dramatische Kunst in Mailand. Ihr Theaterdebüt hatte Annie Rosar 1910. Im Jahre 1911 kam sie nach München und spielte dort am Künstlertheater und Schauspielhaus. Im Alter von 29 Jahren hatte sie ein Engagement beim Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Weitere Theaterstationen waren das Wiener Burgtheater, Theater in der Josefstadt. Unter Max Reinhardt spielte sie dann Rollen als sogenannte Volksschauspielerin. Ihren ersten Film drehte sie 1919, er hatte den Titel Mord an der Bajadere. Weitere Filme waren dann 1928 Glück bei den Frauen, 1931 Ausflug ins Leben. Es stellte sich ihr "komisches Talent" heraus und so übernahm sie in den späten 1930er- bis 1942 und nach dem Krieg am Wiener Volkstheater überwiegend komische Rollen. Man sah sie in größeren, meist aber in Nebenrollen in Filmen wie Ungeküsst soll man nicht schlafen gehen (mit Theo Lingen, Heinz Rühmann und Hans Moser). Weiterhin spielte sie in Der Herr Kanzleirat, Wir werden das Kind schon schaukeln. In Der veruntreute Himmel (Darstellerpreis beim Filmfestival Cork) hatte sich eine ernstere Rolle zu spielen und auch in Kleiner Peter, große Sorgen. Einer ihrer letzten Filme war der 1963 vom WDR gedrehte Fernsehfilm Besuch am Nachmittag, Regie: Hans Günther Heyme.

Annie Rosar liegt begraben auf dem Wiener Zentralfriedhof und hat dort ein Grab ehrenhalber. 1961 erhielt Annie Rosar einen Bamby für ihre Verdienste um den deutschen Film. 

Filme mit Annie Rosar sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

  

   

11. September 1963 in Düsseldorf - Richard Oswald

Regisseur und Drehbuchautor, geboren am 5. November 1888

1911-1929 ca. 100 Stummfilme, u.a. Der Hund von Baskerville, Hoffmanns Erzählungen, Das Bildnis des Dorian Gray; ab 1930 Tonfilme, u.a. Die Blume von Hawaii, Gräfin Mariza. Richard Oswald war mit der Schauspielerin Käte Waldeck verheiratet.

Filme von Richard Oswald sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

  

   

Regisseur, Darsteller und Produzent Harry Piel - Foto: Filmmuseum Düsseldorf (Vielen Dank an Herrn Thein!)

Harry Piel

©Filmmuseum Düsseldorf

  

27. März 1963 - Harry Piel (Weitere Bilder)

Produzent, Regisseur, Darsteller, geboren am 12. Juli 1892

Harry Piel wurde in Düsseldorf-Benrath geboren. Nach der Mittleren Reife  diente er sieben Monate auf einem Segelschulschiff als Kadett, wurde aber wegen eines Herzfehlers entlassen. Nach einer kaufmännischen Lehre und Arbeit in einer Maschinenfabrik, - nebenbei erlernte er mehrere Fremdsprachen - wollte er 1911 in Paris Kunstflieger werden. Nach Kontakten zur Filmfirma Gaumont schrieb er ein Drehbuch und gründete 1912 mit Hilfe seines Patenonkels die Kunst-Film-Verlags-Gesellschaft, die aber nach drei Filmen pleite war. Aber als Stummfilmregisseur anderer Filmgesellschaften hatte er Erfolg und wurde berühmt-berüchtigt für seine ungewöhnlichen Sensationen. Er schuf mehr als hundert Filme, wenn man die Tonfilme einbezieht. Sein Vorbild war der amerikanische Filmschauspieler Douglas Fairbanks. Als Sensationsdarsteller, der niemals ein Double benötigte, wurde er bald populär. 1927 entstand sein 75. Film, er hieß Was ist los im Zirkus Beely? Als sein eigener Regisseur baute er in seine Abenteuerfilme Tiernummern ein. Da er sehr gut mit Tieren umzugehen verstand, übernahm er selbst die Dressuren. In siebzehn Tonfilmen war er Schauspieler und Regisseur in einem, u.a. im ersten, Er oder ich (1930), in Das Schiff ohne Hafen (1932) und Sein bester Freund (1937). 1927 hatte er Schauspielerin Dary Holm (1897-1960) geheiratet, die auch in einigen seiner Filme die weibliche Hauptrolle spielte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte er nicht mehr Fuß fassen, nur zwei Filme drehte er noch - er war nicht mehr gefragt. Harry Piel starb verbittert am 27. März 1963 in München. (Quelle: Textpassagen aus www.kinosessel.de - Seite existiert nicht mehr)

Filme von und mit Harry Piel sind bei IMDb und bei Filmportal gelistet.

