Mario Adorf

   Schauspieler  Synchronsprecher  Schriftsteller

 

  

  

    

  

    

Mario Adorf - Foto: Eugen Haller

Mario Adorf 

© www.eugenhaller.de

      

   

Geboren am 8. September 1930.

Mario Adorf feierte 2015 seinen 85. Geburtstag

  

Als Sohn einer Röntgenassistentin und eines italienischen Chirurgen wird Mario Adorf in Zürich geboren. Das uneheliche Kind wächst in der kleinen Stadt Mayen in der Eifel*) auf und beendet dort auch die Schule mit Abitur. Mit Mühe bringt seine alleinerziehende Mutter die Familie durch den Krieg. Ab 1950 studiert Mario Adorf in Mainz und in Zürich Germanistik und Theaterwissenschaften. 

*)2014 wurde in Mayen ein Weg (Mario-Adorf-Burgweg) nach ihm benannt. Seit 2001 ist Mario Adorf Ehrenbürger der Stadt Mayen.

  

Mit Komparserie beginnt er zuerst an einer Studentenbühne, dann arbeitet er am Schauspielhaus Zürich als Statist und Regieassistent. Von 1953 bis 1956 besucht er die Otto-Falckenberg-Schule in München und absolviert dort die Schauspielausbildung. Danach lernt er an den Münchner Kammerspielen große Theaterleute wie Fritz Kortner und Hans Schweikart (> hans-schweikart.de) kennen, nachdem er sich heimlich in die Theaterproben schleicht und zuschaute. Mario Adorf bekommt einige kleine Komparsenrollen und nachdem man  sein großes Talent endlich entdeckt hat, wird er festes Ensemblemitglied und bleibt bis 1962 diesem Haus treu. Man sieht ihn u.a. als Stan Kowalsky in "Endstation Sehnsucht" oder als Xerxes in "Die Perser". Hier wird er übrigens auch für den Film entdeckt und bekommt kleine Nebenrollen. 

  

Zu dieser Zeit kommt Robert Siodmak aus Hollywood zurück und sieht Mario Adorf. Er traut Adorf größere Rollen zu und besetzt ihn mit der Hauptrolle in Nachts, wenn der Teufel kam, wo er sein Können als Massenmörder Bruno Lüdeke beweisen kann. Die Rolle wird 1957 mit dem Deutschen Filmpreis belohnt für den besten deutschen Nachwuchsschauspieler.

 

Mario Adorf

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

  

So auf Mario Adorf aufmerksam geworden, kann er sich vor Rollenangeboten kaum retten und spielt an der Seite von Horst Buchholz in Das Totenschiff, mit Hardy Krüger in Bumerang und Heinz Rühmann in Mein Schulfreund. Aber der Vollblutschauspieler traut sich mehr zu als schurkige Rollen im deutschen Nachkriegsfilm zu spielen, zumal ja die Filmlandschaft in Deutschland gerade im Umbruch ist. 

  

So zieht es ihn zu Beginn der 1960er-Jahre nach Italien, hier findet er eine neue Filmheimat und nicht nur das. In Deutschland war "Opas Kino" gerade gestorben, das deutsche Kino befand sich in einer großen Krise und neue Filmleute wollten zeigen, was sie konnten, als Adorf in Italien die Rollen nur so zugeworfen wurden, z.B. als Mafioso Amedeo Marrese in Gewalt, die 5. Macht im Staat (Originaltitel: La violenza: quinto potere) oder als Mussolini in Die Ermordung Matteottis.

  

Auch in Hollywood wird man auf das Ausnahmetalent aufmerksam und Sam Peckinpah holt ihn 1963 nach Mexiko zu den Dreharbeiten von Sierra Chariba. Doch Adorf hatte das Gefühl, dass er mehr oder weniger als Anthony Quinn-Ersatz eingesetzt wird, und er hatte überhaupt keine Lust, hier den ewigen Mexikaner zu spielen. Auch Francis Ford Copolla hatte Interesse und wollte ihn als Paten einsetzen, aber Adorf lehnte ab. 

  

Mario Adorf - Foto: VIRGINIA

Mario Adorf

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

     

Endlich wurden auch die neuen Filmemacher in Deutschland auf den vielseitig einsetzbaren Schauspieler aufmerksam und so besetzt ihn Roland Klick 1970 in Deadlock. 1978 holt ihn Volker Schlöndorff als den unberechenbaren Kommissar Beizmenne für Die verlorene Ehre der Katharina Blum vor die Kamera. 1979 war es wieder Schlöndorff, der ihn als Vater des kleinen Trommlers Oskar Matzerath in Die Blechtrommel einsetzt. Endgültig wieder für den deutschen Film gewinnen konnte ihn Rainer Werner Fassbinder in Lola, wo er neben Armin Mueller-Stahl und Barbara Sukowa den abgezockten Bauherrn Schuckert spielt. Reinhard Hauff besetzt ihn in Der Hauptdarsteller als brutalen und primitiven Vater. Tom Toelle bietet ihm die Hauptrolle in der Literaturverfilmung Via Mala an, wo er wirklich meisterlich den Sägewerkbesitzer Lauretz spielt.

