Der Fall Harry Domela 

- Dokumentarspiel -

1965

 

Filmliste Wolfgang Schleif

 

  

  

Regie

Wolfgang Schleif

Drehbuch

Maria Matray, Answald Krüger

Vorlage

-

Szenenbild

-

Readktion

-

Produktion

Televersal, Hamburg

Kamera

?

Musik

?

Länge

68:43 Minuten

Sonstiges

Das Dokumentarspiel der Genrespezialisten Matray/ Krüger wurde im ZDF mehrfach wiederholt, am 14.04.1967, am 01.03.1978, am 11.03.1978. Auch das Fernsehen der DDR widmete sich dem historischen Kriminalfall und zwar in seiner Sendereihe "Fernsehpitaval". Die neunte Folge trug den Titel "Weimarer Pitaval: Der Fall Harry Domela" und ging am 04.06.1959 auf Sendung, diese Folge wurde von Wolfgang Luderer inszeniert. Harry Domela wurde hier von Alexander Hegarth verkörpert.

FBW-Bewertung

-

Ur-/Erstaufführung

23. März 1965

Genre

Fernsehspiel nach literarischer Vorlage

  

  

  

Darsteller

Rolle

Hanns Lothar Harry Domela
Friedrich Schütter Verteidiger
Reinhold Nietschmann Richter
Tilo von Berlepsch Graf Marwitz
Herbert Tiede Oberbürgermeister
Harry Hardt Hoteldirektor
Lola Chlud Baronin
Andrea Grosske Baronesse

                  

 

 

Inhalt  

 

Am 11. Juli 1927 wurde von einer Kölner Strafkammer Anklage gegen den arbeits- und staatenlosen Baltendeutschen Harry Domela wegen Betrugs und Zechprellerei erhoben. Der Gerichtssaal wurde von den Zuschauern gestürmt, der Angeklagte von Pressefotografen und Reportern umringt.

 

Szene aus "Der neue Mann":
mit Hanns Lothar (links zu sehen)
als Ingenieur Fred Staples, 1965,
Regie:
Rolf Hädrich

 
Mit freundlicher Genehmigung
von Pidax-Film, welche die
Produktion im Juni 2013
auf DVD herausbrachte
Wer war dieser junge Mann, der soviel Aufsehen erregte? Der Sohn eines Müllers in Lettland hatte sich mit fünfzehn Jahren einem Freikorps angeschlossen und war so nach Deutschland gelangt. Die Begegnung mit einem Gauner, der als Graf Marwitz illegale Sammlungen durchführte, brachte Domela auf die Idee, selbst unter adligem Namen sein Glück zu versuchen. Seine sympathische Erscheinung und sein Sinn für lässig-arrogante Allüren verhalfen ihm zu ungeahntem Erfolg. Als Graf von der Recke öffneten sich ihm die Adelssalons, und als Graf von Lieven stattete er einer studentischen Korporation in Heidelberg einen Besuch ab. Immer, wenn ihm der Boden unter den Füßen zu heiß wurde, verschwand er - nicht ohne eine 'kleine Anleihe' aufgenommen oder das Begleichen der Hotelrechnung "vergessen" zu haben.

 

Bezeichnend für Domelas Köpenickiaden war allerdings, dass seine Beute kaum jemals über etwas Taschengeld und dem Fahrpreis zur nächsten Station seines Wirkens hinausging. Offenbar war ihm der Genuss, in der vornehmen Gesellschaft geachtet und hofiert zu werden, mehr wert als materieller Gewinn. So genoss er denn auch den Höhepunkt seiner "Karriere", das Auftreten als Hohenzollernprinz Wilhelm in Gotha, mehr als buntes, prickelndes Abenteuer denn als Gelegenheit zu einem großen Coup.

 

Die Strafe für den rückfälligen Hochstapler und Betrüger - sieben Monate Gefängnis, durch die Untersuchungshaft fast verbüßt - war dann auch sehr milde, zumal kaum ein Geschädigter die Blamage auf sich nehmen wollte, als Belastungszeuge vor Gericht zu erscheinen.

 

Das komödienhafte Lehrstück aus den goldenen 20er-Jahren erzählt nicht nur die amüsante Geschichte vom falschen Prinzen, von dem die vornehme Welt jenes Jahrzehnts betrogen sein wolle. Es entlarvt zugleich eine "Demokratie ohne Demokraten", die indem sie ohne Selbstvertrauen den Blick zu sehr auf die Vergangenheit richtete, einer schlimmen Zukunft in die Arme lief.

Dass dieses Dokumentarspiel über die Hochstaplerkarriere des falschen Prinzen Harry Domela zu einem Publikumserfolg wurde, ist dem hochbegabten Komödianten Hanns Lothar zu danken, der den Hochstapler verkörperte. Schon zwei Jahre nach der Erstsendung starb Lothar, am 11. März 1967, erst 38 Jahre alt.

 

(Quelle: Broschüre SPIEL IM ZDF, Heft 3, März 1987, Seite 16, herausgegeben vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung)

  

  

 


  

 

 

  

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim - Deutsches Filmhaus

Aktualisiert am 25. September 2026

  

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