Rio das Mortes

1970

 

Filmliste Rainer Werner Fassbinder

 

  

  

Regie

Rainer Werner Fassbinder

Drehbuch

Rainer Werner Fassbinder

Vorlage

Nach einer Idee von Volker Schlöndorff

Produktion

Janus Film und Fernsehen / antiteater-X-Film

Kamera

Dietrich Lohmann

Musik

Peer Raben

FSK

-

Länge

84 Minuten

Sonstiges

Weitere Informationen bei

basisfilm.de (1), basisfilm.de (2), basisfilm.de (3)

Ur-/Erstaufführung

TV-Ausstrahlung 15.02.1971 (ARD)

Genre

Western, Fernsehfilm

  

    

 

Darsteller

Rolle

Hanna Schygulla

Hanna

Michael König

Michel

Günter Kaufmann

Günter

Katrin Schaake

Katrin, Hannas Freundin

Joachim von Mengershausen

Joachim Katrins Freund

Lilo Pempeit

Günters Mutter

Franz Maron

Hannas Onkel

Harry Baer

Kollege von Michel

Walter Sedlmayr

Sekretär

Ulli Lommel

Autohändler

Monika Stadler (= M. Nüchtern)

Angestellte im Reisebüro

Marius Aicher

Meister

Carla Aulaulu

Kundin

Kurt Raab  

Tankwart

Hanna Axmann-Rezzori

Mäzenin

Ingrid Caven

Kollegin von Hanna

Kerstin Dobbertin

Kollegin von Hanna

Magdalena Montezuma

Kollegin von Hanna

Elga Sorbas

Kollegin von Hanna

Carl Amery

Bibliothekar

Rudolf Waldemar Brem

Kneipenbesucher

Rainer Werner Fassbinder

tanzt mit Hanna

Eva Pampuch

seine Freundin

   

     

 

Inhalt  

Auch Rio das Mortes spielt in einem kleinbürgerlichen Milieu, aber während in den früheren Filmen die Trostlosigkeit des Milieus betont wurde, ist es hier vom Glanz des Filmtraums erfüllt, der wiederum zu den Stimulanzien eben dieses Milieus gehört.

Hanna (Hanna Schygulla) möchte gern Michael (Michael König) beiraten, aber Michael und sein Freund Günther sehnen sich weit weg und träumen davon, das Jungenabenteuer aller Zeiten zu erleben. Sie haben eine Karte von Peru gefunden, die zeigt, wo ein riesiger Schatz begraben liegt, und nehmen sich vor, ihn zu finden. In dieser Satire über das frustrierende Leben des Kleinbürgertums greift Fassbinder noch einmal auf einen vorpubertären Zustand zurück, in dem der Phantasie noch alle Möglichkeiten offen stehen.

 

Michael und Günther werden in einer Sequenz vorgestellt, in der sie sich - wie in einem Howard Hawks-Film - eine gewaltige Schlägerei liefern, die sich bald als versteckte Liebeserklärung erweist, als Ausdruck der physischen Anziehung zwischen ihnen. Hanna besucht das Kindergärtnerinnen-Seminar und wird vorgestellt, als sie gerade den Satz paukt, das Ziel aller Erziehung sei Anpassung. Die beiden Freunde haben sich allerdings nie anpassen können, obwohl sie es versuchen. Um ihre Expedition nach Peru zu finanzieren, nehmen sie Kontakt mit verschiedenen Geldleuten auf, scheitern aber jämmerlich, als sie die Sprache des Kapitals sprechen wollen. Ihre Welt ist eine andere. In beiden steht ein Künstler!

Zu guter Letzt lernen sie eine ältere Dame kennen, die Verständnis hat für ihr wahnsinniges Vorhaben und ihnen schenkt, was sie brauchen. Sie wird von Hanna Axmann-Rezzori gespielt, die im Jahr zuvor einem anderen Träumer, Rainer Werner Fassbinder, 20 000 DM geschenkt hatte, damit er seinen ersten Film realisieren konnte.

  

Hanna ist entsetzt, denn die Reise scheint jetzt doch bevorzustehen. Sie sehnt sich nach einer normalen Ehe mit Michael und versucht, die Reise mit dem Mittel zu vereiteln, zu dem die frustrierte Liebe bei Fassbinder so oft greift: einer Pistole. Als die beiden Freunde unterwegs zum Flugzeug sind, legt sie wie in einem Gangsterfilm die Pistole auf sie an, dann fällt ihr (oder Fassbinder) aber offenbar ein, dass es sich hier um eine andere Art Film handelt, sie lässt den Revolver sinken und greift statt dessen nach einem Lippenstift. Der Film endet mit einer leicht morbiden Nahaufnahme, in der Hanna dick Lippenstift aufträgt, um sich für neue Möglichkeiten vorzubereiten.

  

Rio das Mortes ist kein gelungener Film und wohl der einzige uninteressante von Fassbinders frühen Avantgardefilmen. Seine leicht komödiantische Form lag Fassbinder nicht, aber der Film enthält doch ein Detail, das in eine Sammlung seiner denkwürdigen Szenen gehört:

Fassbinder als dummer, fetter Ledertyp tanzt mit Hanna Schygulla, die sich zu Elvis Presleys "Jailhouse Rock" aus der Juke-Box als Provinz-Marilyn Monroe aufspielt. Sie bewegt sich immer überschwänglicher, während er nicht für zehn Pfennig Rhythmus im Leib hat, sondern versucht, ihre anmutigen Bewegungen mit ein paar unbeholfenen, brutalen Gesten nachzuahmen. Die Schöne und das Tier finden reichlich Gefallen aneinander. Als die Platte abgelaufen ist, setzt sich der Ledertyp wieder zu seinem Mädchen an die Bar.

"Mit mir tanzt du nie so", sagt sie vorwurfsvoll.

"Du kannst auch nicht so tanzen", sagt er und knallt ihr zur Sicherheit noch eine.

In einer wunderbaren Verkürzung enthält diese kleine Szene den Hauptgegensatz des Films: Kinotraum kontra kleinbürgerlicher Alltag. Dieser Gegensatz sollte Fassbinders Schaffen weitgehend prägen, und Rio das Mortes greift der Verschmelzung von Kinofilmen und bürgerlichen Filmen vor, mit denen Fassbinder einem größeren Publikum bekannt wurde.

In Rio das Mortes hat diese Verschmelzung noch den Charakter einer Demonstration, aber sie deutet den weiteren Weg an.

(Quelle: Christian Braad Thomsen: "Rainer Werner Fassbinder - Leben und Werk eines maßlosen Genies", Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Hamburg, 1993, Seiten 119-120, Textübernahme mit freundlicher Erlaubnis des Autors)

  

  

  

 

  
    

 

 

   

    

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 18. Mai 2016

  

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