Kamikaze 1989 

1981/82

 

Filmliste Wolf Gremm

 

  

  

Regie

Wolf Gremm

Regieassistenz

Karin Viesel, Christine Kabisch, Sybille Ludwig

Drehbuch

Robert Katz¹), Wolf Gremm

Vorlage

nach dem Roman "Mord im 31. Stock" von Per Wahlö²)

Produktion

Regina Ziegler Filmproduktion / Trio Film GmbH/ Oase Film GmbH mit dem ZDF

Produktionsleitung

Rüdiger Lange

Redaktion

Willi Segler

Kamera

Xaver Schwarzenberger

Kameraassistenz

Josef Vavra

Schnitt

Thorsten Näter

Musik

Edgar Froese (Tangerine Dream)

FSK

ab 12 Jahre

Länge

106 Minuten

Filmbeschreibung + Bilder

follow-me-now.de

Auszeichnung

-

Ur-/Erstaufführung

Kinostart: 16. Juli 1982 in Deutschland

Genre

Science-fiction-Krimi

      

    

  

Darsteller

Rolle

Rainer Werner Fassbinder

Polizeileutnant "Kamikaze" Jansen

Günther Kaufmann

Anton

Boy Gobert

Konzernchef

Arnold Marquis

Polizeipräsident

Richy Müller

Neffe

Nicole Heesters

Barbara

Brigitte Mira

Personaldirektorin

Jörg Holm

Vizepräsident

Franco Nero

Weiss

Andreas Mannkopff

Wechselschichtregisseur

Ute Fitz-Koska

Polizeirätin

Frank Ripploh

Gangster

Hans-Eckardt Eckhardt

Polizist

Christoph Baumann

Polizist

Juliane Lorenz

Krankenschwester

Christel Harthaus

Polizistin

Hans Wyprächtiger Zerling
Petra Jokisch Elena

      

        

       

Rainer Werner Fassbinder als Kommissar Jansen - Foto: Roger Fritz

Rainer Werner Fassbinder als Polizeileutnant "Kamikaze" Jansen

©Roger Fritz

Inhalt  

 

Der Fahrstuhl des Konzerns endet im 30. Stock. Durch Zufall entdeckt Polizeileutnant Jansen (Rainer Werner Fassbinder), dass es noch einen 31. gibt. Wer sitzt in dieser obersten Etage, auf die kein Schild hinweist?

  
In einem Stockwerk tickt eine Bombe. Jansen hat nur vier Tage Zeit und er geht aufs Ganze. Dem Konzernchef (Boy Gobert) wird die hartnäckige Schnüffelei lästig und er präsentiert ihm einen Täter. Jansen durchschaut das Spiel und setzt seine Arbeit fort. Von da an wird er von Jäger zum Gejagten, denn der Konzern ist mächtiger als das Gesetz.

(Quelle: Ziegler-Film)

 

  

Wolf Gremm setzt hier einen Science-fiction-Angsttraum von einer perfekten, konzernbeherrschten, in Wohlstand und Frohsinn erstickten Zukunftswelt in triste Bilder, mit einem von Fassbinder gespielten schäbigen Polizeileutnant als "hässlichen Deutschen". (Quelle: "TV-Filmlexikon - Regisseure, Autoren, Dramaturgen 1952-1992" von Egon Netenjakob, Fischer Cinema TB, Nr. 11947)

  

 

  

    

 

Szenefoto aus "Kamikaze 1989" (Quelle: Einhorn-Film)

Die Handlung dieses Social-fiction-Krimis spielt in der Zukunft, in einer fiktiven Bundesrepublik, die in vieler Hinsicht einem Orwell-Staat ähnelt. Es ist ein Land, in den eine kapitalistische Wirtschaftsordnung mit einer totalen sozialen Absicherung, aber auch Gleichschaltung der Bevölkerung verbunden ist. In dieser formierten Gesellschaft herrschen an der Oberfläche Harmonie und sozialer Friede. Den Medien ist die Aufgabe zugewachsen, durch eine positive und konfliktmeidende Berichterstattung diese Entwicklung zu fördern und zu stabilisieren. Die Kriminaldelikte sind zurückgegangen, nur die Zahl der Selbstmorde und Drogensüchtigen ist gestiegen, aber darüber berichten die monopolisierte Presse und das private Fernsehen des allumfassenden Medienkonzerns längst nicht mehr. Fröhliche Unterhaltungssendungen wie Dauerlachwettbewerbe beherrschen den Bildschirm. Daneben wirkt eine mächtige Polizei als systemstabilisierender Ordnungsfaktor.

  

Wie ein Blitz erhellt ein Ereignis die gespenstische Szenerie dieses gesellschaftlichen Scheinfriedens: Im Hochhaus des Medienkonzerns ist eine  schriftliche Bombendrohung eingegangen. Um 14 Uhr soll eine deponierte Bombe hochgehen. Polizeileutnant Jansen ordnet die sofortige Räumung aller dreißig Stockwerke an. Die angekündigte Bombenexplosion bleibt jedoch aus. Der durch den Arbeitsausfall entstandene materielle Schaden ist erheblich.

