Das Wahlergebnis 1987
Filmliste Joachim Roering
sowie Fabian Wander, Irmgard Rießen, Irmgard Jedemzik, Katharina Brauren, Henry König, Regine Lamster, Manfred Denninger u.a.
Inhalt Wieder einmal strebt eine der vielen Wahlen in unserem Land ihrem Höhepunkt zu. Der sogenannte Souverän, das Volk, hatte das Wort. Die Wahllokale sind geschlossen; die Entscheidung oder besser: das Urteil über die Politik der vergangenen Jahre und ihre Vertreter ist gefallen. Wie gehabt läuft mit gewohnter Routine und Perfektion die Wahlsendung: Die Moderatoren spielen sich geschickt die Bälle zu, die ersten Hochrechnungen laufen, Studiogäste werden interviewt, beliebte Stars treten auf, kurze Politikerporträts werden eingespielt, Rückblicke wechseln mit Ausblicken, und schon bald ähnelt die Atmosphäre mehr der einer Unterhaltungs- denn der einer Wahlinformationssendung. Kleine Pannen bestätigen nur die Perfektion und heben die Stimmung. Da sind plötzlich kleine Irritationen zu spüren, zunächst kaum wahrnehmbar. Aber schon bald entsteht Unruhe. Sonst interview-freudige und redselige Politiker reagieren auf die üblichen harmlosen Fragen von Journalisten teils einsilbig, teils verlegen. Die Türen in den Parteizentralen und zu den Fraktionssälen schließen sich hastig und bleiben geschlossen. Was ist geschehen? Droht ein Unheil und wenn ja, aus welcher Richtung? In der Gerüchteküche brodelt und dampft es.
Hanno Lunin zu seinem Film: EIN SATYRSPIEL ZUM WAHLTAG
Wahlen standen bevor. Ein Gespräch unter Freunden: Was wählst du diesmal? Was müssten unsere Stimmzettel diesmal bewirken oder verhindern helfen? Was überhaupt bringen Wahlen noch und was schon nicht mehr? Plötzlich eine aberwitzige Idee... Wieso aberwitzig? Lass sie uns in Gedanken durchspielen. Drei Jahre später ist aus dem Aberwitz ein Fernsehspiel geworden: die Nachzeichnung einer Wahlsendung - von grotesker Unglaubwürdigkeit? Oder hat jeder Wahlberechtigte nicht schon man Ähnliches (oder gar Gleiches) gedacht? Wenn man unsere Politiker hört, so scheint es - mit wenigen Ausnahmen - normal zu sein, dass alle Parteien aus den Wahlen als Sieger hervorgehen. So auch in unserem Spiel. Dennoch kommt es zu einem Eklat: politisch, juristisch, journalistisch. Komik kommt auf und breitet sich in ausgewogenem Proporz über Politiker, Parteien, Demoskopen und Medien. Und der Wähler, dieser vielzitierte 'eigentliche Souverän': Ist er wirklich souverän? Souverän ist jedenfalls, wer über sich selbst zu lachen vermag. Das Fernsehen versucht es hier. Mehr im voraus verraten hieße, Spannung und Überraschungen sabotieren. Insofern hat dieser Film etwas von einem Krimi: einem leisen Politkrimi, einem satirischen Medienkrimi - am Nerv unserer Demokratie. Aber auch von einem Satyrspiel? Laut Friedrichs Theaterlexikon ist ein Satyrspiel ein "heiteres Nachspiel zu den griechischen Tragödien, benannt nach dem Chor der Satyrn (Dämonen mit Bockshufen, Zottelhaaren und Pferdeschweif)". Passt das auf unseren Film? Ich finde, es passt Hanno Lunin
(Quelle: Broschüre "SPIEL IM ZDF", Heft 2, Februar 1987, herausg. Zweites Deutsches Fernsehen, Information und Pressearbeit)
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