Egon Günther

Regisseur  Drehbuchautor

  

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Egon Günther feiert seinen 90. Geburtstag

(Berliner Zeitung 29. März 2017)

       

  

  

  

  

Regisseur Egon Günther  

Copyright: Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

  

 

Egon Günther wurde am 30. März 1927 in Schneeberg im Erzgebirge geboren.

 

Dort macht er zunächst eine Ausbildung als Schlosser und arbeitet dann als technischer Zeichner.

 

Nachdem er in den Jahren nach dem Krieg an einem "Neulehrerkurs" teilgenommen hat, studiert er in Leipzig Pädagogik, Germanistik und Philosophie. Zunächst arbeitete er als Lehrer, später als Verlagslektor in Halle/Saale. Er veröffentlicht nebenbei Gedichte, zwei Romane und eine Erzählung, 1958 geht er als Dramaturg und Drehbuchautor an das DEFA-Studio für Spielfilme nach Potsdam-Babelsberg. 

Dort lernt er die Regisseure Kurt Maetzig und Slatan Dudow kennen, ist befreundet mit Erich Engel, bei dem er auch am Theater hospitiert. 1960 arbeitet er als Dramaturg bei der Brecht-Verfilmung einer Aufführung des Berliner Ensembles „Mutter Courage und ihre Kinder“ (Regie: Manfred Wekwerth, Peter Palitzsch).

  

Bereits 1964/65 beginnt Günther mit dem Film Lots Weib, eine zeitkritische Betrachtung einer Ehe ohne Liebe, seine eigenen Drehbücher, die oft nach Vorlagen seiner damaligen Frau Helga Schütz entstehen, selbst zu inszenieren. Sein zweiter Film Wenn du groß bist, lieber Adam (1965/66) mit Manfred Krug fiel der Zensur zum Opfer und wurde aufgrund eines ZK-Beschlusses in den "Giftschrank" gesperrt und nicht aufgeführt. Der Film konnte er nach der Wende 1990 rekonstruiert und 1990 aufgeführt werden. Der Streifen Abschied war dann sein Durchbruch, obwohl mit pazifistischer Tendenz und gegen falsche Autoritäten gerichtet. "Aus dem platt prosozialistischen Kampfroman des obersten DDR-Kulturfunktionärs machte Günther eine modern inszenierte, von überkommenden Regietraditionen und kleinkarierter DDR-Spießermoral befreite Geschichte einer jugendlichen Emanzipation von einem reaktionären Elternhaus" (Quelle: zitiert aus "Das große Personenlexikons des Films" von Kay Weniger). 

  

Regisseur Egon Günther  

Copyright: Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

Er dreht neben Gegenwartsstoffen für das Kino oder Fernsehen auch diverse Literaturverfilmungen, die die Zeit um den Ersten Weltkrieg reflektieren. Ab 1978 drehte E. Günther aus in der BRD und insbesondere Literaturverfilmungen mit gesellschaftlichem, historischem, gegenwartsbezogenem Interesse: Lion Feuchtwangers Exil (1981) ist in der Filmfassung nach sieben Hauptfiguren in sieben Teilen gegliedert. Mitte der 70er Jahr beginnt Egon Günther mit einer Art von Zyklus, der sich um J. W. Goethe dreht: Lotte in Weimar nach Thomas Mann, Die Leiden des jungen Werthers, der Dokumentarfilm Weimar, Du Wunderbare und das Fernsehspiel Euch darf ich's wohl gestehen. Der Literatur bleibt Günther auch weiterhin treu: 1971 erscheint sein Roman "Rückkehr aus großer Entfernung", danach folgen "Einmal Karthago und zurück" (1974) und "Reitschule" (1981).

  

Im Sommer 1977 tritt Egon Günther aus dem Verband der Film- und Fernsehschaffenden der DDR aus, dessen Präsidium er angehörte. Nach ersten wenigen Fernseharbeiten im Westen dreht Günther ab Ende der 70er Jahre ausschließlich im Westen. Seit 1992 ist Egon Günther Professor an der Filmhochschule Babelsberg. Egon Günther, der 1999 den Deutschen Filmpreis für sein Gesamtwerk erhält, lebt in Groß-Glienicke bei Berlin.

  

Bei Gegenwartsthemen arbeitet Günther mit dem Drehbuchautor Klaus Poche zusammen: Hanna von acht bis acht (1983): Eine Hotelbarfrau in Berlin dirigiert einfühlsam die "Vorhölle" des Suffs, der Verletztheiten und wechselseitigen Verletzungen, steuert Günther mit Friedenshoffnung und der Suche der verlorengegangenen "Unschuld der Menschheit" (G.) gegen das Gefühl einer "Angst der Endzeit, die alle erfasst hat". (Quelle: Einige Informationen aus der Website der Bundeszentrale für politische Bildung und aus Egon Netenjakob: "TV-FILMLEXIKON - Regisseure - Autoren - Dramaturgen", Fischer-Cinema TB-Verlag, Originalausgabe März 1994, Seite 148-150), Frankfurt/Main)

   

Auszeichnungen und Preise

1972 DDR-Nationalpreis, II. Klasse
1972 Hauptpreis des Internationalen Filmfestivals von Karlovy Vary
1983 Grimme-Preis
1990 Fipresci-Preis der Berlinale
1993 Sonderpreis des Kultusministeriums von NRW
1999 Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises in Gold für Gesamtwerk

 

2016 erhielt der Regisseur die Ehrenbürgerschaft von Schneeberg.

  

  

    

 

 

 

 

 

 

 

 

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 30. März 2017

  

Diese Kurzbiografie kann nur Stichpunkte aus dem Leben und Wirken des Künstlers enthalten und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, deshalb sind hier Links angebracht, die weitere Hinweise geben.

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