Irm Hermann

 

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Irm Hermann spricht die Rolle der Emmy Göring in dem Hörspiel
Enigma Emmy Göring (EA: 21.09.2006)

 
Foto mit freundlicher Genehmigung der SWR Media Services GmbH
Quelle:
ARD Hörspieldatenbank; © SWR/Gitzinger

 

 

 

 

 

   

Geboren am 4. Oktober 1942 in München.

 

Gestorben am 27. Mai 2020 in Berlin.

  

 

Nach der Volksschule machte sie eine Ausbildung als Verlagskauffrau, arbeitete als Angestellte im Verlag der Zeitschrift "Quick", danach als Sekretärin beim ADAC. 

  

 

"Bei einem Dramatikerwettbewerb hab' ich ihn kennen gelernt", erzählt Irm Hermann über ihre erste Begegnung mit Fassbinder, das war 1966. "Es lief das Stück Nur eine Scheibe Brot und wir sind anschließend in eine Kneipe gegangen". Sie kamen ins Gespräch und Fassbinder bot ihr eine Rolle in einem Kurzfilm an. Der Kurzfilm hieß Das kleine Chaos und war Fassbinders zweiter Kurzfilm überhaupt. Gemeinsam mit Fassbinder und Hanna Schygulla ist sie Gründerin des "action-theaters" (später "antiteater"). Über die berufliche Beziehung hinaus gehört Hermann bald zu Fassbinders engsten Vertrauten. Sie gründet sogar eine Schauspieler-Agentur, um Christof Roser, Hanna Schygulla und Fassbinder nach außen hin zu managen. Doch der Erfolg bleibt aus. Sie reiste von ihrem eigenen Geld  mit Rainers Drehbuch Kalter Stahl (Arbeitstitel von Liebe - Kälter als der Tod) unter dem Arm durch die Lande, um bei Fernsehanstalten einen Financier für das Projekt zu gewinnen. Der einzige Erfolg, den sie dabei erringen konnte, war eine kleine Rolle für Fassbinder in einem Bundeswehr-Lehrfilm (Mit Eichenlaub und Feigenblatt von Franz-Josef Spieker). 

 

 

 

Irm Hermann Mitte der 1980er-Jahre

 

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

  

Irm Hermann und Fassbinder unterhielten so etwas wie eine Hassliebe zueinander, und dieses Verhältnis spiegelte sich auch in den Rollen Irm Hermanns während dieser Zeit wider. Zumeist verkörperte sie die Rolle der unterwürfigen, Handlangerdienste verrichtenden Ehefrau oder Bediensteten, die nur in kleinen Auftritten zur Geltung kommen durfte. "Die Entscheidung war für mich schon sehr schwierig", erzählt Irm Hermann weiter. "Entweder ihn als Mann und die kleinen Rollen, um dabei zu sein, oder die Trennung und woanders mehr erhoffen." Lediglich in dem Film Händler der vier Jahreszeiten, der 1971 entstand, durfte sie die Hauptrolle spielen und wurde dafür prompt mit einem Bundesfilmpreis belohnt. Die Idee zu diesem Film entstand aus Fassbinders Verwandtschaftsverhältnissen heraus, war sein einziger Onkel doch Obsthändler. Irm Hermann spielte in diesem satirischen Denkmal für Fassbinders Verwandtschaft eine mürrische, ständig schlecht gelaunte Ehefrau, die auch mal von ihrem Mann verprügelt wird. Nach dem Tod des Obsthändlers übernimmt der Verkäufer Harry (Klaus Löwitsch) die Stelle ihres Mannes. In ihrem mit Blumen verzierten Kleidern sieht Irm Hermann so richtig schön bieder aus, trägt gelegentlich eine Brille, quält ihren Mann und wird von ihm gequält.

 

 

 

1975 verließ Irm Hermann die Fassbinder-Clique, heiratete den Kinderbuch-Autor Dietmar Roberg und zog von München nach Berlin um. Nach größeren Schwierigkeiten, neue Filmangebote zu bekommen, hat sie sich nach einigen Nebenrollen in Sternsteinhof, Woyzeck, und Endstation Freiheit zur ersten Garnitur hochgearbeitet. In Fünf letzte Tage spielte sie dann die Hauptrolle der Zellengenossin und Buchhalterin im Gestapogefängnis Else Gebel, die ihr gute Kritiken und einen Deutschen Filmpreis einbrachten. "Irgendwann war ich wohl genau der Typ, der dafür gebraucht wurde", schildert sie lakonisch ihren Part. "Adlon hat mich engagiert, ohne mich zu kennen und hat gar nicht gewusst, wer ich bin. Ich habe mich ein bisschen mit der Zeit auseinandergesetzt." Nach einem weiteren Film von Percy Adlon (Die Schaukel) und einem Film von Hans W. Geißendörfer (Ediths Tagebuch) strebt sie vor allem eine langfristige Zusammenarbeit mit Regisseuren an. Zum Theater will sie jedoch nicht zurückkehren und auch die Arbeit hinter der Kamera - sie war Regie-Assistentin bei Wildwechsel und Faustrecht der Freiheit - reizt sie nicht weiter. In den 90er-Jahren spielte sie auch unter der Regie von Christoph Schlingensief (Das deutsche Kettensägenmassaker, Die 120 Tage von Bottrop