    

Mario Adorf dreht im Jahr bis zu vier Filme. Aber er zieht sich zwischendurch immer wieder nach Frankreich und Italien zurück. In Frankreich lernt Adorf auch die Liebe seines Lebens kennen, die Fotografin Monique Fay. Er ist mit ihr in zweiter Ehe seit 1985 verheiratet. Seine erste Ehefrau war die Schauspielerin Liz Verhoeven; die Tochter beider, Stella Adorf, geboren 1963, ist ebenfalls Schauspielerin.

Mario Adorf - Foto: Edmond Frederik

Mario Adorf

bei den Dreharbeiten zu Pizza Colonia

©Edmond Frederik

  

In den 1990er-Jahren steht Mario Adorf für Helmut Dietl vor der Kamera und man kann hier auch mal sein komisches Talent in Kir Royal und Rossini bewundern. Und wer ihn bis dahin immer noch nicht richtig kennt, der wird mit drei großartigen Mehrteilern eines besseren belehrt. Adorf spielt den Kaufhausbesitzer Peter Bellheim in Der große Bellheim, den Bauspekulanten Jan Herzog in Der Schattenmann und den Hamburger Senator Walter Wegener ("Beton-Walter") in Die Affäre Semmeling. Drei großartige, für das Fernsehen gedrehte Filme von Dieter Wedel.

    

Als Buchautor ist Mario Adorf ebenfalls in Erscheinung getreten, und zwar unter anderem mit "Himmel und Erde - Unordentliche Erinnerungen", "Bilder meines Lebens" (ein Erinnerungsbuch), "Mit einer Nadel bloß" - Über meine Mutter, "Der römische Schneeball" - Wahre und erfundene Geschichten, "Der Dieb von Trastevere - Italienische Geschichten".

  

Mario Adorf, 1992

© Deutsche Fotothek 

Fotograf Klaus Morgenstern

 

Genehmigung zur Veröffentlichung am 19.05.2017 erteilt.

Seine letzten Kino-Filmarbeiten sind Detlev Bucks Same same, but different, Tarek Ehlails Episodenfilm Gegengerade - 20359 St. Pauli und die TV-Filme Der letzte Patriarch von Michael Steinke und Die lange Welle hinterm Kiel von Nikolaus Leytner

  

Preise und Auszeichnungen für Mario Adorf (kleine Auswahl):

 

- 1958 Bundesfilmpreis für das Krimidrama Nachts, wenn der Teufel kam

- 1974 Ernst Lubitsch-Preis

- 1974 Bambi 1974

- 1986 Großer Darstellerpreis für Via Mala

- 1992 Deutscher Filmpreis, Filmband in Gold für Pizza Colonia

- 2004 Filmpreis in Gold als Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film

- 3 x Die Goldene Kamera, zuletzt 2012

- 2016 erhielt er den Bambi für sein "Lebenswerk"

 

Die Ausstellung "Mario Adorf – … böse kann ich auch", ist in Berlin der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. 2009 überlässt Mario Adorf sein persönliches Archiv der "Berliner Akademie der Künste" (AdK). Die Ausstellung beginnt am 2. Februar 2012 und dauert bis zum 15. April 2012. Als Begleitmaterial erscheint eine Broschüre mit einem Essay von Moritz Rinke sowie Texten zu der Sonderschau und zahlreichen Abbildungen.

 

Darüber hinaus kann Adorf anlässlich der 47. Verleihung der "Goldenen Kamera" am 4. Februar 2012 diesen Preis erneut entgegen nehmen, nachdem er ihn bereits 1992 für seine künstlerische Gesamtleistung und 1994 für den TV-Film Der große Bellheim erhalten hatte. Dieses Mal wird ihm die Goldene Kamera für sein Lebenswerk verliehen.

(Quelle: Einige Informationen aus www.steffi-line.de)

  

Mario Adorf bringt 2015 bei Kiepenheuer & Witsch seine Biografie mit dem Titel "Schauen Sie mal böse" - Geschichten aus meinem Schauspielerleben - heraus. 

 

Am 6. April 2016 wird dem Schauspieler der (Ehren-) Jupiter-Award (Filmpreis) für sein Lebenswerk verliehen. Weiterlesen >>>

 

 

Weitere Filme mit Mario Adorf  

 

Titel

Jahr Regie
08/15 (wikipedia) und 08/15 in der Heimat (Rollen: Gefreiter Wagner bzw. Unteroffizier Stamm) 1954/55 Paul May

Nachts, wenn der Teufel kam (Rolle: Bruno Lüdke) 

1957 Robert Siodmak
Schwester Bonaventura (Rolle: Willy Pentridge) 1958 Wilm ten Haaf

Das Totenschiff (Rolle: Polnischer Kohlenschlepper Lawski)

1959 Georg Tressler

Mein Schulfreund (Rolle: Niedermoser) 

1960 Robert Siodmak

Moral 63 (Rolle: Reporter Axel Rottmann) 

1963 Rolf Thiele

Ganovenehre (Rolle: Georg) 

