Kurt Raab

Regisseur  Darsteller  Mitwirkung  Synchronsprecher 

Regie-Assistenz, Drehbuchautor, Drehbuch-Mitarbeit, Dramaturg

Bauten, Ausstattung, Kostüme, Produktionsleitung

       

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Essay der filmzentrale.com

  

Kurt Raab bei filmportal

 

Ein Nachruf von Dirk C. Fleck

 

  

   

  

  

  

Kurt Raab in "Bolwieser" - Foto: Einhorn-Film

Kurt Raab und Elisabeth Trissenaar in "Bolwieser"

Foto: Einhorn-Film

Geboren am  20. Juli 1941 in Bergreichenstein (Böhmen) als Sohn eines Pferdeknechts.

Gestorben am 28. Juni 1988 in Hamburg.

  

Kurt Raab war eines der bekannten Gesichter des "Neuen deutschen Films". Bereits auf dem Musischen Gymnasium, das er in Straubing besuchte, lernte er Wilhelm Rabenauer (d.i. Peer Raben) kennen und schätzen. Nachdem Raab sein Abitur hinter sich gebracht hatte, studierte er in München Geschichte und Germanistik. Nebenbei nahm er kleine Arbeiten beim Fernsehen an und arbeitete als Kabelträger beim Bayerischen Rundfunk oder beim ZDF als Requisiteur.

1966 wurde er als Kassierer beim "action-theater", welches in München in der Müllerstraße agierte, eingestellt. Dort wurde Raab auch gleich durch seinen Freund Peer Raben (der als Absolvent des Zinner-Schauspielstudios bereits 1965 ein erstes ein Engagement an der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin erhielt) in die Schauspielerei eingeführt, so dass er eine erste Rolle in dem Stück "Antigone", die Raben inszenierte, bekam. Dort, im "action-theater", lernt er den noch völlig unbekannten 20jährigen Rainer Werner Fassbinder kennen, der aus Raabs späterem künstlerischen Leben nicht mehr wegzudenken ist.

  

1968 "stirbt" das "action-theater" und weiterhin ist Raab maßgeblich am Aufbau eines neuen Theaters, welches unter dem Namen "Antiteater" im Mai 1968 auf Initiative Fassbinders von Ursula Strätz (s. auch News 2011), Horst Söhnlein und Peer Raben in München gegründet wird, beteiligt. Folgende Personen wirkten hier als Schauspieler außer den oben bereits genannten u.a. mit: Doris Mattes, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Hans Hirschmüller, Ingrid Caven, Rudolf Waldemar Brem und Harry Baer. Im "Antiteater", das sich in den hinteren Räumen der Kneipe WITWE BOLTE befand, wurden zwischen August 1967 und September 1969 sechzehn Stücke aufgeführt, bei denen Kurt Raab immer als Schauspieler (Ajax, Der amerikanische Soldat, Anarchie in Bayern, Antigone, Die Bettleroper, Blut am Hals der Katze, Chung u.v.a.) und auch als Ausstatter eingesetzt wurde. Die Aufführungen hier waren immer restlos ausverkauft, die Leute strömten aus ganz Deutschland hierher und die Presse war durchaus positiv. Dadurch aber, dass Fassbinder jetzt mehr und mehr dem Filmen zugeneigt war und das Theater keinen "Kopf" mehr hatte, der es konsequent weiter führen konnte, wurde auch dieses geschlossen, so dass die letzte Aufführung im Herbst 1969 stattfand. Dazu schreibt Wikipedia: "1970 brach das Antiteater zusammen, da einige Mitglieder der Gruppe ihre Einnahmen nicht versteuert hatten und das Finanzamt München eine angenommene Gewinnsumme des Antiteaters und der antiteater-X-Film als Grundlage von Steuerberechnungen ausstellte. Hinzu kamen Schulden der antiteater-X-Film, was nach langwierigen Verhandlungen und Nachweiserbringungen gegenüber dem Finanzamt und Verhandlungen mit Gläubigern um die 200.000 Deutsche Mark ausmachte. Diese Schulden wurden in den Folgejahren ausschließlich von Fassbinder beglichen."

  

Raabs erste große Filmrolle war die des Herrn R. in Warum läuft Herr R. Amok?. Kay Weniger schreibt über Kurt Raab in "Das große Personenlexikon des Films": "Seine Charaktere waren nahezu durchweg skurrile Außenseiter, wild gewordene, reaktionäre Spießbürger oder geifernde, scheinmoralische Biedermänner. Auch seine Arbeit als Szenenbildner unterstützte Fassbinders Versuch, eine Welt des Kleinbürgermiefs zu kreieren."

Kurt Raab war bis 1977, dem Jahr, als er sich von Fassbinder trennte, an fast allen Produktionen beteiligt, sei es als Schauspieler, Regie-Assistent, Ausstatter (hier bekam Kurt Raab für seine Arbeit bei Fassbinders Whity den Deutschen Filmpreis), Produktionsleiter, Kostümberater, Mitarbeit am Drehbuch (die erste Drehbuchversion von Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel ist von ihm) oder Bühnenbildner. Seine letzte große Rolle hatte er in dem Fassbinder-Film, der für das Fernsehen gedreht wurde: Bolwieser, eine Adaption des Romans des von mir sehr geschätzten Oskar Maria Graf.

  

Nach der "Trennung" von Fassbinder konnte er sich in den folgenden Jahren über Rollenangebote nicht beklagen, so dass er von vielen Jung- und Autorenfilmern gebucht wurde, z.B. von Herbert Achternbusch, Reinhard Hauff, Alf Brustellin, Walter Bockmayer, Klaus Lemke, Hans Noever, Werner Schroeter, Helmut Dietl, Ulli Lommel und natürlich Peer Raben. Für den Film Zärtlichkeit der Wölfe, der von Ulli Lommel in Szene gesetzt wurde, spielt Kurt Raab grandios den Massenmörder Haarmann und schreibt hier ebenfalls das Drehbuch. Außerdem hatte Kurt Raab auch an diversen Theatern Engagements, wie z.B. in Bochum, München und Hamburg. 

  

Mitte der 1980er-Jahre erkrankte der vielseitige Künstler an der Immunschwäche AIDS. Sein "Weg" bis ins Jahr 1987 ist in dem Achternbusch-Film Wohin? dokumentiert. 1988 - so Kay Weniger - beteiligt sich Kurt Raab in einer Dokumentation über sein eigenes Sterben mit dem Titel Mitten im Leben. Und er äußerte sich noch wenige Monate vor seinem Tod in einer NDR-Talkshow ergreifend zum Thema Menschlichkeit gegenüber AIDS-Erkrankten.

  

Kurt Raab starb am 28. Juni 1988 in einem Hamburger Tropeninstitut.

  

   

 

  

 

  

    

   

   

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 14. Sept. 2017

  

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