  

Von seinem Vorgesetzten, dem Polizeipräsidenten, bekommt Jansen den Auftrag, den Verfasser des Drohbriefes innerhalb einer Woche ausfindig zu machen, wenn nicht die Beschwerde der Konzernleitung über seine kostspielige Fehlentscheidung Folgen für seinen Job haben soll. Unter diesem Zeitdruck macht sich Jansen an die Arbeit.  Es stellt sich schnell heraus, dass die Bombendrohung auf einem besonderen Papier geschrieben wurde, das die Konzernleitung zum Druck von Diplomen für besonders verdiente, ausscheidende Mitarbeiter benutzt. Neun solcher Diplome sind bisher verliehen worden.

  

Jansen befragt einen Diplominhaber nach dem anderen. Dabei enthüllt sich immer mehr der innere konflikthafte Zustand des Konzerns, der monopolartig den gesamten Medienmarkt beherrscht. Nach drei Tagen meldet sich ein junger Mann, ein naher Verwandter des Konzernchefs, der behauptet, der Verfasser der spaßhaft gemeinten Bombendrohung zu sein. Beim Verhör verwickelt sich jedoch der junge Mann in erhebliche Widersprüche; er kann der Gesuchte nicht sein. Entgegen dem Wunsch der Konzernleitung nimmt Polizeileutnant Jansen die Ermittlungen erneut auf. Nummer 7 auf seiner Liste ist ein älterer Journalist; er gehörte jahrelang einem Mitarbeiterstab an, der im obersten, dem geheimen 31. Stockwerk des Konzernhochhauses untergebracht ist und im Auftrag der Konzernleitung eine Zeitschrift herstellt, die im Gegensatz zu allen anderen Medienprodukten des Konzerns offen Kritik am Zustand der Gesellschaft üben darf. Im Redaktionsteam sind die letzten kritischen Geister des Landes versammelt. Sie dürfen in ihrer Zeitschrift ihre Meinung völlig frei und offen äußern und  werden dafür auch noch bezahlt. Die Sache hat nur einen Haken: Die Zeitschrift ist nicht auf dem Markt zu haben und soll nach dem Willen der Konzernleitung auch nie öffentlich erscheinen. Es geht nur darum, die kritischen Journalisten in goldenen Fesseln an den Konzern zu binden und so das Informations- und Meinungsmonopol des Konzerns gegen jede mögliche Kritik abzusichern. Mit der Bombendrohung hat nun dieser Journalist die Öffentlichkeit auf die Machenschaften des Konzerns aufmerksam machen wollen. Doch die Leute vom 31. Stock sind nicht evakuiert worden, und so ist auch nichts an die Öffentlichkeit gedrungen. Deshalb hat der verzweifelte Journalist eine zweite Bombendrohung per Post an die Konzernleitung abgesandt.

  

Jansen informiert den Polizeipräsidenten und den Konzernchef vom Erfolg seiner Ermittlungen und von der zweiten Bombendrohung. die Attentatsdrohung tritt wie angekündigt ein. Das Gebäude wird erneut geräumt. Zu spät erkennt Jansen, dass der Räumungsbefehl für das 31. Stockwek nicht gegeben wurde. Er weiß nun, dass im 31. Stockwerk eine Bombe explodieren wird - die "Endlösung" für einen kritischen Journalismus im Lande.

(Quelle: Broschüre Das Fernsehspiel im ZDF, Heft 45, Juni - August 1984, S.28.30, hrg. vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung / Öffentlichkeitsarbeit)

   

   

¹) Robert Katz, in New York geboren, ist Autor von acht Büchern und ebenso vielen Drehbüchern. Zwei seiner Romane wurden nach seinem eigenen Drehbuch verfilmt: "Death in Rome" (Mord in Rom) und "The Cassandra Crossing". Seine letzten Drehbücher schrieb er für Liliana Cavanis "Die Haut" und für "The Salamander" von Peter Zinner. Sein letzter Roman "Days of Wrath", der den Fall Aldo Moro behandelt, wurde für den Pulitzer-Preis vorgeschlagen. "Kamikaze 1989" ist seine erste Arbeit für einen deutschen Film.

(Quelle: Broschüre Das Fernsehspiel im ZDF, Heft 45, Juni - August 1984, S. 33, hrg. vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung / Öffentlichkeitsarbeit)

  

²) Per Wahlöö, der schwedische Autor, 1975 gestorben, zählt zu den international renommierten Krimiautoren. Sein Zukunftskrimi "Mord im 31. Stock" - die Vorlage des Films Kamikaze 1989 von Wolf Gremm - entstand 1964 und richtet sich in seinen Intentionen gegen gesellschaftliche Entwicklungstendenzen, die in Richtung eines Orwell-Staates führen könnten. Vor allem aber ist der Roman von Per Wahlöö ein Plädoyer für die stets und überall gefährdete Freiheit des Wortes.

(Quelle: Broschüre Das Fernsehspiel im ZDF, Heft 45, Juni - August 1984, S. 30, hrg. vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung / Öffentlichkeitsarbeit)

  

 

   

  

  

  

  

  


  

 

 

  

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 3. Juli 2016

  

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Das Filmaushangfoto wurde mir freundlicherweise von Einhorn-film.at zur Verfügung gestellt.