Warum läuft Herr R. Amok? 

(Begründung der Filmbewertungsstelle Wiesbaden)

  

  

  

  

  

"Der Bewertungsausschuss verlieh dem Film einstimmig das höchste Prädikat. Der Film ist in allem erstaunlich, nicht etwa nur wegen der oft zitierten Art, in der er entstand ("improvisiert" in drei Wochen).

  

Die Tragödie eines ganz normalen Lebenslaufs, der plötzlich und äußerlich ganz unmotiviert umkippt, aber keineswegs als "Tragödie" berichtet. Da wird nicht viel erzählt, da wird nichts erklärt, nichts "signalisiert". Aber am Ende erklärt sich alles wie von selbst. Da ist keine Spur mehr von der üblichen Gesellschaftskritik, da sind einfach die Menschen getroffen, im doppelten Sinn des Wortes. Es geht um einen einzelnen, um einen besonderen Fall, und an keiner Stelle wird auf tiefere oder allgemeine Bedeutung hingespielt. Trotzdem ist alles exemplarisch für alle. Nichts wird karikiert, aber jede mögliche Wirkung, die Karikatur haben kann, stellt sich ein. Ein Film, in dem viel geredet wird, und der doch kein überflüssiges Wort enthält; das ist kein Text zu den Bildern, sondern gehört in einer viel tieferen Weise dazu: ein marxistischer Zug des Films ("Die Sprache ist das praktische, auch für andere Menschen existierende, also auch für mich selbst erst existierende Bewusstsein"). Dem Film ist es gelungen, das Bewusstsein einer Gesellschaft und ihrer Zeit nicht nur darzustellen, sondern unmittelbar auszudrücken.

  

Improvisiert? Ja und nein. Man muss erst jedes Detail durchdacht haben und vor sich sehen, um so improvisieren zu können. Da stimmt jede Geste, jedes Wort, jede Pause. Kritische Zustandsschilderung, nicht analysierend, sondern lediglich wiedergegeben, aus einem sehr genauen, nichts verzerrenden Spiegel. Dies setzt ein sehr enges, intuitives Verhältnis zum Leben voraus, zu der Gesellschaft, die wir sind. Wenn man von einem Film einmal ohne Ironie sagen kann, dass er aus dem Leben gegriffen ist, dann von diesem.

  

Dass das so ganz ohne Verfälschung, auch ohne falsche Distanzierung, gelungen ist, ohne in Pathos zu verfallen noch der Gefahr zu erliegen, sein Thema der Lächerlichkeit preiszugeben, setzt allerdings einen sehr intelligenten und äußerst feinfühligen Gebrauch von technischen, stilistischen und darstellerischen Mitteln voraus. Die Darstellung verdienten samt und sonders Einzelpreise. Die fast laienhaft anmutende Farbfotografie entspricht genau dem Gewöhnlichen, dem "Unkünstlerischen", dem Banalen des Stoffes; die langen schnittlosen Passagen, bisher fast immer nur als Experiment probiert, erhalten auf einmal Sinn.

  

Einer der ganz wenigen Filme, die gegen den Kinokonsum, gegen die Traumfabrik gerichtet sind und die doch ankommen, das heißt die Menschen bewegen können, auch zum Nachdenken über sich selbst."

  

(Quelle: Filmbewertungsstelle Wiesbaden)

 

 

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 18. Mai 2016

  

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