   

  

  

24. August 1963 - Carl Voscherau, Schauspieler, geboren am 24. Dezember 1900  

Bruder des Volksschauspielers Walter Scherau, der jahrelang dem Ohnsorg-Theater die Treue hielt, als Schauspieler, Kassierer und Verwaltungsdirektor.

  

  

Filmszene mit Gisela Uhlen und Gustaf Gründgens - Foto: Murnau-Stiftung

Gisela Uhlen und Gustaf Gründgens 

in "Tanz auf dem Vulkan" aus dem Jahre 1938

Regie: Hans Steinhoff

©Murnau-Stiftung

  

  

7. Oktober 1963 - Gustaf Gründgens (Weitere Bilder)

Regisseur, Schauspieler, Intendant, geboren am 22. Dezember 1899

  

Bedeutender deutscher Film- und Theaterschauspieler, Regisseur, Theaterleiter, zwischen 1923 und 1928 bei den Hamburger Kammerspielen tätig, arbeitete während dieser Zeit u.a. mit der Tochter von Frank Wedekind, Pamela, sowie mit Klaus und Erika Mann zusammen (war mit Erika Mann von 1925-28 verheiratet).

Gründgens gab noch während des Ersten Weltkrieges 1918 sein Debüt als Schauspieler in einem Soldatentheater. Nach seiner Entlassung aus der Armee nahm er Unterricht, u.a. bei Louise Dumont, und erhielt anschließend Engagements in der Provinz. Nach Stationen in seiner Heimatstadt Düsseldorf sowie in Halberstadt und Kiel kam er 1922 erstmals nach Berlin.

  

Gustaf Gründgens - Foto: Deutsches Bundesarchiv

Gustaf Gründgens in der Titelrolle des "Hamlet", Staatl. Schauspielhaus Berlin am 21. Januar 1936,

Regie: Lothar Müthel

Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz lizensiert. Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland

©Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive)

Bild 183-S01144 - CC-BY-SA

  

  

In den 30er-Jahren hatte sich Gründgens auch intensiv der Filmarbeit verschrieben. Er spielte aalglatte Edelganoven mit Manieren und und gefühlskalte Herren aus der Hautevolee. Die Figur, mit der Gründgens Anfang 1931 schlagartig berühmt wurde, gab ihm Fritz Lang. Mit dem Schränker, dem Boss der Berliner Unterwelt in dem Kriminalklassiker M - Eine Stadt sucht einen Mörder gab Gründgens ein starkes Porträt eines gefühllosen, berechnenden Managers des Verbrechens, der über einen verängstigten, mädchenmordenden Triebtäter zu Gericht sitzen lässt. Seine berühmteste Filmrolle nach 1933 wurde die des Schauspielers Debureau, der in Hans Steinhoffs Tanz auf dem Vulkan, einer  Mischung aus Spielfilm, Historienfilm und Revuefilm, das ancien régime*) Charles X. aus Frankreich lächerlich macht, Spottverse auf den französischen König dichtet und Freiheit für das Volk fordert. Das von ihm schwungvoll zackig gesungene Lied Die Nacht ist nicht allein zu schlafen da wurde Ende der 30er-Jahre ein regelrechter Gassenhauer. Von 1928 - 1932 gehörte er dem Ensemble des Deutschen Theaters Berlin an, dessen Intendant er 1934 wurde. Die Nationalsozialisten protegierten Gründgens, allen voran Reichsmarschall Göring. 1934 wurde Gründgens dann zum Intendanten des Staatlichen Schauspielhauses und ab 1937 bis Kriegsende Generalintendant aller preußischen Staatstheater. Obwohl er zur Prominenz des 3. Reiches gute Kontakte pflegte, konnte sich Gründgens von propagandistischen Filmstoffen weitgehend fernhalten. Leider gehörte zu den Ausnahmen der Film Ohm Krüger, in dem Gründgens den über Leichen gehenden englischen Politiker Lord Chamberlain verkörperte. Wegen seiner Karriere während des 3. Reiches galt Gründgens als sehr umstritten (Klaus Mann hat Gründgens' Verhalten in dieser Zeit 1936 in seinem Roman Mephisto, der mit Klaus Maria Brandauer verfilmt wurde, verarbeitet).