1966 Wolfgang Staudte

Die Herren mit der weißen Weste (Rolle: Bruno "Dandy" Stiegler) 

1970 Wolfgang Staudte

Deadlock (Rolle: Charles Dump, die Ratte)

1970 Roland Klick

Die verlorene Ehre der Katharina Blum (Kommissar Beizmenne)

Katharina Blum ist zu einem Faschingsball eingeladen und lernt dort einen jungen Mann kennen, verliebt sich in ihn und weiß nicht, dass es sich um einen desertierten Bundeswehrsoldaten handelt, der von den Feldjägern und der Polizei gesucht wird. Die Polizei kriegt die Verbindung heraus und von da an hat sie keine ruhige Minute mehr in ihrem Leben, da sie zum wehrlosen Opfer von Polizei und Boulevardpresse wird. Sie wird wie eine Verbrecherin behandelt, pausenlos verhört, die Wohnung wird durchsucht und verwüstet. Eine große Boulevardzeitung verarbeitet ihre Story in großen Lettern und ihr Privatleben ist so gut wie nichts mehr wert. Der Druck wird so groß, dass sie sich wehren muss... (rk)

1975 Schlöndorff / von Trotta

Bomber und Paganini

Nach einem missglückten Bruch werden die beiden Kleinkriminellen Bomber und Paganini zu Invaliden. Einer ist blind, der andere gelähmt, ergo sind sie aufeinander angewiesen. Trotz und alledem geben sie nicht auf, denn der ganz große Coup soll noch gelandet werden... aber das versinkt im Chaos. Herrlich gespielt von Mario Adorf und Tilo Prückner. (rk)

1976 Nikos Perakis

Deutschland im Herbst (12. Episode, hier Regie: Volker Schlöndorff)

1978 Diverse

Die Blechtrommel

1979 Volker Schlöndorff

Der dritte Grad (Rolle: Marciallo)

Griechenland gegen Ende der 60er-Jahre: Der Büroangestellte Georgis (Ugo Tognazzi) wird verhaftet. Trotz schlimmer Verhöre beteuert der Mann standhaft seine Unschuld. Die Gründe der Festnahme sind ihm schleierhaft.  Trotzdem unterzieht ein brutaler "Inspektor der Sicherheit" (gespielt von Michel Piccoli) den unauffälligen Junggesellen einem gnadenlosen Verhör… (rk)

1981 Peter Fleischmann

Lola (Rolle: Bauunternehmer Schuckert)

1981 Rainer Werner Fassbinder

Klassenverhältnisse (Rolle: Rossmann)

Anfang des 20. Jahrhundert wandert der junge Karl in die USA aus. Ein reicher Onkel nimmt ihn unter seine Fittiche. Aber Karl scheitert an ungeschriebenen sozialen Gesetzen, die das Leben in der Fremde bestimmen... Literaturverfilmung. Nach Kafkas Romanfragment "Amerika". (rk)

Darsteller: Christian Heinisch, Mario Adorf, Anne Bold, Harun Farocki, Manfred Blank, Alfred Edel, Laura Betti, Klaus Traube, Libgart Schwarz

1983 Danièle Huillet und Jean-Marie Straub

Kir Royal (1. Episode, Rolle: Generaldirektor Hafferloher)

1984 Helmut Dietl

Via Mala (Rolle: Sägemühlbesitzer Lauretz)

1985 Tom Toelle

Flucht ohne Ende (Rolle: Fabrikant Wormser)

Der Kriegsheimkehrer Franz Tunda sitzt in einem Bistro in Paris und erzählt seine Lebensgeschichte - es ist eine Flucht ohne Ende. Nachdem er 1916 als k.u.k.-Offizier in russische Gefangenschaft gerät, flieht er und kann sich bei einem sibirischer Jäger vorerst verstecken. Franz versucht, in seine Heimatstadt zu kommen, dabei wird er erneut geschnappt und verhaftet. Er kommt abermals frei und schließt sich den Bolschewiken an, verliebt sich in eine russische Kommissarin. Aber letzten Endes bleibt Franz ein Fremder, der sich mit dem fremden Land nicht anfreunden kann. (rk)

1985 Michael Kehlmann

Des Teufels Paradies (Rolle: Schomberg) 

1987 Vadim Glowna

Ex und Hopp (Rolle: Brauereibesitzer Heinrich Hartholz)

1991 Andy Bausch

Der kleine Lord (Rolle: Brauereibesitzer Carl Schneibel)

1994 Giorgio Capitani

Der Schattenmann (Rolle: Janusz Herzog)

1995 Dieter Wedel

Enigma - Eine uneingestandene Liebe (Rolle: Nobelpreisträger Abel Znorko) 

2005 Volker Schlöndorff
Die rote Zora (Rolle: Fischer Gorian) 2006 Peter Kahane
Gegenparade - 20359 St. Pauli (Rolle: Baldu) 2009/10 Tarek Ehlail
Weitere Filme mit Mario Adorf sind auf der IMDb-Website gelistet.

 

  

 

 

 

 

 

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 16. Juni 2017

 

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