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Die Ansiedlung
1973
Regie
Drehbuch
Otto
Jägersberg
Vorlage
-
Redaktion
Willi
Segler
Produzent
Jürgen
Dohme
Kamera
Ingo
Hamer
Musik
-
FSK
-
Länge
90
Minuten
Sonstiges
"Das
Fernsehspiel der Gegenwart"
FBW-Bewertung
-
Ur-/Erstaufführung
23.08.1976,
ZDF
Genre
Fernsehspiel
Darsteller
Rolle
Inhalt
In
Zellhorn an der Küste soll ein neues großes Industriegebiet entstehen.
Mit Unterstützung der Landesregierung und der regionalen
Verwaltungsorgane sollen hier Grundstoffchemie, ein Aluminiumwerk und ein
Kernkraftwerk angesiedelt werden. Man erhofft sich davon einen
wirtschaftlichen Aufschwung für die ländliche, bisher als
strukturschwach geltende Region. Der Euphorie der Wirtschaft und
Verwaltung steht eine herbe Kritik am Vorhaben durch die
Bürgerinitiativen und Umweltschützer gegenüber. Unter dem Motto
"Rettet die Küste" ist anlässlich der geplanten
Grundsteinlegung eine Protestdemonstration der Bürger angekündigt. Grund
genug für das Fernsehen, sich des Projektes Zellhorn anzunehmen.
Redakteur Hügelmann und der freie Mitarbeitet Jacobs erhalten den
Auftrag, einen Film über Zellhorn zu machen.
Hügelmann
interessiert an dem herzustellenden Film die Dramaturgie der offenen Form,
die Möglichkeit, dokumentarische Sequenzen und fiktive Spielszenen
miteinander zu verbinden. Jacobs verspricht sich einen Informationsfilm,
gesteigert in seiner Wirkung durch den Einsatz künstlerischer
Stilmittel. Fest steht für beide, dass Inhalt und Form des Films
erst durch das vor Ort vorgefundene Material bestimmt werden sollen. Als
Einstieg in das Firmenvorhaben bieten sich Recherchen bei jener
Chemiefirma an, die bereits seit Jahren in Dammburg, einem küstennahen
Standort wie Zellhorn weitere Ansiedlungspläne mit einer
Investitionssumme von einigen hundert Millionen Mark der Öffentlichkeit
vorgelegt hat. Es ist die POC, ein ausländischer Multikonzern. Welche
Erfahrung hat man in Dammburg gemacht? Sind diese Erfahrungen auf Zellhorn
übertragbar? Jacobs und Hügelmann stoßen bei ihren Recherchen auf
widersprüchliche Aussagen, die kein klares Bild ergeben. Die Vertreter
des POC-Managements verweisen voll Stolz auf die hohe Investitionssumme,
auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, auf Umweltschutzmaßnahmen, die
allein 15 Prozent der Investitionssumme ausmachen. Sie beklagen aber die
Verzögerung von weiteren Investitionen durch Verwaltungsklagen und
Prozesse, in die sie durch ein paar "unbelehrbare und
fanatische" Umweltschützer verwickelt sind.
Gemeint
ist die Bürgerinitiative mit ihrem Vorsitzenden Heyden. Dieser Heyden hat
seine Apotheke verkauft und kämpft schon jahrelang vor Gericht gegen die
POC, um den weiteren Ausbau zu verhindern oder doch wenigstens verstärkte
behördliche Umweltschutzauflagen durchzusetzen. Heyden hält die Umwelt
durch die POC in höchstem Maße für gefährdet. Es sind nicht nur die
umweltbelastenden Emissionen bei Normalbetrieb des Werkes, sondern einige
Leckagen - aus Sicht der Betriebsleitung unvermeidbare
Anfangsschwierigkeiten - haben bei Heyden die Furcht wachsen lassen, dass
sich eines Tages bei der POC der große Katastrophenfall ereignen könnte.
Dafür scheint auch die Ablösung des Gewerbeaufsichtsbeamten Niederdrenk
zu sprechen - in Heydens Augen eine Strafversetzung wegen allzu genauer
Kontrolle der POC-Aktivitäten, nach Lesart der Behörden hingegen eine
Beförderung.
Immer
mehr Widersprüche tun sich vor Jacobs und Hügelmann auf, je weiter sie
in die komplette Materie eindringen. Die Vertreter der Industrie und der
Genehmigungsbehörde haben manches gute Argument vorzubringen,
andererseits machen die Vertreter des Umweltschutzes nicht immer die beste
Figur, angefangen vom Aufsichtsbeamten Niederdrenk, der ein Verhalten an
den Tag legt, das nicht unbedingt mit dem Bild des preußischen Beamten in
Übereinstimmung zu bringen ist, der unerschrocken seine Pflicht erfüllt,
bis zum Ornithologen Dr. Steiger, dessen Umweltsicht sich als
sektiererisch verengt erweist. Angesichts der Flut von widersprüchlichen
Fakten, Ein- und Ansichten, mit denen Jacobs und Hügelmann bei ihrer
Arbeit am Film konfrontiert werden, wird die Frage nach dem eigenen
Standort unausweichlich. Auch bei den Filmemachern zeigen sich
Widersprüche, nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringenden Ansichten.
Hügelmann ist bereit, sich mit einer pragmatischen Beschreibung des
Istzustandes zufrieden zu geben. Jacobs, ein romantischer Träumer des
Industriezeitalters, sucht nach gesellschaftlichen Lösungsmodellen, in
denen eine Harmonisierung der gegenwärtigen Widersprüche und Konflikte
möglich wird. Für ihn bestimmen nicht die Besitzverhältnisse bei den
Produktionsmitteln den Zustand der Welt, sondern die Art und Weise der
Produktion, also was und wie produziert wird.
Jacobs
und Hügelmann werden sich über die Standortfrage ebensowenig einig wie
über Inhalt, Aussage und Stilmittel des gemeinsam zu produzierenden
Films. Wie der Film aussehen wird, ist am Ende eine Machtfrage. Für die
Abnahme des geschnittenen Materials durch Abteilungsleiter Dr.
Fürstenberg hat Hügelmann ohne Wissen von Jacobs einen zweiten Schluss
herstellen lassen.
Dr.
Fürstenberg trifft dann auch gegen die Intentionen von Jacobs eine
eindeutige Entscheidung zugunsten der von Hügelmann vorfabrizierten
Schlussvariante. Jacobs skeptischer, fragender Schluss - der zeigen
sollte, wie die Demonstranten, die gegen die Industrieansiedlung in
Zellhorn protestieren, von der Polizei verprügelt werden - wird wegen
seiner emotionalisierenden Wirkung eliminiert. Statt dessen wird der Film
mit der Optimismus ausstrahlenden Grundsteinlegung und der positiven Rede
des Ministers enden. Ein Schluss, der die gebotenen Prinzipien der
Objektivität und der Ausgewogenheit hinreichend beachtet.
(Quelle:
Broschüre
"Das Fernsehspiel im ZDF", Heft 13, Juni bis August 1975, S.
3-9, Hrg. Zweites Deutsches Fernsehen, Informations- und Presseabteilung
/ Öffentlichkeitsarbeit)
Layout: Rosemarie Kuheim - Deutsches Filmhaus
Aktualisiert am 14.12.2025
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