  

Darüber hinaus erhielt der Schauspieler-Regisseur zahlreiche weitere Ehrungen wie die Ernennung zum Staatsschauspieler und zum preußischen Staatsrat. Einerseits erwarb sich Gründgens den Ruf des klassischen opportunistischen Aufsteigers, nutzte aber andererseits sein Amt dazu, bedrängten Kollegen zu helfen. 

Seine Paraderolle wurde der Mephisto im "Faust", den er seit 1932 immer wieder gespielt hatte, weitere Glanzrollen hatte er mit "Hamlet" 1936 und 1949, dem Riccaut in "Minna von Barnhelm", dem Prinzen in "Emilia Galotti" (1937), dem St. Just in "Dantons Tod" (1939), dem "Fiesko" (1940) und bis 1947 mit vielen anderen Theaterfiguren. 

Gründgens' Karriere nahm wegen seiner Nähe zum NS-Regime, bei Kriegsende nur kurzzeitig Schaden. Nach mehrmonatiger Internierung durch sowjetische Stellen ging Gründgens zunächst ans Deutsche Theater und nahm 1947 das Angebot an, die Generalintendanz der Düsseldorfer Bühne zu übernehmen. Seine Theaterkarriere beendete er 1963 in Hamburg, wo er seit 1955 nicht nur die Generalintendanz des Deutschen Schauspielhauses innehatte, sondern auch gefeierte Inszenierungen (u.a. wieder "Faust") aufführte.

Gründgens verabschiedete sich 1941 für fast 20 Jahre aus dem Filmgeschäft und nahm erst 1960 wieder eine Filmrolle an. Er spielte in Käutners Film Das Glas Wasser die Rolle des Lord Bolingbroke. Ebenfalls 1960 war er noch einmal als Mephisto zu sehen in dem für das Kino aufbereiteten Film mit Will Quadflieg als Dr. Faust, Elisabeth Flickenschildt, Eduard Marks, Uwe Friedrichsen, Heinz Reincke, Friedrich G. Beckhaus, Hans Irle u.a. 

Kurz nach dem Rückzug von seinen Hamburger Ämtern begab sich Gründgens auf Weltreise; er starb unter nie ganz geklärten Umständen in Manila auf den Philippinen.

(Quelle: "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf,  Bd. 3, S. 420-422 - mit Erlaubnis des Autors)

*) Als Ancien Régime bezeichnet man allgemein die Zeit in ganz Europa vor der Französischen Revolution von 1789 bzw. vor den Napoleonischen Kriegen; im speziellen und ursprünglich aber die Regierungsform der herrschenden Bourbonen in Frankreich. Oftmals wird der Begriff mit „Absolutismus“ gleichgesetzt.

  

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Foto: Édith Piaf 1951 in "La P'tite Lili" (Théatre ABC, Paris)
Ausschnitt des Fotos:

 "1951 La P'tite Lili - Théatre ABC.jpg"
Urheber: J.B. Arrieu Albertini
Der Urheberrechtsinhaber hat dieses Werkes als gemeinfrei veröffentlicht.
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons

10. Oktober 1963 - Édith Piaf, *19.12.1915

Weltbekannte französische Chansonsängerin (vollständiger Name: Édith Giovanna Gassion), die sich vom "Gossenkind" auf die großen Bühnen in ganz Europa gesungen hatte. Zeitweise wuchs das Kind Édith bei ihrer Großmutter auf, die sie weder pflegte noch ihr genug zu essen gab. Damit sie überhaupt überleben konnte, brachte ihr Vater, der ein alkoholkranker Akrobat war und einem Wanderzirkus angehörte, sie zu seiner Mutter, die ein Bordell betrieb, also keine Umgebung für ein kleines Mädchen. Um Geld mit ihr zu verdienen, nahm ihr Vater sie im Alter von zehn Jahren mit und schleppte sie mit seinem Zirkus durchs Land, um sie als Straßensängerin zu "schulen". Im Alter von 15 Jahren versuchte sie ihr Glück allein als Straßensängerin. Ein Kabarettbesitzer hörte und entdeckte sie, holte sie auf die Bühne, wo sie, um überhaupt irgendwo hinzugehören, einige Zeit blieb. Im Alter von 18 Jahren brachte sie ein Kind zur Welt, das aber im Alter von 2 Jahren an einer Hirnhautentzündung starb. 1935 nahm sie ihre erste Platte auf. In den folgenden Jahren gelang ihr nach einigen privaten Misserfolgen endlich der Durchbruch. Als im Jahr 1944 die Zusammenarbeit mit dem "Moulin Rouge" in Paris startete, lernte sie den jungen Schauspieler und Produzenten Yves Montand kennen und lieben. Vermutlich durch ihre schlechte Kindheit und dem Fehlen jeglicher Zuwendung (auch medizinischer Art) hatte Édith Piaf große gesundheitliche Probleme, u.a. auch eine starke rheumatoide Arthritis. Nach etlichen Affären und angeblich auch unerwiderter Liebe brach sie im Jahr 1956 während eines Konzertes in Stockholm auf der Bühne zusammen. Später wurde eine Krebserkrankung diagnostiziert, die sie aber nicht daran hinderte, weiter aufzutreten. Ab jetzt reiste immer eine Krankenschwester mit, die ihr bei allzu großen Schmerzen Morphium spritzen konnte. Während dieser Zeit lernte sie den Chansonsänger Georges Moustaki kennen, mit dem sie eine Affäre hatte. Er  schrieb ihr den Text zu einem ihrer größten Erfolge: "Milord". Im Oktober 1962 heiratete sie den um viele Jahre jüngeren Sänger Théo Sarapo. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch. Saparo war auf Tournee, als er vom Tod seiner Frau erfuhr. 

Édith Piaf förderte auch die damals jungen Talente in Frankreich, z.B. Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Eddie Constantine, Yves Montand, Georges Moustaki, Jacques Pills und Francis Lai. Édith Piaf liegt begraben in Paris auf dem Friedhof Le Cimetière du Père-Lachaise.

Über den "Spatz von Paris" gibt es zwei Dokumentationen: "Édith Piaf - Ohne Liebe ist man nichts" von Marianne Lamour, 2003; "Die letzten Tage einer Legende - Édith Piaf".

Das Leben der Sängerin wurde des öfteren verfilmt; mir gefiel die Version aus dem Jahre 2007, das von Olivier Dahan gedrehte Drama La vie en rose, sehr gut. Titelheldin Marion Cotillard findet hier meine uneingeschränkte Bewunderung für ihre Rolle als Piaf, die sie als 18jährige junge Frau genau so ergreifend spielte als auch als gealterte kranke Sängerin. Verdienter OSCAR und weiterer Preis für Marion Cotillard.

  

  

April 1963 - Hilde Wörner, *17. November 1895

Deutsche Theater- und Filmschauspielerin, die mit dem Stummfilm ihre große Zeit hatte. Sie drehte nur zwei Tonfilme: Gustav Ucickys Das Flötenkonzert von Sans-sousi und Einbrecher, Regie: Hanns Schwarz.

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  Weiter mit 1964

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 23. Mai 2015

  

Ich bitte um Verständnis, dass ich zu den jeweiligen Jahren nur eine Auswahl von Nachrichten treffen konnte.

 Alle Informationen der Film- u. Fernsehchronik sind nach bestem Wissen gesammelt und aufgeschrieben worden,

sollten sich aber doch Fehler eingeschlichen haben, bitte ich um eine E-Mail. Vielen Dank.

   

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Ich bedanke mich bei Herrn Dr. Kay Weniger, der mir erlaubt hat, Textstellen aus seinem "Personenlexikon des Films" für diese Chronik zu übernehmen.

Weiterhin enthält diese Chronik Informationen aus der Website HDG/LEMO (Haus der Geschichte/Lebendiges Museum Online) und aus der freien Enzyklopädie Wikipedia.