Das Leben des schizophrenen Dichters Alexander März 

1975

 

Filmliste Vojtěch Jasný

 

  

  

Regie ..............................................

Vojtěch Jasný

Drehbuch ........................................

Heinar Kipphardt

Produktion .....................................

CCC Television GmbH Berlin, im Auftrag des ZDF

Kamera ..........................................

Igor Luther

Länge ............................................

115 Minuten

Sonstiges .......................................

Mein Film-Tipp!

Auszeichnung .................................

-

Ur-/Erstaufführung ..........................

23. Juni 1975

Genre .............................................

Fernsehspiel, Drama

      

    

  

Darsteller Rolle
Ernst Jacobi ...................................... Alexander März
Michael Hinz ...................................... Dr. Kofler
Rudolf Wessely .................................. Direktor
Susanne Schaefer .............................. Hanna
A. O. Buck ........................................ Karl
Heinrich Giskes .................................. Albert
Jan Groth ............................................ Hans
Gisela Trowe ...................................... Malchen
Eva Brumby ...................................... Alexanders Mutter
Gert Schaefer ................................... Alexanders Vater
Udo Schön ........................................ Öchsel
Reinhild Solf ..................................... Ärztin

       

       

Inhalt

Seit elf Jahren befindet sich der Patient Alexander März in der Psychiatrischen Landesanstalt Lohberg. Mit der Diagnose "paranoide Schizophrenie" ist er vor 15 Jahren zum ersten Mal in die Anstalt eingewiesen worden. Man hat ihn in einer Damentoilette schlafend angetroffen. Er hat geäußert, er müsse durch fremde Beeinflussung, durch "Mikroimpulse", dauernd tun, was er nicht wolle. Alexander wird mit 60 Cardiacolschocks behandelt.

Der erste Aufenthalt in Lohberg dauert fünf Monate. Zur zweiten Einweisung kommt es, nachdem Alexander gegen seinen Vater Anzeige erstattet und ihn des Mordes an seiner Mutter bezichtigt. Nach Behandlung mit zehn Elektroschocks wird er als gebessert wieder entlassen - Bald wird jedoch ein dritter Aufenthalt notwendig. Die Krankengeschichte vermerkt erneute Behandlung mit Elektroschocks. Kurz darauf entweicht Alexander aus der Anstalt. Im Dom der Stadt wird er wieder aufgegriffen, als er die Kanzel besteigen will, um eine "totale Kriegserklärung dem Klerus" vorzulesen. Mit dem Vermerk "katatoner Erregungszustand, Fluchtgefahr" wird er in die geschlossene Abteilung der Anstalt verlegt: Die vierte Einweisung führt zum Daueraufenthalt.

 

Als Dr. Kofler den Patienten Alexander März kennenlernt, ist dieser bereits seit sechs Jahren hospitalisiert - einer der aufgegebenen Fälle. Dr. Kofler gehört zu der Generation jüngerer Psychiater, die der Institution der traditionellen psychiatrischen Anstalt kritisch gegenüberstehen und sozialpsychotherapeutische Rehabilitationsmaßnahmen anstelle der bloßen Behandlung durch moderne Psychopharmaka fordern. Aus der Erkenntnis, dass der erste Schritt zur Heilung darin bestehen muss, dem Patienten wieder zur Selbstbestimmung zu verhelfen, gründet Dr. Kofler mit jahrelang hospitalisierten Patienten eine Therapiegemeinschaft.

  

Besonders intensiv befasst sich Dr. Kofler mit dem Patienten Alexander März. Aus zahlreichen Gesprächen mit Alexander, aber auch mit dessen Eltern, ergibt sich das Bild einer repressiven Kindheit und Jugend, wird der Anteil der Familie, des Milieus und der Umwelt an Alexanders Krankheit deutlich: Alexander ist 1935 in München-Allach geboren. Sein Vater ist Polizeibeamter, bedeutend älter als die Mutter. Alexander ist mit einer leichten Missbildung behaftet, einer Gaumenspalte, die mehrfach operiert wird. Die Lautbildung des Kindes ist nasal. Wenn Besuch kommt, darf Alexander nicht sprechen, weil der Vater sich geniert. Die Mutter umsorgt den Knaben übertrieben. Die Schulkameraden hänseln ihn wegen seiner nasalen Sprache. Im Alter von 8 Jahren wird der Junge operiert. Wegen der verlorenen Zeit muss er die dritte Klasse wiederholen. Der Heranwachsende darf sich zu Hause nicht einschließen. Der strenge Vater argwöhnt, dass sein Sohn heimlich onaniert. Nach einer zweiten Operation der Gaumenspalte kommt Alexander auf die Handelsschule, die er jedoch vorzeitig verlässt. Er soll nun eine Banklehre antreten, findet jedoch keine Stelle. Er sitzt grübelnd herum und weigert sich, aus dem Haus zu gehen. Alexander wird zur Bundeswehr einberufen, von dort bereits nach 6 Monaten als "psychisch ungeeignet" entlassen. Wieder zu Hause, zeigt sich bei ihm immer deutlicher die Entwicklung eines wahnhaften Systems. Er verfasst Aufrufe und Traktate religiös-politischen Inhalts, spricht von Stimmen, die ihm Befehle erteilen, fühlt sich abgehört und verfolgt. Als er gar den Fernsehapparat aus dem Fenster wirft, steht für die Eltern fest, dass ihr Sohn "verrückt" geworden ist.

 

Dr. Koflers therapeutische Bemühungen um den Patienten haben Erfolge. Alexander gibt mehr und mehr seine autistische Abkapselung auf und zeigt wieder Fähigkeiten zu zwischenmenschlichen Kontakten. Zu seinem Arzt entwickelt er ein Vertrauensverhältnis und zu Hanna, einer Mitpatientin eine persönliche Beziehung. Eine besondere Bedeutung für die Therapie haben Gedichte, die Alexander auf Anregung von Dr. Kofler verfasst. Sie offenbaren nicht nur das Trauma als Alexanders Kindheit, sie erweisen sich darüber hinaus als sprachschöpferische Leistungen von eigenem Wert.

 

Durch einen Zwischenfall findet diese positive Entwicklung ein jähes Ende. Alexander schlägt einen Anstaltsbediensteten nieder, als er von diesem in einer intimen Situation mit Hanna überrascht wird. Gegen den Protest von Dr. Kofler wird der junge Mann wegen seines aggressiven Verhaltens wieder in die geschlossene Abteilung verlegt. Er zieht sich erneut in sich zurück. Dr. Kofler findet keinen Zugang mehr zu ihm. Das so hoffnungsvoll begonnene Experiment zur Wiederherstellung von Alexanders Persönlichkeit ist gescheitert, der Suizid nicht mehr zu verhindern.

(Quelle: Das Fernsehspiel im ZDF, Information und Presse/Öffentlichkeitsarbeit, Heft 9, Juni bis August 1975)

  

  

 

 

  

 

 


  

 

 

  

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 26. Mai 2016

  

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