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Der Fall Harry Domela - Dokumentarspiel - 1965
Inhalt
Am 11. Juli 1927 wurde von einer Kölner Strafkammer Anklage gegen den arbeits- und staatenlosen Baltendeutschen Harry Domela wegen Betrugs und Zechprellerei erhoben. Der Gerichtssaal wurde von den Zuschauern gestürmt, der Angeklagte von Pressefotografen und Reportern umringt.
Bezeichnend für Domelas Köpenickiaden war allerdings, dass seine Beute kaum jemals über etwas Taschengeld und dem Fahrpreis zur nächsten Station seines Wirkens hinausging. Offenbar war ihm der Genuss, in der vornehmen Gesellschaft geachtet und hofiert zu werden, mehr wert als materieller Gewinn. So genoss er denn auch den Höhepunkt seiner "Karriere", das Auftreten als Hohenzollernprinz Wilhelm in Gotha, mehr als buntes, prickelndes Abenteuer denn als Gelegenheit zu einem großen Coup.
Die Strafe für den rückfälligen Hochstapler und Betrüger - sieben Monate Gefängnis, durch die Untersuchungshaft fast verbüßt - war dann auch sehr milde, zumal kaum ein Geschädigter die Blamage auf sich nehmen wollte, als Belastungszeuge vor Gericht zu erscheinen.
Das komödienhafte Lehrstück aus den goldenen 20er-Jahren erzählt nicht nur die amüsante Geschichte vom falschen Prinzen, von dem die vornehme Welt jenes Jahrzehnts betrogen sein wolle. Es entlarvt zugleich eine "Demokratie ohne Demokraten", die indem sie ohne Selbstvertrauen den Blick zu sehr auf die Vergangenheit richtete, einer schlimmen Zukunft in die Arme lief. Dass dieses Dokumentarspiel über die Hochstaplerkarriere des falschen Prinzen Harry Domela zu einem Publikumserfolg wurde, ist dem hochbegabten Komödianten Hanns Lothar zu danken, der den Hochstapler verkörperte. Schon zwei Jahre nach der Erstsendung starb Lothar, am 11. März 1967, erst 38 Jahre alt.
(Quelle: Broschüre SPIEL IM ZDF, Heft 3, März 1987, Seite 16, herausgegeben vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung)
Layout: Rosemarie Kuheim - Deutsches Filmhaus Aktualisiert am 25. September 2026
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