 

 

 

  

Irm Hermann spricht die Tochter der greisen Frieda (Rosemarie Fendel)
in "Friedas Schmetterlinge" (EA: 09.05.2010)

 
Quelle und Link: ARD Hörspieldatenbank;

Foto mit freundlicher Genehmigung
der "hr media Lizenz- und Verlagsgesellschaft mbH"
© HR/Benjamin Knabe

In den letzten Jahren wirkte die Schauspielerin in diversen Kino- und Fernsehproduktionen mit, wie Die Erfindung der Liebe, Herzberg, Vatertage - Opa über Nacht und Lotta und die großen Erwartungen.

  

2009 konnte Irm Hermann den Deutschen Hörbuchpreis entgegennehmen.

 

Im September/Oktober 2013 wird die Schauspielerin im Schauspielhaus Zürich in dem Georg Büchner-Stück Woyzeck in einer Doppelrolle zu sehen sein (weitere Informationen hierzu).

  

Bei www.steffi-line.de ist u.a. zu lesen: "Am 15. Oktober 2014 fand an der Berliner "Volksbühne" die Uraufführung des Stücks "Tessa Blomstedt gibt nicht auf" statt, in Szene gesetzt von dem Schweizer Regisseur Christoph Marthaler. In dem "gefällig komischen Abend" bzw. Liederabend über Liebe im Zeitalter des Internets steht "die herrlich spröde staksige Irm Hermann" im Mittelpunkt. "Sie verkörpert die offensichtliche Abneigung des Regisseurs gegen Computerliebe. Stur gießt, säubert und schüttelt sie ihre Grünpflanzen analog und versteht vom digitalen Garten der Sinne nur Bahnhof. Wenn sie Verse deutscher Liebesschnulzen ernsthaft rezitiert, liegt das Publikum am Boden." kann man bei www.rbb-online.de lesen; siehe auch www.welt.de und www.tagesspiegel.de."

 

 

 

 

 

 

Drei merkwürdige Damen, die wissen, was sie wollen, in der Tatort-Episode "Wofür es sich zu leben lohnt" von 2016. Von l.n.r. die Fassbinder-Ikonen Irm Hermann, Hanna Schygulla und Margit Carstensen
Foto: SWR/Patrick Pfeiffer
2016 konnte man die Mimin zusammen mit drei anderen "Fassbinder"-Schauspielerinnen (Eva Mattes, Hanna Schygulla, Margit Carstensen) in der Tatort-Episode Wofür es sich zu leben lohnt sehen: "Seltsam und voller Rätsel sind die Fälle, mit denen Klara Blum, Kai Perlmann und Matteo Lüthi im letzten Bodensee-Tatort des SWR befasst sind. »Wofür es sich zu leben lohnt« heißt er, und das ist weder eine Frage noch eine Antwort, sondern eine Auffassung – eine Haltung. Denn Haltung ist gefragt, wenn man die Witwe eines nicht nur berüchtigten, sondern auch viel geliebten, zu Tode gepeinigten rechtsextremen Vordenkers verhört. Wenn man den Giftmord an einem Anlagebetrüger recherchieren muss, auch wenn man diesem gar kein Wohlergehen wünschte. Wenn man drei greise weise Maiden kennenlernt, die Hexen sein könnten oder Heilige. Lüthi, Perlmann und Blum ermitteln in einer Welt, in der Tausende Arbeiter schuldlos verbrennen und der Schuldige in seinen Krokodilstränen badet. Wofür es sich zu leben lohnt, ist, wie Klara Blum sagt, »dass da Gerechtigkeit herrscht«. Und das ist nicht das letzte Wort" (Tatort-Fundus).

 

 

Irm Hermann in Fassbinder-Filmen:

 

Acht Stunden sind kein Tag (Rolle: Irmgard Erlkönig)

 

Angst essen Seele auf (Rolle: Krista)

 

Angst vor der Angst (Rolle: Lore)

 

Berlin Alexanderplatz (Rolle: Trude)

 

Das kleine Chaos (Rolle: Frau)

 

Der amerikanische Soldat (Rolle: eine Hure)

 

Der Stadtstreicher (Rolle: Frau)

 

Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Rolle: Sekretärin Marlene)

 

Faustrecht der Freiheit (Rolle: Mlle Cherie de Paris, hier war Irm Hermann auch Regieassistentin)

 

Fontane Effi Briest (Rolle: Johanna)

 

Frauen in New York (Rolle: Olga / Miriam)

 

Götter der Pest (Rolle: ?)

