Katzelmacher  

1969

 

Filmliste Rainer Werner Fassbinder

  

  

  

   

Regie

Rainer Werner Fassbinder

Drehbuch

Rainer Werner Fassbinder

Produktion

antiteater / X-Film

Ausstattung

Rainer Werner Fassbinder

Kamera

Dietrich Lohmann

Musik

"Sehnsuchtswalzer" von Franz Schubert, gespielt von Peer Raben (Piano)

Schnitt

Rainer Werner Fassbinder

FSK

ab 12 Jahre

Länge

88 Minuten, s/w

Sonstiges

Der Film hat die Widmung "Für Marie Luise Fleißer" und das Motto "Es ist besser, neue Fehler zu machen als die alten bis zur allgemeinen Bewusstlosigkeit zu konstituieren (Yaak Karsunke)".  

Bundesfilmpreis 1970

Filmbeschreibung

Goethe-Institut

www.fassbinderfoundation.de 

Ur-/Erstaufführung

7. April 1968 (Theaterpremiere, Action-Theater)

8. Oktober 1969 (Uraufführung bei der Mannheimer Filmwoche)

17. Sept. 1973 / ARD

Genre

Milieustudie

         

 

Darsteller

Rolle

Hanna Schygulla

Marie

Lilith Ungerer

Helga

Rainer Werner Fassbinder

Jorgos

Elga Sorbas

Rosy

Doris Mattes

Gunda

Irm Hermann

Elisabeth

Rudolf Waldemar Brem

Paul

Hans Hirschmüller

Erich

Harry Baer

Franz

Peter Moland

Peter

Hannes Gromball

Klaus

Katrin Schaake

Frau auf der Landstraße

         

        

  

Inhalt  

  

Katzelmacher war Fassbinders zweiter Spielfilm und der erste seiner "bürgerlichen Filme", wie er sie im Gegensatz zu den "Kinofilmen" nannte. Katzelmacher schildert eine Gruppe junger Leute nach der Arbeit und demonstriert, dass in einer unfreien Gesellschaft auch die sogenannte Freizeit keine freie Zeit sein kann. Die Personen gehen keinerlei sinnvoller Beschäftigung nach und vertreiben sich die Zeit damit, auf einem Geländer herumzusitzen, in einer Kneipe Karten zu spielen und gelegentlich miteinander zu schlafen... (ff)

Erst als Jorgos, 'ein Griech aus Griechenland', in ihre Welt einbricht und mit  seinem 'nix verstehn' Xenophobie, Potenzneid, Aggression dem Fremden gegenüber, kurz: das faschistoide System auslöst, werden die Männer munter, raffen sich auf und schlagen ihn zusammen. "Eine Ordnung muss wieder her."

Auch sprachlich ist der Film von großer Kargheit. Wenn die Personen des Films sich überhaupt dazu bequemen, etwas zu sagen, dann sind es einsilbige Worte oder einfache Sätze, primitive, kleinbürgerliche Redensarten... (ff)

(Quelle: Christian Braad Thomsen: "Rainer Werner Fassbinder - Leben und Werk eines maßlosen Genies", Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Hamburg, 1993, Seite 109, Textübernahme mit freundlicher Erlaubnis des Autors)

  

  

  

Der Plot von Katzelmacher ist einmal mehr ein komplexes Geflecht von verbundenen Paarbeziehungen: "Marie gehört zu Erich, Paul schläft mit Helga, Peter lässt sich von Elisabeth aushalten, Rosy treibt es für Geld mit Franz." Das wechselseitig aufrecht erhaltene Netzwerk von Ausbeutung und Aggression verschlimmert sich, als der Grieche Jorgos (gespielt von Fassbinder selbst) auftaucht und bei Elisabeth zur Untermiete einzieht. Während die Männer sich sofort gegen ihn verbünden und auch mittels körperlicher Gewalt versuchen, ihn zu verjagen, reagieren die Frauen ambivalent, sei es, weil sie wissen, dass sie Jorgos' nachgesagte Potenz gegen ihre eigenen Liebhaber ausspielen können (Helga, Rosy), sei es, weil sie ihn ökonomisch ausnutzen wollen (Elisabeth braucht seine Miete, um Peter aushalten zu können) oder weil sie von seinem Anderssein angezogen werden (Maria).

Die statischen Einstellungen und die langsamen Kamerafahrten machen fortwährend auf die Anwesenheit der Kamera aufmerksam, und Peer Rabens an Schubert erinnernde Musik scheint die Handlung ironisch zu kommentieren. Der ausdruckslose, hölzerne Dialog soll die völlige emotionale Bindungslosigkeit der Figuren untereinander zeigen und transportiert so das, was ein Kritiker einmal als Fassbinders "Poesie des Nichtausgesprochenen" bezeichnet hat. Maria (Hanna Schygulla), die als einzige zu Jorgos hält, steht im Mittelpunkt des in überbelichtetem und körnigem Schwarzweiß gedrehten Films. Im Wissen um das Aufleben von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Gefolge der deutschen Vereinigung mag Katzelmacher als ein geradezu prophetischer Film erscheinen, aber zur Zeit seiner Entstehung reflektierte er neben den Spannungen der ersten Generation "Gastarbeiter" auch die linken Diskussionen zum autoritären Charakter, die das faschistische Potential von Menschen ohne Arbeit, Ausbildung und Aussichten bloßgelegt hatten ("Ich werde mich mustern lassen, das ist besser als die Arbeit", sagt einer der Männer). Die etwas verstörende Didaktik von Katzelmacher wird dadurch abgemildert, dass die poetisch-lakonischen Sprachversatzstücke diese Rassisten auf eine Weise gleichermaßen lustig wie abscheulich aussehen lassen, womit Fassbinder auf seine Weise den Lacanschen Satz belegt, dass "die Sprache das Subjekt spricht" - explizit in Der Müll, die Stadt und der Tod von einem Antisemiten so formuliert. 

(Quelle: Thomas Elsaesser: "Rainer Werner Fassbinder", Bertz Verlag GbR, Berlin, 2001, Seiten 430-431, Textübernahme mit freundlicher Erlaubnis des Autors)

  

 

   

Anmerkung:

Katzelmacher = Bayerischer Ausdruck: Kollektivschelte für südländische Gastarbeiter.

Volksetymologisch: Südländer, der deutschen Frauen Kinder macht, häufig und unkompliziert (wie die Katzen); korrekte Etymologie: Bezeichnung für Hersteller hölzerner Schöpfkellen (der Gatzeln) aus dem Grödnertal.

   

     

    

 

 

  

  

    

    

    

    

   

  

  

  

  

  

  

  

  

 

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 18. April 2016

  

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