 

Händler der vier Jahreszeiten (Rolle: Irmgard Epp)

 

Katzelmacher (Rolle: Elisabeth)

 

Liebe - Kälter als der Tod (Rolle: Sonnenbrillenverkäuferin)

 

Lili Marleen (Rolle: Krankenschwester)

 

Nora Helmer (Rolle: Helene)

 

Pioniere in Ingolstadt (Rolle: Alma)

 

Warum läuft Herr R. Amok? (Rolle: Nachbarin)

 

Wildwechsel (Rolle: Polizeibeamtin)

 

 

Weitere Filme mit Irm Hermann (Auswahl)

 

Mathias Kneißl (Rolle: Gefängniswärterin), 1971, Regie Reinhard Hauff

 

Die Ahnfrau (Rolle: Die Köchin), 1971, Regie Peer Raben

 

Ein unheimlich starker Abgang (Rolle: Die "Gnädige"), 1973, Regie Michael Verhoeven

 

Die Revolte (Rolle: Mädchen auf der Gocartbahn), 1969, Regie Reinhard Hauff

Ein Versicherungsangestellter, der lange Zeit seinen Job gewissenhaft erfüllt hat, steigt aus und sucht eine Alternative zum Kleinbürgerdasein. Bedeutungsschwerer Film.

 

Sternsteinhof (Rolle: Sali), 1975, Regie H. W. Geißendörfer

 

Schatten der Engel (Rolle: Emma), 1975, Regie Daniel Schmid

 

Die Ängste des Dr. Schenk (aus der Reihe: Geschichten zwischen Tag und Traum) (Rolle: ?), 1978, Regie Herbert Vesely

 

Eisenhans (Rolle: Sozialhelferin), 1983, Regie Tankred Dorst

Hans Schroth ist Lkw-Fahrer und wird wegen seiner Bärenkräfte "Eisenhans" genannt. Er lebt mit Frau und seiner geistig behinderten Tochter Marga an der deutsch-deutschen Grenze. Geographisch und sozial isoliert flüchtet er in seine Innenwelt und findet Trost nur in der Liebe zur "unschuldigen" Marga. Seine Umgebung verdächtigt ihn des Inzests. Der verzweifelte Außenseiter wird seiner Frau gegenüber handgreiflich; sie zeigt ihn an und Eisenhans wird festgenommen. 

 

Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse (Rolle: ?), 1984, Regie Ulrike Ottinger

 

Reichshauptstadt privat, 1987, Regie Horst Königstein

Mit Wolfgang Menge realisierte Horst Königstein das Großprojekt über Alltagsleben im Berlin der Nazi-Zeit.

 

Das Spinnennetz (Rolle: Gefangene Rote), 1989, Regie Bernhard Wicki

 

Der Passagier - Welcome to Germany (Rolle: KZ-Kommandantin), 1988, Regie Thomas Brasch

Ein jüdischer Erfolgsregisseur kommt aus Amerika nach Deutschland zurück, wo er in den Kriegsjahren gemeinsam mit anderen KZ-Häftlingen als Statist in einem antisemitischen Film der Nazis mitwirken musste. Um sein Gewissen zu entlasten, will er nun einen Dokumentarfilm über die damaligen Geschehnisse drehen – denn er verschuldete durch einen Verrat den Tod eines Freundes. Schwermütiger Problemfilm.

 

Das deutsche Kettensägenmassaker (Rolle: Zöllnerin), 1990, Regie Christoph Schlingensief

 

Deutschlandlied (Rolle: Fräulein Kitzing), 1995, Regie Tom Toelle

 

Willi und die Windzors (Rolle: Queen Elizabeth), 1996, Regie Hape Kerkeling

Soeben verkündet das britische Unterhaus die aktuelle Meldung: Die Monarchie ist abgeschafft!
Queen Elizabeth und ihre Verwandten sollen umgehend das britische Empire verlassen. Nur Fergie und Andrew müssen im Land bleiben, bis Fergie ihre Schulden abgearbeitet hat. Vergeblich bemühen sich die "Gestürzten" bei europäischen Königshäusern um Unterschlupf. Doch überall wird abgewinkt. Als einziger Ausweg bleibt den blaublütigen Heimatlosen, Asyl bei ihren letzten lebenden Verwandten in Hannover, den noch ahnungslosen Möbelhausbesitzer Willi und Else Bettenberg, zu suchen.
(Quelle: hapekerkeling.de)

 

 

Für mich gab's nur noch Fassbinder (Rolle: Sie selbst), Dokumentation, 2000, Regie und Drehbuch Rosa von Praunheim

 

 

Reine Geschmackssache (Rolle: Frau Retzlaff), 2006, Regie Ingo Rasper

 

 

Die Libelle und das Nashorn (Rolle: Verlegerin), 2012, Regie Lola Randl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Layout: Rosemarie Kuheim
Bearbeitet: 28. Mai 2020

 
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Einige Informationen entnommen aus dem Buch "Die neuen Stars des deutschen Films", Heyne TB Nr. 78, 1985. Vielen Dank an Siegfried Tesche - mit Erlaubnis des Autors.